Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Bassist Brausch über Abschied mit High Voltage

Nach dem Strohhutfest spielen High Voltage (von links) noch zwei Konzerte: Achim Kaul (Gitarre), Peter Stahl (Gitarre, Gesang),
Nach dem Strohhutfest spielen High Voltage (von links) noch zwei Konzerte: Achim Kaul (Gitarre), Peter Stahl (Gitarre, Gesang), James Hüther (Schlagzeug) und Willi Brausch (Bass, Gesang).

Das diesjährige Strohhutfest ist eins der Abschiede. Neben Grabowsky wird auch die AC/DC-Coverband High Voltage zum letzten Mal auf dem „Feschd“ spielen. Was die Leute am Sonntag auf der Hauptbühne am Rathausplatz erwartet und worauf er sich bei jedem Auftritt am meisten freut, hat Bassist Willi Brausch im Interview mit Jörg Schmihing verraten.

Willi, das ist nicht der erste Abschied, den High Voltage ankündigt. Wird’s dieses Mal wirklich ernst?
Ich fürchte schon. Das hat sich ja ein bisschen zum Running Gag entwickelt. Wir wollten eigentlich schon 2020 Schluss machen. Daraufhin ist das Strohhutfest zwei Mal pandemiebedingt ausgefallen. Als wir im vergangenen Jahr hier den Abschiedsgig spielen wollten, habe ich mir ein paar Tage vorher bei einem Sturz mit dem Rad das Schlüsselbein gebrochen. Zum Auftritt in Oppau im Oktober hatte Achim Kaul das Virus erwischt. Gemeinsam haben wir dann entschieden: So darf es nicht enden. Also gehen wir noch einmal auf die große Runde: Strohhutfest, Oppau, Weisenheim. Und dann ist es vorbei.

Warum hört Ihr überhaupt auf?
Das ist vor allem von James Hüther, unserem Drummer, ausgegangen, der sich aus der Musik zurückziehen möchte. Wir haben High Voltage aber eigentlich nie mit Ersatzleuten gemacht. Das wird auch jetzt so sein. Die Anzahl der Gigs ist es sicher nicht, weil wir ja im Wesentlichen jedes Jahr die genannten drei Auftritte gespielt haben. Und der Spaß auf der Bühne ist jedes Mal riesig. Ich habe immer gedacht, diese Band gibt es so lange, bis einer von uns nicht mehr ist. Jetzt habe ich erst einmal keine Kapelle mehr, in der ich Bass spiele.

Was gefällt Dir an diesem Instrument? Als Bassist steht man ja selten richtig im Fokus ...
Ich finde, das hat sauviel mit Groove zu tun. Das Schlagzeug ist die Zeit, die Gitarre das Leben – und der Bass ist die Erde. Für mich hat das in den 80er-Jahren mit den Panzerknackern angefangen. Schon da haben mich die ganzen klassischen Drei-Mann-Bands besonders fasziniert: Rory Gallagher, ZZ Top. Mehr braucht es eigentlich nicht. Drei Mann passen in jeden VW Bus und im Notfall noch zwei Kisten Bier dazu. Als wir das dann so durchgezogen haben damals, waren wir echt die Exoten.

Für die Jüngeren unter uns – wie ist High Voltage seinerzeit zustande gekommen?
Das war 1991. Peter Stahl hatte den Proberaum neben meinem und ich habe ihn angequatscht, ob man nicht ein Projekt macht und die ersten beiden AC/DC-Platten komplett von vorne bis hinten durchspielt. Der hat sich fast kaputtgelacht und gefragt, wer da singen soll. Ich habe gesagt: Ich. Und so kam’s dann. Gleich der erste Auftritt beim Non-Stop-Rock in der Zuckerfabrik war geil. Als dann unser damaliger Bassist, den alle immer nur „de Blonde“ genannt haben, weggezogen ist, und es mit möglichen Kandidaten nicht so richtig zünden wollte, habe ich den Job übernommen.

Voller Einsatz im Gleis 4: Achim Kaul.
Voller Einsatz im Gleis 4: Achim Kaul.
Das Spiel mit dem Publikum: Peter Stahl.
Das Spiel mit dem Publikum: Peter Stahl.
Seine Lieblingssongs sind die, bei denen er nicht singen muss: Willi Brausch.
Seine Lieblingssongs sind die, bei denen er nicht singen muss: Willi Brausch.
High Voltage bei Rock im Wingert vor neun Jahren.
High Voltage bei Rock im Wingert vor neun Jahren.

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Das klingt ein bisschen so, als ob da jemand von außen keine Chance gehabt hätte, in diesen eingeschworenen Haufen reinzukommen.
Ja, das stimmt. Da hätte niemand anderes einen Platz gehabt. Eine Ausnahme war Astor, der eine Zeit lang James am Schlagzeug vertreten hat, aber mit mir und Peter ja auch zur Stammbesetzung des Rocktrios „Stahl“ gehörte.

Ansonsten bekommen die Leute am Sonntag wieder die volle Ladung Rock ’n’ Roll?
Da gehe ich stark davon aus (lacht). Also, wir haben jetzt nicht damit angefangen, neue Sachen zu proben. Genau genommen, proben wir gar nicht. Und wenn wir es doch tun, läuft das meistens so, dass wir uns treffen, ein, zwei Nummern durchspielen und dann feststellen: läuft.

Hast Du Lieblingssongs, auf die Du Dich bei jedem Konzert freust?
Ja, alle, bei denen ich nicht singen muss. Das heißt: Songs, bei denen im Original Brian Johnson singt und die bei uns dann Peter Stahl übernimmt. Dann kann ich mich aufs Bassspielen konzentrieren, muss nur ab und zu ans Mikro gehen und was reingrunzen – „Thunder“, oder so. Und ich nehme an, Peter geht’s mit meinen Bon-Scott-Nummern genauso. Fürs ganze Programm gilt: Du musst es mit maximaler Intensität spielen, sonst klingst du wie eine beliebige Coverband.

Die Musik von AC/DC wirkt so simpel. Aber am Ende ist es wohl doch nicht so einfach?
Wie gesagt: Es geht um die Intensität. Wenn du die Platten anhörst, dann fällt Dir auf: Das sind bei allen Instrumenten brettharte Anschläge. Bei aller Einfachheit des musikalischen Konzepts musst du auf die Summe aller Details achten.

Was waren die skurrilsten Auftritte, die Ihr in 30 Jahren gespielt habt?
Eins mal vorweg: Wir hatten immer ein extrem cooles, supergeiles Publikum. Auf Platz eins der schrägsten Gigs ist bestimmt der zum Jubiläum 40 Jahre MC Gremium Köln. Die haben damals sehr ausführlich die Mitglieder geehrt. Als wir dann auf die Bühne kamen, war es kurz danach schon vorbei, weil die Polizei das Ganze wegen der Lautstärke beendet hatte. Wir bekamen dann für 20 Minuten die volle Gage. Und bei einem Pärchen, das sich bei einem unserer Konzerte kennengelernt hatte, haben wir auf der Hochzeit gespielt. Da bekamen dann alle – Opa, Oma, Tante, so leuchtende Hörnchen aufgesetzt und dann ging es eine Stunde richtig rund.

Zur Person

Willi Brausch (60) ist seit Jahrzehnten in der regionalen Szene unterwegs: unter anderem mit der AC/DC-Coverband High Voltage, früher als Bassist im Rocktrio von Gitarrist Peter Stahl und zwischenzeitlich bei Grabowsky. Mit Olli Herrmann ist Brausch seit 2003 als „Dubbeglas-Brieder“ auf Weinfesten, Vereinsfeiern und Prunksitzungen eine feste Größe. Sein neuestes musikalisches Projekt zusammen mit Sängerin und Geigerin Sigrun Schumacher heißt „Sillis“.

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