Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Frankenthalerin Anna Kemper die Brände in Los Angeles erlebt

Angefacht vom „Teufelshauch“: Diese Feuerwand über den Hügeln von Los Angeles hat Anna Kemper am Mittwoch gepostet.
Angefacht vom »Teufelshauch«: Diese Feuerwand über den Hügeln von Los Angeles hat Anna Kemper am Mittwoch gepostet.

Mindestens fünf Tote, Hunderte zerstörte Gebäude, Zehntausende Menschen auf der Flucht – teilweise unkontrollierte Brände in und um Los Angeles nehmen apokalyptische Ausmaße an. Wie sich die Frankenthalerin Anna Kemper fürs Schlimmste rüstet.

Vorige Woche hat Anna Kemper noch in dem Supermarkt im vornehmen Stadtteil Pacific Palisades eingekauft. „Jetzt existiert er nicht mehr“, berichtet die gebürtige Frankenthalerin, die vor drei Jahren an die Westküste der USA ausgewandert ist. Vor den nördlichen Toren von Los Angeles bekommt die 35-Jährige die rasende Entwicklung mehrerer Brände in der Region hautnah mit. Ihr Apartment im San-Fernando-Tal hat sie noch nicht räumen müssen, „aber die Koffer sind gepackt“, erzählt sie in einem Videotelefonat mit der RHEINPFALZ am späten Mittwochabend.

Äußerlich gefasst schildert die Fitness- und lizenzierte Kampfsporttrainerin, die in der Kolumne „Sport, Spinat und Magerquark“ regelmäßig Tipps für gesunde Ernährung und Eigenmotivation gibt, wie die letzten Stunden auch ihr Leben vom Kopf auf die Füße gestellt haben. Reichlich unvermittelt – zumindest aus europäischer Perspektive – haben nicht Nachrichten von einem bang erwarteten heftigen Erdbeben im San-Andreas-Graben aufgeschreckt, sondern von derzeit kaum kontrollierbaren Bränden mitten im Winter. Zwei größere nähern sich dem Tal nördlich von Hollywood. Eines davon wütet etwa 15 Kilometer südwestlich und ist in der hiesigen Berichterstattung in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt, weil es Teile des Reichenviertels Pacific Palisades in Schutt und Asche gelegt hat.

Durchtrainiert: Personal Trainerin Anna Kemper
Durchtrainiert: Personal Trainerin Anna Kemper

Verheerende Fallwinde

Auch von Norden, aus der Gegend um Santa Clarita, zeigt die Warn-App ein sich ausbreitendes Feuer an. Ein weiteres kleineres, zumindest zum Zeitpunkt des Telefonats, ist keine vier Kilometer von Kempers Apartment ausgebrochen. Wenn sie aus dem Fenster schaut, kann sie Rauchwolken sehen. „Der Himmel verfärbt sich immer dunkler, die Luftqualität hat sich deutlich verschlechtert.“

Dass heiße Brände mitten im meteorologischen Winter ausbrechen, hat Kemper weniger überrascht. Auf die Santa-Ana-Winde sei man prinzipiell eingestellt. Die Fallwinde, auch bekannt als Teufelshauch oder rote Winde, beeinflussen das Wetter in Südkalifornien um diese Jahreszeit regelmäßig. Begünstigt wurden sie diesmal aber durch eine anhaltende Trockenheit und niedrige Luftfeuchtigkeit. In der Folge können sich Flammen ungehinderter voranfressen, während Löscharbeiten durch die starken Winde erschwert werden.

Rauchwolken am Horizont: Blick aus Anna Kempers Apartment.
Rauchwolken am Horizont: Blick aus Anna Kempers Apartment.

Zuflucht bei der Cousine

Hatte Kemper vorige Woche noch Kunden in Pacific Palisades trainiert, so steht das Leben seit Mitte dieser Woche quasi still. „Auf Instagram erreichen mich Bilder und Videos von verbrannten Straßenzügen, die ich kaum wiedererkenne“, berichtet sie. Wohin würde Kemper sich flüchten können, wenn der urplötzlich gar nicht mehr so unwahrscheinliche Evakuierungsaufruf sie erreichen würde? „Eine Cousine von mir wohnt in Long Beach im Süden von Los Angeles“, erzählt sie. Dorthin sollte sie gut durchkommen, erwartet Kemper. Der Highway sei aktuell nicht verstopft, Verkehrsmeldungen gingen zuverlässig ein, die Information der Bevölkerung über diverse Kanäle sei präzise.

Ist Kempers nüchterne Einstellung fatalistisch oder dem Schock geschuldet, dem man unterliegt, wenn man binnen Stunden mit lebensbedrohlichen Zuspitzungen in nächster Nähe konfrontiert ist? „Das ist die kalifornische Lebenseinstellung“, kontert sie. „Um meine eigene Sicherheit mache ich mir weniger Sorgen. Viel mehr bewegt mich zusehen zu müssen, wie Freunde und Bekannte um mich herum gerade alles verlieren; beobachten zu müssen, wie eine Stadt, die zum zweiten Zuhause geworden ist, abbrennt.“ Gerade hat sie eine weitere Hiobsbotschaft erreicht: Die Jiu-Jitsu-Akademie in den Pacific Palisades, in der sie bislang Kinder unterrichtet hat, ist komplett abgebrannt.

Bronze bei der WM: Im Brazilian Jiu-Jitsu stand Anna Kemper 2023 in Las Vegas auf dem Siegertreppchen.
Bronze bei der WM: Im Brazilian Jiu-Jitsu stand Anna Kemper 2023 in Las Vegas auf dem Siegertreppchen.

Entwarnung in die Heimat

Und wie viele Sorgen macht sich ihre Familie in der Frankenthaler Heimat, wie viele besorgte Gemüter muss sie in diesen Stunden beruhigen? „Gefühlt ist die Unruhe zu Hause größer“, so ihr Eindruck. „Ich fühle mich hier von den Behörden gut und ausreichend informiert. Mit der Entscheidung, nach Los Angeles zu ziehen, habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt. Ich würde es wieder tun.“

Am späten Donnerstagnachmittag sendet Kemper eine WhatsApp aus L..A.: „Die Winde sind zum Glück abgeflacht, die Feuer können sich also nicht mehr so schnell ausbreiten“.

Zur Person

Anna Kemper ist staatlich anerkannte Trainerin für Sportrehabilitation einerseits und für Fitness andererseits. Vor ihrem Umzug nach Kalifornien vor drei Jahren hat die Personal Trainerin die Kampfsportschule Fight Circus Frankenthal geleitet. Die 35-Jährige hat am Albert-Einstein-Gymnasium ihr Abitur gemacht. Die lizenzierte Kampfsporttrainerin hat einen Master in Biologie, Schwerpunkt Humanphysiologie, also der Lehre von Vorgängen in den Zellen, Geweben und Organen. Neben ihrer Arbeit als Trainerin schreibt die gebürtige Frankenthalerin regelmäßig Beiträge über ideale Ernährung und Fitness auch für die RHEINPFALZ. Weitere Infos zu Personal Training in Frankenthal im Internet unter www.vital-and-innovative.de.

Zur Sache

Christian Schreider, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal schaut besorgt auf die Auswirkungen der Waldbrände im Westen Kaliforniens. Nach gut zwei Jahren mit überdurchschnittlich viel Regen und zuletzt üppig gewachsener Vegetation erfahre die Region nun einen der trockensten Winter aller Zeiten. Ihn treibe auch die Zukunft des Thomas-Mann-Hauses und der Villa Aurora um, erklärte Schreider am Donnerstag. Ersteres, eine der transatlantischen Begegnungsstätten für den deutsch-amerikanischen Kultur- und Literaturaustausch, hatte die Bundesregierung Ende 2016 unter Mitwirkung seiner Vorgängerin Doris Barnett (SPD) als Werkstatt für die deutsche Exilliteratur erworben.

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