Grosskarlbach
Sommertheater im Winzerhof: Gaunerkomödie zum Auftakt
Schnell war die erste Vorstellung der Gaunerkomödie auf der Sommerbühne des Theaters Alte Werkstatt (TAW) ausverkauft. Sie war zugleich der Auftakt eines umfangreichen Programms, das bis Ende August laufen wird. Wegen der Abstandsregeln dürfen sich im Großkarlbacher Winzerhof Claus nur 60 statt der üblichen 125 Theaterfreunde tummeln. Damit diese sich nicht zu nahe kommen, musste der TAW-Freundeskreis das gemütliche Beisammensein im urigen Hofgarten straff organisieren: An mit Sicherheitsabstand aufgestellten Tischen saßen am Donnerstagabend vor der Aufführung und in der Pause die Gäste. Nur, wer gemeinsam die ausschließlich im Vorverkauf erhältlichen Tickets gekauft hatte, durfte sich einen Tisch teilen.
Flamingos und Hasen an Biertischen
Jeder Tisch trug den Namen eines Tieres. Was es damit auf sich hatte, zeigte sich, als TAW-Chef Jürgen Hellmann über Megafon die amüsierten Zuschauer der Reihe nach aufrief. „Die drei Flamingos dürfen sich zum Bühnenhof aufmachen. Es folgen zwei Elefanten, vier Hasen und ein Kater mit Katze.“ Das Ganze bekam so den Charakter einer Arche Noah, als die in 25 Tierarten aufgeteilten, mit Mundschutz maskierten Gruppen nacheinander ihre getrennten Sitzplätze einnahmen.
Als Ehepaar von Abstandsregeln befreit
Regisseur Uwe von Grumbkow wiederum unterlag anderen Zwängen. Das Stück des Autorenduos Sabine Misiorny und Tom Müller beginnt in einem stockdunklen Schuhlager, in dem Manni (Tobias Brohammer) und seine Verlobte Chantal (Sina Weiß) umherirren. Da die Bühne bei einem um 19.30 Uhr beginnenden Open Air schwerlich abgedunkelt werden kann, hat der Regisseur die Eingangsszene gestrichen. Was von Grumbkow zugute kommt: Brohammer und Weiß sind verheiratet und dürfen sich in den sechs Akten daher ohne Rücksicht auf Abstandsregeln zu nahe kommen – eine Ausnahme auf der diesjährigen TAW-Sommerbühne, auf der ansonsten zumeist Solodarsteller auftreten werden.
Dass die Besetzung eine Punktlandung ist, wird schnell offensichtlich: Als Eheleute spielen sich Brohammer und Weiß in der Manier einer Slapstick-Komödie die Bälle rasant und gekonnt zu. Vier dilettantisch vorbereitete Banküberfälle setzt das Paar in den Sand – und zankt sich mit kindischer Hartnäckigkeit über die Schuldfrage. Bei Planung und Durchführung der Coups übernimmt Manni die Federführung, während Chantal ihm assistiert. Brohammer gibt einen selbstgerechten Macho, der auf Schritt und Tritt angesichts der Einfalt seiner Liebsten verzweifelt. Weiß wiederum glänzt als naives Weibchen, das alles allzu wörtlich nimmt und so für zahlreiche Lacher sorgt.
Mundschutz statt Strumpfmaske
Ein Reiz der Inszenierung: Als gebürtige Großkarlbacherin spielt Weiß mit Pfälzer Zungenschlag. Brohammer hingegen spricht hochdeutsch. Da sich die Ganoven in ihrem Rosenkrieg in der Manier von Papageien ständig nachäffen, wirken viele Dialoge wie ein pfälzisch-deutsches Wörterbuch zum Mithören. „Wie beim ledschde Mol?“, fragt Chantal, als ein nächster Überfall ausgetüftelt wird. „Wie beim letzten Mal“, bestätigt Manni entnervt.
Die Pandemie findet selbst auf der Bühne ihren Niederschlag, wenn auch als Randnotiz: Wer Banken beraubt, sollte sich tunlichst maskieren, mit einer Damenstrumpfhose. Und wenn der Vorrat erschöpft ist, tut es eine Corona-Maske ebenfalls. Beides hilft nichts, wenn „Zwei wie Bonnie und Clyde“ sich dümmer anstellen, als die Polizei erlaubt. Aber das Glück ist mit den Doofen: Das Schuhlager entpuppt sich als Geldversteck anderer Ganoven, die bei ihrem Coup eine glücklichere Hand hatten. Und so steht dem Traum Chantals – „Heirade in Los Vegas!“ – nichts mehr im Weg. „LAS, es heißt LAS Vegas“, verbessert ihr Zukünftiger bis zum Schlussapplaus ohne Erfolg.
Obwohl die Darsteller mit großer Spielfreude agierten, und der milde Sommerabend bestes Open-Air-Wetter bot, war die Resonanz im Publikum verhalten. Abstands- und Hygieneregeln im Theater – das ist sicher für einige noch sehr gewöhnungsbedürftig.
Vorverkauf