Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtklinik: Verantwortliche kritisieren Impfstoff-Zuteilung

An der Stadtklinik wurde bislang der Impfstoff des Herstellers Moderna verimpft.
An der Stadtklinik wurde bislang der Impfstoff des Herstellers Moderna verimpft.

Geht es bei der Verteilung von Corona-Impfstoff an Krankenhäuser in der Region gerecht zu? Die Verantwortlichen der Stadtklinik finden: Nein. Von mehr als 700 Mitarbeitern haben zwar 110 inzwischen die zweite Dosis bekommen. Wann die Immunisierung weitergehen kann, ist aber offen.

Während das Klinikum Ludwigshafen nach eigenen Angaben schon 1100 seiner Beschäftigten die Schutzimpfung gegen Covid-19 verabreichen konnte, läuft die Immunisierung der Mitarbeiter bei den kleineren Krankenhäusern der Region sehr viel schleppender. Kritik daran, dass Maximalversorger offenbar besser und schneller mit Serum versorgt wurden als die kleineren Kliniken, kam zuletzt bereits von Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (Kreis Bad Dürkheim, CDU). Am Mittwoch haben sich dem auch die Verantwortlichen der Stadtklinik Frankenthal angeschlossen.

SPD-Vertreterin Monika Reffert hatte sich am Ende des öffentlichen Teils der Sitzung des Krankenhausausschusses mit Hinweis auf eine gewisse Unzufriedenheit im Kreis der Mitarbeiter nach dem Stand der Dinge erkundigt. In Zahlen ausgedrückt sieht der so aus: Rund 730 Menschen arbeiten als Mediziner, Pfleger oder in der Verwaltung. 110 von ihnen haben am 14. Januar die erste Dosis des Moderna-Vakzins bekommen; am Donnerstag die allermeisten von ihnen auch die zweite. Am Freitag folgen nach Auskunft der Stadtverwaltung noch wenige weitere Beschäftigte.

„Situation ist eine Katastrophe“

Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) hat im Ausschuss die von seinem Parteifreund Ihlenfeld geäußerte Kritik als „nicht ganz unberechtigt“ bezeichnet. Wie beispielsweise das Kreiskrankenhaus in Grünstadt hätte auch die Stadtklinik „früher und mehr Impfstoff bekommen müssen“. Dass einerseits vom Land immer wieder auf die Priorisierung des medizinischen Personals insgesamt hingewiesen werde, andererseits dann plötzlich viele Dosen in einzelnen Häusern auftauchten, sei bei allem Wissen um die Knappheit der Corona-Impfstoffe nicht Ordnung, sagte Hebich.

Pflegedirektor Oliver Hannappel ergänzte, dass es lange unsicher gewesen sei, ob es diese Woche mit der zweiten Runde klappe. Lieferungen seien zugesagt und zweimal verschoben worden. „Die Situation ist eine Katastrophe“, sagte Hannappel. Frankenthal habe wie die Nachbarstadt Ludwigshafen lange mit einem sehr dynamischen Infektionsgeschehen zu kämpfen gehabt – entsprechend seien auch in der Stadtklinik viele Covid-Patienten behandelt worden.

Münch: Höchst frustrierend

Matthias Münch, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses, nannte diesen Zustand „höchst frustrierend“ für die Mitarbeiter. Ein kritischer Punkt sei auch die Kommunikation: Nach den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna sei das Präparat von Astrazeneca nun das dritte, über das aufgeklärt und informiert werden müsse, falls es geliefert werde. Auf Nachfrage von Monika Reffert betonte Münch, dass die Mitarbeiter regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht würden. „Aber wir wissen manchmal gar nicht, was wir ihnen sagen sollen.“ Einfluss auf die Verteilung der Dosen habe man keinen, so der Arzt: „Das läuft nur über das Land.“

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