Bobenheim-Roxheim
Wohnprojekt „Seegarten“: Planer stellen Idee für Kleinerweg vor
Kleinteilig, barrierearm, generationenübergreifend und naturnah – so könnte ein neues Wohnquartier in Bobenheim-Roxheim zwischen Vogelpark und Nachtweideweiher gestaltet werden, wenn denn die Maßgabe, dass das Wohnen dort unzulässig ist, aufgegeben wird. Binali Aslan, der Eigentümer des ehemaligen Gärtnereigeländes im Kleinerweg, bittet den Gemeinderat darum, darüber nachzudenken.
Bei der Vorberatung im Bauausschuss am Mittwoch wurde die Idee nicht gleich vom Tisch gefegt, vielmehr soll der Gemeinderat noch ein paar Kernpunkte an die Hand bekommen, die später in einem städtebaulichen Vertrag zwischen Eigentümer und Gemeinde festgehalten werden könnten. Die CDU-Fraktion wünscht sich das unter anderem mit Blick auf die Klientel, für den der „Seegarten“, so der vorläufige Titel des Projekts, gedacht ist.
Wohnen erlauben? Das ist die Grundsatzfrage.
Binali Aslan überließ im Ausschuss den Projektentwicklern Ron Hoffmann und Tim Barth das Wort. Sie stellten klar, dass es ihnen im Moment nur um „eine frühzeitige Orientierung“ gehe. Soll heißen: An die Planung machen sie sich erst, wenn die Gemeinde bereit ist, den Weg einzuschlagen. Sie müsste dann nämlich den Flächennutzungsplan ändern und einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufstellen. Auf Kosten des Investors, versteht sich.
Die Gemeinde lässt auf dem 11.000 Quadratmeter großen Gärtnereigelände bisher das Wohnen höchstens in einer Betriebswohnung zu. Aber die Chancen, dass sich dort noch mal ein Pflanzenhandel ansiedelt, gehen gegen null. Sollte sie daher nicht besser über ihren Schatten springen und auf dem Areal in Schutzgebietsnähe die Schaffung von Wohnraum erlauben? Um diese Grundsatzfrage geht es momentan.
Häuser verkaufen, nicht vermieten
Hoffmann und Barth machen ihre Idee für die Nutzung des durchaus sensiblen Bereichs im Osten von Bobenheim mit mehreren Argumenten schmackhaft. Sie denken ans kompakte Wohnen in den eigenen vier Wänden, an 35 bis 65 Quadratmeter große Einheiten, die sich nicht im herkömmlichen Geschossbau befinden, sondern freistehend als kleine Häuser in einer parkähnlichen Umgebung.
Der Gedanke, dass das für ältere Menschen, die reduzierter wohnen möchten, attraktiv sein könnte, liegt nahe. Dafür gibt es in fast jeder Kommune Bedarf. Bauausschussmitglied Tobias Walter (CDU) hakte deshalb an diesem Punkt nach, und Tim Barth versicherte: „Es soll kein luxuriöses Wohnen für wenige werden.“ Zum Preis und zur Anzahl der Minihäuser könne er aber gegenwärtig noch nichts sagen. Und die Abbildungen in der Präsentation beruhten auf der Idee, nicht auf einem schon fertigen bautechnischen Konzept.
Die beiden jungen Entwickler aus Heidelberg führen zudem an, dass der „Seegarten“ zur Entsiegelung des Geländes beitrage, weil dann die Betonfundamente der nördlich des früheren Verkaufsraums gelegenen Gewächshäuser verschwänden. „Derzeit sind etwa 60 bis 70 Prozent der Fläche versiegelt“, so Barth. Die neuen Holzbau-Häuschen dagegen würden auf Schraubfundamenten gegründet.
Risiko für Hochwasser gegeben
Die Bobenheim-Roxheimer Bürgervertreter sorgen sich, weil das Areal im Hochwasserrisikogebiet liegt. Dafür müssten dann im Planverfahren Lösungen gefunden werden, hieß es vonseiten der Projektierer, die schon bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd angefragt haben. Die Behörde sehe es nicht als unmöglich an, dass dort trotzdem gebaut werden darf.
Mehrfach wurde der Aspekt der Gleichbehandlung thematisiert. Ausschussmitglieder führten alte und jüngere Fälle an, in denen die Gemeinde gegenüber privaten Bauherrn restriktiv gewesen sei. Das passe eventuell nicht zu der Entscheidung, dieses Vorhaben im Kleinerweg zuzulassen. „Das könnte zu einem Präzedenzfall werden“, sagte Michael Voll (CDU). Bürgermeister Michael Müller (SPD) argumentierte hinsichtlich früherer Fälle, dass letztlich die Kreisverwaltung Baugenehmigungen erteile oder aber verweigere, falls bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllt seien. „Für dieses Projekt hier“, so Müller, „ist im Moment überhaupt keine Voraussetzung erfüllt. Wir müssen entscheiden, ob wir die Voraussetzungen schaffen wollen.“


