Frankenthal
Stadtwerke steigen aus bundesweitem Stromgeschäft mit Firmenkunden aus
„Die Stadtwerke sind mehr als der Lieferant von Gas, Strom und Wärme“, betont Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU). Der OB, in Personalunion Aufsichtsratschef des Versorgers, streicht die große Verbundenheit mit dem Unternehmenssitz Frankenthal und der Region heraus. Dieser Aspekt schlägt sich auch in Zahlen der 2019er-Bilanz nieder: Der um 10,06 Millionen auf 87,73 Millionen gesunkene Umsatz ist insofern nur auf den ersten Blick eine schlechte Nachricht.
Der Rückgang resultiert aus einem Strategiewechsel, der nach Darstellung von Geschäftsführer Thomas Bollheimer im vergangenen Jahr eingeleitet worden ist und der sich auch in diesem Jahr noch fortsetzt: Die Stadtwerke verabschieden sich schrittweise von dem Geschäftsmodell, bundesweit Firmen als Geschäftskunden anzuwerben. „Wir wollen uns künftig auf Unternehmen in unserem Versorgungsgebiet konzentrieren“, sagt Bollheimer. In Zahlen heißt das 56 Millionen statt bisher fast 67 Millionen Euro Umsatz mit Strom.
Gas und Wasser stabil
„Richtig und gut“ ist diese Entscheidung seiner Überzeugung nach vor allem, weil die Stadtwerke damit ein nicht unerhebliches Risiko loswerden: Für die Geschäftskunden außerhalb muss die benötigte Menge im Voraus am Markt beschafft werden. Geraten die belieferten Kunden – wie während der Corona-Pandemie geschehen – in wirtschaftliche Schieflage und die Produktion bricht weg, kann das für die Werke übel enden. „Das Risiko trägt der Lieferant“, erläutert Bollheimer. Und der muss den Strom, den der Kunde nicht abnimmt, zu unter Umständen deutlich schlechteren Konditionen abverkaufen.
Die Einschätzung von Aufsichtsratschef Hebich, dass es den Stadtwerken gelungen sei, sich trotz gewaltigen Konkurrenzdrucks zu behaupten, gründet nicht zuletzt auf der Stabilität in den weiteren Geschäftsfeldern: Beim Gas (16,9 Millionen Euro) stieg der Umsatz um 5,6 Prozent – und das, obwohl die Werke seit neun Jahren nicht mehr an der Preisschraube gedreht haben, wie Thomas Bollheimer anmerkt. Damit wird aber bald Schluss sein. Das allerdings geht auf die politische Entscheidung zurück, der zufolge fossile Brennstoffe über den sogenannten Emissionshandel „jedes Jahr ein Stückchen teurer“ werden, erläutert er.
Investition in Brunnen
Diese Entwicklung übrigens unterstützt der Stadtwerke-Chef ausdrücklich: „Wir müssen weg von den fossilen Energieträgern.“ Dieses Ziel zu erreichen, werde durch die aktuell sehr niedrigen Brennstoffpreise nicht unbedingt begünstigt. Die ökologische Fahne hochhalten möchte Bollheimer auch bei der Elektrizitätsversorgung. Deshalb machten die Stadtwerke in dieser Hinsicht auch „keine Show“. Es gehe ihm um ein Produkt mit Substanz und nicht um eins, „das nur grün angestrichen wurde“.
Das Thema Klimawandel – ein bisschen spielt es auch in die Zahlen bei der Wasserversorgung, wo der Umsatz 2019 um fünf Prozent auf 8,14 Millionen Euro geklettert ist. Dieser Trend setzt sich, verrät Thomas Bollheimer aus dem aktuellen Geschäft, auch in diesem Jahr fort. Der Grund liegt auf der Hand: heiße Sommer mit dem hohem Verbrauch für Gartenbewässerung und Swimmingpools. Am 8. August dieses Jahres verzeichneten die Werke den höchsten Tagesverbrauchswert seit mehr als zwei Jahrzehnten. „Darauf müssen wir uns einrichten“, unterstreicht der Geschäftsführer. Das Mittel der Wahl: Der Versorger baut neue Brunnen, um für Spitzenlasten gerüstet zu sein.
Lob für die Mitarbeiter
Unterm Strich steht über alle Sparten hinweg ein Jahresüberschuss von 3,52 Millionen Euro – 1,86 Millionen weniger als im Vorjahr. Das allerdings sei geprägt gewesen von Sondereffekten. Und 2019 ist das Plus in der Stromsparte um fast 2,2 Millionen Euro weniger profitabel ausgefallen. Dass die Gesellschafter der Stadtwerke einer Stärkung des Eigenkapitals zugestimmt hatten, „tut uns unglaublich gut“, sagt Thomas Bollheimer. Das ermögliche weitere Investitionen in die Infrastruktur: fast sechs Millionen Euro im vergangenen Jahr.
Eine gute Investition sieht der Stadtwerke-Geschäftsführer in den 11,3 Millionen Euro Personalkosten. Das zahle sich nicht nur aus, wenn kompetente, gut ausgebildete Mitarbeiter bei Störfällen schnelle Lösungen fänden. Insgesamt verdienten bei dem Versorger rund 200 Menschen ihr Geld, zehn Prozent davon seien Auszubildende. Bollheimer: „Und viele bleiben bei uns und machen dann einen Superjob.“