Wir über uns RHEINPFALZ Plus Artikel Wie das Coronavirus die Lokalredaktion überrascht hat

Wenn beim Schnelltest der ominöse zweite Streifen auftaucht, wird aus dem Verdacht Gewissheit: Sars-CoV-2 hat zugeschlagen.
Wenn beim Schnelltest der ominöse zweite Streifen auftaucht, wird aus dem Verdacht Gewissheit: Sars-CoV-2 hat zugeschlagen.

Delta oder Omikron? Die Antwort auf diese Frage bleibt im konkreten Fall offen. Dass eine Infektion mit dem Coronavirus die Lokalredaktion nicht aus dem Tritt bringt, hat mit einem engagierten und motivierten Team zu tun, mit schneller Kommunikation. Und mit dem Impfen.

Wie? Wo? Wann? Keine Ahnung! Auf alle Fälle ist da am Samstag vor etwas mehr als einer Woche ein zweiter Strich. Schnupfen, Halsschmerzen, Kopfweh: Vor Corona hätte ich an eine normale Erkältung gedacht – nichts Ungewöhnliches im Winter. Aber Omikron macht misstrauisch. Der Selbsttest zu Hause ist positiv, der Schnelltest im Drive-Thru-Zentrum ebenfalls. Der PCR-Test direkt danach bestätigt, was schon ziemlich klar ist: Das Virus ist nicht mehr nur Gegenstand der Berichterstattung oder das Thema, das uns Lokalredakteure seit fast zwei Jahren tagtäglich beruflich und privat beschäftigt. Jetzt ist Sars-CoV-2 mein persönliches Problem.

Besonders exklusiv ist diese Erfahrung angesichts der stramm ansteigenden Infektionszahlen in Frankenthal und seinem Umland nicht, verzichtet hätte ich trotzdem gerne darauf. Vermutlich dem Umstand, dass ich seit Anfang Dezember geboostert bin, verdanke ich einen – gemessen an den Möglichkeiten – milden Verlauf: irgendwie Grippe plus X. Die erste Sorge gilt aber weniger dem eigenen Befinden, sondern der Frage: Mit wem habe ich die meiste Zeit verbracht in den Tagen vor dem positiven Test? Wem könnte ich das Virus schon weitergereicht haben, als noch nichts auf eine Ansteckung hingedeutet hat?

Eine Person pro Büro

Da ist natürlich die Familie, der man zu Hause im Normalfall ohne die außerhalb zur Pandemie-Routine entwickelten Vorsicht begegnet. Da sind aber vor allen Dingen die Kolleginnen und Kollegen in der Frankenthaler RHEINPFALZ-Lokalredaktion, mit denen ich nun auch nicht wenig Zeit verbringe. Und trotz der gängigen Praxis, dass wir alle Büros wieder nur mit einer Person besetzen, regelmäßig lüften, auf den Fluren, bei Konferenzen oder in der Teeküche immer mit Maske unterwegs sind und uns regelmäßig testen – eine hundertprozentige Sicherheit gegen den Erreger und seine immer ansteckenderen Varianten gibt es nicht.

Also bestehen die ersten Stunden nach dem lausigen Start ins vorvergangene Wochenende aus Telefonieren: Anrufe bei allen Kollegen, verbunden mit der Bitte zum regelmäßigen Testen ab sofort. Glücklicherweise muss außer dem Chef niemand in Isolation oder Quarantäne – die Truppe hat den kompletten Impfschutz. Stand jetzt sind alle von einer Infektion verschont geblieben. Für mich folgt, was für Journalisten, die vom direkten Gespräch, der persönlichen Begegnung und der unmittelbaren Recherche leben, das Allerschlimmste ist: nicht raus können und dürfen, nichts tun können.

Mit Maske zum Duschen

Und auch wenn die ersten Tage allein wegen der Symptomatik keine sind, die sich zum Bäume ausreißen anfühlen: Absonderung ist genauso, wie das Wort auf dem Bescheid des Gesundheitsamts klingt. Ganz großer Mist! Die Aussicht, im schlimmsten Fall zwei Wochen darauf angewiesen zu sein, dass die Familie Mahlzeiten vor die geschlossene Zimmertür stellt, selbst wie ein Geist mit FFP2-Maske schnell aufs Klo oder zum Duschen zu huschen, ist jedenfalls nicht sehr angenehm. Aber zum Schutz der „Mitbewohner“ gibt es keine sinnvolle Alternative.

Für die Redaktion kommt meine Begegnung mit Corona zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Seit Montag vergangener Woche läuft die intensivere Zusammenarbeit mit den vorderpfälzischen Nachbarredaktionen in Form des Ihnen vor einigen Tagen in dieser Rubrik vorgestellten Kooperationsdesks. Der startet erst einmal ohne mich als dem im Dienstplan vorgesehenen Blattmacher, der gemeinsam mit den dafür eingeteilten Kollegen aus Ludwigshafen und Speyer Zeitungsseiten gestaltet und Artikel online stellt. Was tun? Die Truppe sortiert sich neu und schafft es mit viel Engagement und noch mehr Zeitaufwand, dass der Laden reibungslos läuft. Dafür ein dickes Dankeschön von mir!

Neue Normalität hilft

Spätestens am Mittwoch endet nun mein unfreiwilliger Aufenthalt im heimischen Schlafzimmer: Nach den Bund-Länder-Beschlüssen Anfang Januar hat Rheinland-Pfalz seine Absonderungsverordnung angepasst und diese Neufassung auf alle aktuell Infizierten angewandt. Ich steige zunächst per Homeoffice ins Geschehen ein. Ganz praktisch in diesem Zusammenhang: In der Pandemie sind digitale Treffen zur neuen Normalität geworden. Bis zu meiner Rückkehr an den Schreibtisch in Frankenthal wird also die Kommunikation per Telefon- und Videokonferenz der Draht nach außen und zu den Kollegen sein.

Zumindest haben wir als Redaktion jetzt einmal den Ernstfall geprobt, wissen genau, was im Wiederholungsfall möglichst flott zu tun und zu lassen ist. Verzichtet hätten wir alle (inklusive mir) sehr gerne darauf. Ob wir diese Erkenntnis noch einmal brauchen werden? Hoffentlich nicht. Aber wie gesagt und geschrieben: Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund, liebe Leserinnen und Leser!

Der Autor

Jörg Schmihing (47) ist seit 2015 Leiter der Lokalredaktion Frankenthal.

Seit 2015 Leiter der RHEINPFALZ-Redaktion in Frankenthal: Jörg Schmihing.
Seit 2015 Leiter der RHEINPFALZ-Redaktion in Frankenthal: Jörg Schmihing.
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