Frankenthal
Stadtklinik: Startschuss für Erweiterungsbau
„Die neue, erweiterte Stadtklinik beginnt hier und heute“, stellt die Kaufmännische Direktorin Monika Röther in ihrer Begrüßung fest. Sie verspricht sich in Zeiten des Fachkräftemangels im künftigen Neubau attraktive Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter des größten Grund- und Regelversorgers des Landes. Ziel sei es, für Patienten in der Region ein modernes, gut erreichbares Gesundheitszentrum zu schaffen. Ein Bemühen, das im Land gesehen werden, wie Staatssekretär Denis Alt (SPD) versicherte.
Das „beeindruckende“ Baufeld, an dessen Rande im Klinikpark der Spatenstich erfolgte, verdeutliche die Dimensionen des Projekts, für das Mainz eine Förderung von 30 Millionen und eine Beteiligung bei Baukostensteigerungen zugesagt hat. Insbesondere Zweiteres sei in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit „eine Kraftanstrengung“ für das Land. „Aber wir wollen, dass gebaut wird“, betont Alt.
OB: Bau wird wohl teurer
Die einzige Alternative angesichts von Lieferengpässen, Preissteigerungen und Zinserhöhungen sei, nichts zu machen. „Und das ist keine Alternative“, bekräftigt Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) am Dienstag – auch wenn die veranschlagten 41,4 Millionen Euro Kosten für den Anbau der Stadtklinik nach seiner Prognose nicht reichen werden. Neben dem Zuschuss vom Land und einer Zehn-Prozent Beteiligung der Stadtklinik schultert die Stadt 90 Prozent des Eigenanteils von rund elf Millionen Euro. Zusätzlich zu den deutlich verbesserten Behandlungsbedingungen erhofft Hebich sich von dem Neubau „mitten im Krankenhaus“ einen Beitrag dazu, dass psychische Erkrankungen weniger stigmatisiert werden. Dass etliche Vertreter der Stadtratsfraktionen zum Spatenstich kamen, wertet der OB als weiteren Beweis des klaren Bekenntnisses des Gremiums zu den Aufgaben der kreisfreien Stadt in der Gesundheitsversorgung.
Platz für Psychiatrie, Geburtsklinik und Geriatrie
Verantwortlich für die Gestaltung des vierstöckigen Anbaus mit 5300 Quadratmetern Nutzfläche, in dem künftig Psychiatrie, Geburtsklinik und Geriatrie des kommunalen Krankenhauses untergebracht sein werden, ist das Ludwigshafener Architekturbüro Sander/Hofrichter. Das Unternehmen sei seit mehr als 20 Jahren immer wieder an der Stadtklinik im Einsatz und bringe eine große Erfahrung mit dem Thema „Bauen für die Seele“ mit, wie Geschäftsführer Martin Rieger betont.
Knapp ein Drittel der Krankenhausprojekte des Büros seien inzwischen Psychiatriegebäude. Ein Thema, das an Bedeutung zunehme, so Riegers Beobachtung. Mit dem Blick ins Grüne sowie einem Zugang vom Erdgeschoss zum Park gebe es an der Stadtklinik Frankenthal „optimale Rahmenbedingen“. Geplant seien außerdem kleine Stationen mit 20 Betten und wesentlich mehr Rückzugsräume für Therapie und Gespräche, als in der üblichen Krankenhausarchitektur.
Eines von drei Klinik-Bauvorhaben
Wichtig sei ihm als Chefarzt Psychiatrie und Psychotherapie ein offenes Haus, erläutert der Ärztliche Direktor der Stadtklinik, Matthias Münch, der, wie er schildert, mit dem Architektenteam in engem Austausch steht. Die Ausstattung solle einerseits ein Stück Normalität, weg vom Krankenhausstil, andererseits Wertigkeit und Wertschätzung ausstrahlen. Weitgehenden Verzicht auf geschlossene Psychiatrie und einen möglichst unauffälligen Schutz von selbstmordgefährdeten Patienten bei Details wie Lichtschaltern und Kleiderhaken nennt er als Beispiele.
Der Erweiterungsbau, für den die Vorbereitung mit Baumfäll- und Erdaushubarbeiten seit Sommer laufen und der bis 2025 stehen soll, ist eines von drei geplanten Vorhaben an der Stadtklinik. Folgen sollen die schrittweise Generalsanierung des 42 Jahre alten Haupthauses bis 2030, für die inklusive des Erweiterungsbaus rund 80 Millionen Euro Kosten veranschlagt sind, und der auf zehn Millionen Euro geschätzte Bau einer Großküche, über die künftig auch Kindertagesstätten und Schulen der Stadt versorgt werden könnten.