Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Trotz Kritik am Konzept: Stadtrat hält an Pilgerpfad-Projekt fest

Blick auf den Plantisch während der Bürgerbeteiligung im Sommer 2020: Nach dem Sammeln von Wünschen und Anregungen der Bürger, s
Blick auf den Plantisch während der Bürgerbeteiligung im Sommer 2020: Nach dem Sammeln von Wünschen und Anregungen der Bürger, soll es jetzt wieder konkreter werden.

Digital und analog – die neue Phase des Prozesses, an dessen Ende eine konkrete Perspektive für den Pilgerpfad stehen soll, setzt wieder auf beide Kanäle. Die Bürgerinitiative misstraut den neuen Plänen. Und einigen Politikern fehlt das wissenschaftliche Fundament für das Projekt. Mit anderen Worten: Es bleibt schwierig.

Viel Gutes findet der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) nicht an dem Konzept, mit dem die Verwaltung nach den Sommerferien den Entwicklungsprozess im Pilgerpfad voranbringen möchte. Herbert Hildebrandt sieht, wie er am Mittwoch vor dem Stadtrat ausführt, das Vertrauen zwischen seinen Mitstreitern und den Verantwortlichen im Rathaus „angeschlagen“.

Er zählt auf, was ihn stört: Die Stadtteilzeitung, mit der die Bewohner des Quartiers über Ergebnisse der ersten Beteiligungsphase informiert werden sollten, sei nicht da. Die Baugesellschaft habe ihr Projekt im Albrecht-Dürer-Ring trotz Protests durchgezogen. Und dass wieder konkret über mögliche Neubauten für den Jakobsplatz diskutiert werde, lässt Hildebrandt schließen: „Von Stadtteilplanung ist nichts zu erkennen.“ Der BI-Mann formuliert es drastisch: „Die Angst geht um.“

Mehr zum Thema

Zur Sache

RHEINPFALZ Plus Artikel
Dickes Lob und große Skepsis

Hebich ungeduldig

Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) geht auf die Kritik Hildebrandts ein, wirkt aber ungeduldig: Was nun an weiteren Schritten vorgesehen sei, beruhe auf einem Beschluss des Stadtrats im Frühjahr. Dessen Inhalt: die Aufforderung an den Investor, mehrere Entwürfe für eine mögliche Bebauung anstelle des heutigen Edeka-Markts vorzulegen, und die Zusage, die Bürger in den Planungsprozess einzubinden.

Die monierte Stadtteilzeitung sei in der letzten Abstimmung, werde noch vor den Ferien gedruckt und verteilt. Nachdrücklich wird der OB vor allem, als es um die besondere Rolle der BI geht: Deren Vertreter würden zu allen relevanten Gremiensitzungen persönlich eingeladen und auf die dazugehörigen Dokumente im Ratsinformationssystem hingewiesen. Hebich: „Ich kann nicht nachvollziehen, was da an Vorwürfen gemacht wird.“

Verweis auf Umfrage

Sven Fries, der die Aktivitäten im Pilgerpfad im vergangenen Jahr für die Stadt organisiert hat und auch in der anstehenden zweiten Phase mit im Boot ist, versucht einigen Punkten, die Spitze zu nehmen: Das Versprechen stehe, dass die Probleme des Viertels und seiner Bewohner ganzheitlich betrachtet würden. Der vorgeschlagene Weg, beim Bauprojekt mit zwei Alternativen weiterzumachen, hat Fries zufolge vor allem einen Sinn: Komplexität reduzieren. „Es bringt nichts, 15 Entwürfe hinzulegen“, sagt er. Dass am Jakobsplatz etwas passieren müsse, sei klar. Das habe Sven Stiegler, neuer Betreiber des Edeka-Markts, gerade erst bestätigt, so Fries.

Tatsächlich sehen sich er und die Stadtverwaltung am Mittwoch vor allem von SPD, Grünen und Linken mit der Forderung nach einer wissenschaftlich fundierten Basis für die bauliche Entwicklung des Pilgerpfads konfrontiert: Eine Studie müsse die Sozialverträglichkeit untersuchen und sei wichtig als Entscheidungsgrundlage. Sozialdemokrat Gunther Koch weist auf die Ergebnisse der 2020 gemachten Umfrage hin, derzufolge mehr als 80 Prozent eine weitere Verdichtung und Bebauung ablehnen.

Die Studie werde in Auftrag gegeben, parallel zu der nun anlaufenden Phase bearbeitet und mit deren Ergebnissen vernetzt, bietet Hebich an. Komme man an zeitliche Grenzen, müsse man geplante Termine unter Umständen noch einmal verschieben, sagt der OB. Dennoch brauche er den Beschluss des Stadtrats, um die geplanten Schritte vorbereiten zu können. Den bekommt er auch – gegen die Stimmen von SPD und Linksfraktion.

Mehr zum Thema
x