Frankenthal
Vereine gemeinsam ins Rampenlicht rücken
Die Premiere war nicht unumstritten, aber die Stadt hält zunächst am Format eines zentral ausgerichteten Tags der Vereine fest. Im Rahmen des Herbstspektakels soll Frankenthaler Einrichtungen am 4. Oktober zum zweiten Mal mitten in der Stadt eine Bühne geboten werden, um sich einem breiten Publikum präsentieren zu können. Was die einen als Chance sehen – maximale Aufmerksamkeit für die Vereinsaktivität nämlich –, stößt bei anderen auf Skepsis. Was haben kleinere Vereinigungen, deren originäres Zielpublikum etwa in einem der Vororte zu finden ist, davon, wenn sie sich mit großem Aufwand außerhalb ihres eigentlichen Wirkungskreises vorstellen? Finden sie neue Mitglieder und idealerweise Mitstreiter nicht eher in einem öffentlichkeitswirksamen Format vor Ort?
Diese Fragen wurden etwa von der CDU im Studernheimer Ortsbeirat gestellt. Gehört hat sie auch die im Rathaus zuständige Ehrenamtskoordinatorin Jennifer Speiger. Ihre Überzeugung: „Ein zentraler Tag der Vereine bringt deutlich mehr Besucher und Sichtbarkeit, vor allem durch die Kombination mit Veranstaltungen wie etwa dem Herbstspektakel.“ Die gemeinsame Präsenz stärke das Miteinander und den Austausch. Den Tenor aus Studernheim hat sie dennoch eingespeist in die regelmäßig einberufene Vereinskonferenz. Aus diesem Gremium fühlt sie sich in ihrer Position bestätigt. Gleichwohl will sie das Thema beim nächsten Treffen der Vereinsvertreter am 12. September erneut aufrufen.
Chancen für ein Haus der Vereine
Die CDU war im März noch einen Schritt weitergegangen. Im Kulturausschuss stieß ihr Prüfauftrag auf Gegenliebe, Ausschau zu halten nach einem Standort für ein zentrales Gemeinschaftsheim. Ein solches „Haus der Vereine“ könnte etwa all den Gruppierungen einen Versammlungsort bieten, die ihn aus eigener personeller oder finanzieller Kraft nicht bewirtschaften könnten. Mit der Überlegung hat die CDU auch Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) an ihrer Seite. „Seit seinem Amtsantritt setzt er sich aktiv für die Stärkung des Ehrenamts in Frankenthal ein. In enger Zusammenarbeit mit der Ehrenamtskoordinatorin, die direkt im OB-Büro angesiedelt ist, finden fortlaufend Gespräche mit Vereinen statt, um die Bedarfe vor Ort genau zu erfassen“, erklärt eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage.
Das Projekt befinde sich aktuell in der Konzeptions- und Prüfphase. „Es laufen derzeit Erhebungen zur konkreten Nutzung und notwendigen Ausstattung eines solchen Hauses.“ Wo es stehen könnte, ist noch offen. Vorstellbar wären Flächen westlich der Bahn oder in den Neubaugebieten am Speyerbach, in Flomersheim oder Eppstein. Mit den beiden benachbarten Vororten käme die Stadt regen dezentralen Vereinsaktivitäten entgegen.
Genossenschaft als Träger?
„Die Realisierung ist finanziell anspruchsvoll und derzeit angesichts der Haushaltslage eine Herausforderung“, räumt die Sprecherin der Stadt ein. Zur Finanzierung einer solchen freiwilligen Leistung hat die CDU schon mal ein unkonventionelles Modell ins Gespräch gebracht: die Gründung einer Genossenschaft. Gebildet werden könnte sie aus Bürgern, die Anteile an einem solchen Gemeinschaftszentrum erwerben könnten. Dieser Weg stößt im Rathaus auf Sympathie. Bürger könnten so nicht nur finanziell, sondern auch ideell an einem Haus der Vereine mitwirken. In Betracht käme auch eine Förderung über den Investitionsstock des Landes.
Die Rückmeldungen aus den Vereinen zu einem gemeinsamen Kulturzentrum seien grundsätzlich positiv. „Der Bedarf nach einem gemeinsamen Ort ist erkennbar – sowohl für Austausch und Organisation als auch für konkrete Nutzungen wie Veranstaltungen oder Lagerung von Materialien.“ Bis zu einer Eröffnung ist jedoch noch eine ordentliche Wegstrecke zurückzulegen, gibt sich die Sprecherin realistisch. „Zunächst müssen weitere planerische, wirtschaftliche und organisatorische Fragen geklärt werden.“ Grundsätzlich trägt die Stadt das Projekt mit und verfolgt es „mit Nachdruck, aber solide und unter Berücksichtigung der realistischen finanziellen Rahmenbedingungen“.