Frankenthal
Strohhutfest: Zwei Premieren und ein Abschied zur Eröffnung
„Frankenthal, seid Ihr bereit?“ lautet um 14.50 Uhr am Donnerstag auf dem dicht bevölkerten Rathausplatz die alles entscheidende Frage. Und rund 3000 Feierfreudige in Frankenthal sind so was von bereit für die 49. Auflage des Strohhutfests. Mit dem traditionell lautstarken Frage-Antwort-Spiel startet das größtes Straßenfest der Pfalz. Bis Sonntag wird nun in der Innenstadt rund um den Rathausplatz gefeiert. In den Vorjahren waren – je nach Wetterlage – zwischen 150.000 und 200.000 Besucher aus der Region gezählt worden.
Mit dem „viertägigen Oberbürgermeister-Belastungstest“ starte am heutigen Tag seine Amtszeit erst jetzt richtig, kündigt OB Nicolas Meyer an. Mit viel Applaus und „Es gibt nur einen Nico Meyer“-Gesängen wird der neue Rathauschef bei der Bühnenpremiere auf dem Strohhutfest begrüßt. Und von RPR1-Moderator Ben Salzner gibt’s ein Kompliment für die gute Figur, die Meyer mit Hemd und Hut abgebe. Eine Qualitätskontrolle für Schorle habe die Verwaltung zwar nicht gemacht, aber immerhin habe er beim Pre-Opening vergangene Woche im Café Mirou schon einmal fürs Feiern geübt, sagt der OB auf Salzners Frage.
OB: 2025 genug Buttons für alle
Er freue sich jetzt darauf, Freunde zu treffen und von Stand zu Stand zu ziehen. „Dieses Fest macht Frankenthal aus“, sagt Meyer. Geprägt werde es durch die Vereine, die sich „mit Herzblut einbringen“. Extra-Beifall gibt es für das Versprechen Meyers, dass im kommenden Jahr „jeder, der will, einen Strohhutfest-Button bekommt“. Die begehrten Anstecker hatten zum Verkaufsstart für lange Schlangen vor dem Rathaus gesorgt. 12.500 Stück waren binnen weniger Stunden ausverkauft. Für die Festpremiere wurden deshalb noch einmal 5000 Exemplare nachbestellt.
So schnell sei für sie die Wartezeit bis zum nächsten Strohhutfest noch nie vorbeigegangen, sagt die scheidende Miss Strohhut, Julia Boudot. „Gefühlt war erst gestern die letzte Eröffnung.“ Bei knapp 200 Terminen sei sie auf 150 Schorle gekommen, zieht Boudot, die im Jugendamt der Stadt Worms arbeitet, eine persönliche Bilanz. Im Duett mit Vorgängerin Sonja Erbach singt die 25-jährige Flomersheimerin „nach einem Jahr voller Emotionen“ auf die Melodie von Andreas Bourani „ein Hoch auf uns’ren Härtetest“. Den hat Isis Jendahl noch vor sich: Die 22-jährige Studentin übernimmt das Amt von Boudot.
Neue Miss: Kindheitstraum
Als Trainerin des Mäusekurses im Fitnessstudio Venice Beach kommt Jendahl auf die Bühne. Zum Schlager „Wir sind die Tramps vun de Palz“ zeigt die Truppe ein kleines „Schorle-Workout“ als Aufwärmübung für den Feier-Marathon. Sie freue sich auf die nächsten vier Tage – „aber ganz besonders auf die nächsten 365 Tage“, lüftet die neue Miss Strohhut auf Nachfrage von Moderator Salzner das Geheimnis um ihr Amt. Mit dem Strohhut der Mutter Anke, die 1987 Miss Strohhut war, habe sie schon als Kind von diesem Moment geträumt, bekennt Jendahl in ihrem Antrittsgespräch. Gegen elf Mitbewerberinnen habe sich die unternehmungslustige und eloquente junge Frau, die wie Boudot aus dem Vorort Flomersheim stammt, bei der Wahl durchgesetzt, informiert OB Meyer.
Applaus für Marktmeister Junski
Den großen Bühnenauftritt sucht Klaus Junski dagegen eher nicht. Als Marktmeister sorgt er seit 2006 lieber hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf. Für seinen Abschied vom Strohhutfest gibt’s am Donnerstag viel Applaus vom Publikum und einen Geschenkkorb vom OB für den „Mann mit dem großen Herz“, wie Moderator Salzner sagt. Endgültig Schluss ist für Junski dann im Herbst beim Bauernmarkt. Als künftige Marktmeisterin steht Lara Becki bereits am Start. Mit einem Tanzbeitrag komplettiert die Dance Factory am Donnerstagnachmittag das Programm. Obwohl neben seiner Ehefrau auch Tochter und Schwiegermutter in dem Studio aktiv seien, habe er nicht vor, dort als Tänzer einzusteigen, lässt Meyer wissen. „Höchstens als Bauchtänzer.“
Schon vor der offiziellen Eröffnung stimmt Oliver Herrmann gemeinsam mit Willi Brausch die Menge musikalisch ein. Die Dubbeglasbrieder machen damit zumindest etwas wett, dass weder Grabowsky noch die AC/DC-Coverband High Voltage in diesem Jahr auf der großen Bühne auf dem Rathausplatz zu hören sein werden. Die beiden Frankenthaler Bands haben sich im vergangenen Jahr mit ihrem Auftritt auf dem Strohhutfest vom Publikum verabschiedet. Und so kokettieren die beiden Frontmänner der Kultbands, ob sie nicht mit ihrem Duo den Programmplatz am Freitagabend übernehmen könnten. Allerdings könne die Stadt wohl die Gage nicht zahlen. „Wir spielen für freie Getränke“, sagt Herrmann. Sollte das die übliche Währung sein, dürfte es auch so für die Stadt teuer werden: Als würdige Nachfolger von Grabowsky übernehmen die Anonyme Giddarischde am Freitagabend ab 19.30 Uhr.