Sport, Spinat und Magerquark RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Bewegung überschüssige Pfunde loswerden

Bei intensiven Trainingseinheiten wie Sprints benötigt der Körper Kohlenhydrate, uum die optimale Leistung zu bringen.
Bei intensiven Trainingseinheiten wie Sprints benötigt der Körper Kohlenhydrate, uum die optimale Leistung zu bringen.

Die Fettverbrennung beginnt erst nach 30 Minuten Belastung? Fett wird nur bei einer bestimmten Herzfrequenz verbrannt? Diese Mythen existieren beinahe so lange wie das Übergewicht selbst.

Verbrennt der Körper beim Sport tatsächlich erst ab Minute 30 Fett? Was passiert, wenn der Puls während des Dauerlaufs fünf Schläge über oder unter der angepeilten Herzfrequenz liegt? War dann alles umsonst? Wir gehen dem Mythos um die Fettverbrennung auf den Grund.

Warum verbrennen wir überhaupt Fett? Fett dient dem Körper als Treibstoff. Ohne diesen könnten wir weder laufen, sprechen noch atmen. Wir wären nicht lebensfähig. Tatsächlich nutzt der Körper nicht nur eine, sondern zwei unterschiedliche Energiequellen. Neben Fett, werden außerdem Kohlenhydrate zur Energiegewinnung verbrannt. Aber wieso braucht der Körper zwei verschiedene Treibstoffe? Wäre es nicht mit einem getan? Das liegt daran, dass jede der zwei Energiequellen ihre Vorzüge hat, jedoch auch mit gewissen Nachteilen daherkommt.

Warum zwei Energiequellen?

Kohlenhydrate liefern schnell und viel Energie auf einmal. Daher nutzt der Körper sie besonders gerne für intensive Trainingseinheiten. Der Nachteil ist, dass Kohlenhydrate nur in begrenzten Mengen gespeichert werden können. Werden keine neuen Kohlenhydrate über die Nahrung aufgenommen, sind die Speicher nach 30 bis 90 Minuten leer. Kurze, intensive Trainingseinheiten sind kein Problem. Treibt man länger als 90 Minuten am Stück Sport, wie zum Beispiel bei einem Marathon, benötigt der Körper jedoch eine Energiequelle, die weniger schnell erschöpft.

Hier kommt das Fett ins Spiel. Die Fettreserven sind – auch bei sehr schlanken Menschen – deutlich ergiebiger als die Kohlenhydratspeicher. Daher kann die Fettverbrennung sehr lange ablaufen, ohne dass Nachschub über die Nahrung benötigt wird. Allerdings ist die Energiegewinnung aus Fett relativ langsam und wenig effizient. Bei intensiven Belastungen wie beispielsweise Sprints kann der Körper nicht ausreichend und schnell genug Energie mit Fett gewinnen. Hier benötigt er Kohlenhydrate, um optimale Leistung bringen zu können.

Wenn Kohlenhydrate zur Neige gehen

Ist es also wahr, dass nach einer gewissen Zeit oder bei einer gewissen Intensität ein Schalter umgelegt und von Kohlenhydrat- auf Fettverbrennung umgestellt wird? Nicht ganz. Tatsächlich laufen Fett- und Kohlenhydrat-Verbrennung immer zur selben Zeit ab. Die Anteile variieren jedoch. Bei kurzen intensiven Belastungen werden mehr Kohlenhydrate verbrannt. Gehen die Kohlenhydratspeicher zur Neige oder ist die Sporteinheit nicht so anstrengend, wird hauptsächlich Fett als Energiequelle genutzt.

Der Mythos stimmt also? Wer seine überschüssigen Fettreserven loswerden möchte, muss lange und weniger intensiv Sport machen? Nein. Um den Fettpolstern an den Kragen zu gehen, kommt es lediglich auf eins an: mehr Energie zu verbrennen, als man zu sich nimmt. Dabei ist es völlig egal, ob die Energie aus Kohlenhydraten oder Fett gewonnen wird.

Verbrennt man über sein Training hauptsächlich Kohlenhydrate, nimmt aber keine Energie über die Nahrung auf, wird Fett aus den Fettreserven in Kohlehydrate umgewandelt. Dadurch werden die Kohlenhydratspeicher wieder aufgefüllt. Im Endeffekt wird also doch Fett verbrannt, und man nimmt ab. Oft sogar effektiver als durch stundenlange weniger intensive Einheiten. Denn bei kurzen anstrengenden Trainingseinheiten verbrennt man mehr Energie in kürzerer Zeit. Wer also überschüssige Pfunde loswerden möchte, muss nicht auf minutengenaue Belastungsdauer und Herzfrequenz achten. Es geht nur darum, mehr Energie zu verbrennen, als über die Nahrung aufgenommen wird. Den Rest regelt der Körper schon von alleine.

Die Autorin

Anna Kemper ist Personal Trainerin und Ernährungscoach bei VIP Training in Frankenthal. Außerdem betreut sie ganzheitlich Leistungssportler in den Bereichen Athletik, Ernährung und Regeneration. Im Netz: www.vital-and-innovative.de.

Die Serie

Spinat macht stark. Bananen schützen vor Krämpfen. Weizenbier ist das ideale isotonische Getränk nach dem Sport. Jeder Sportler kennt diese Aussagen. Doch was steckt dahinter? Dem gehen wir in der Serie „Sport, Spinat und Magerquark“ auf den Grund.

Anna Kemper
Anna Kemper
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