Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthaler Theater Alte Werkstatt probt Slapstick-Stück mit rasendem Tempo

Regisseur Uwe von Grumbkow mit seinen Darstellern Sina Weiß und Tobias Brohammer bei der Probe zum Sommerfestival-Stück „Zwei wi
Regisseur Uwe von Grumbkow mit seinen Darstellern Sina Weiß und Tobias Brohammer bei der Probe zum Sommerfestival-Stück »Zwei wie Bonnie und Clyde«.

Wer sich erbittert streitet, pfeift gern auf Regeln. Allerdings ist eine Fehde entgegen der Corona-Regeln auf der Bühne ein Unding. Außer, wenn die Streithähne auch privat ein Paar sind – wie in der neuen Komödie des Frankenthaler Theaters Alte Werkstatt (TAW), in der „Zwei wie Bonnie und Clyde“ einen handfesten Rosenkrieg ausfechten.

Das Problem mit Mundschutz und Sicherheitsabstand hat Jürgen Hellmann in der ersten Eigenproduktion während der Corona-Krise pfiffig gelöst: Die Hauptdarsteller sind Eheleute und dürfen ungeschützt aufeinander losgehen. Das zweite Problem war erst vor Kurzem aufgetaucht. Der Leiter des Theaters Alte Werkstatt fiel als Regisseur zum Probenbeginn verletzungsbedingt aus. Die Lösung: Am Regiepult steht Uwe von Grumbkow, der dem Frankenthaler Publikum nicht unbekannt sein dürfte – bis 2012 gehörte er zwei Jahrzehnte lang zum Ensemble des TAW als Mime und Spielleiter.

Vom Virus ausgebremst

„Dass ich einspringen konnte, hat super gepasst“, erzählt von Grumbkow während der Probe. Das Virus hatte ihn wie die meisten Theaterleute ausgebremst: Im Zimmertheater Speyer inszenierte er im Februar die „Wunderübung“ und musste seitdem eine Zwangspause einlegen. „Unter den aktuellen Bedingungen ist normales Theater nicht möglich. Um ohne Einschränkungen auf der Bühne zu spielen, müssten die Akteure in Quarantäne leben wie die Fußballer.“

Und dass sein Gastspiel im TAW ausgerechnet „Bonnie und Clyde“ ist, sieht der Theatermann als glücklichen Zufall: „Genau mit diesem Stück bin ich hier vor zehn Jahren aufgetreten.“ Auch damals spielte das Ganoven-Duo ein Ehepaar – Susanne und Uwe von Grumbkow, Regie führte der Gründer des TAW, Paul Brands.

Acht Tage für 100 Seiten Text

Die Probenarbeit ist ein Rennen gegen die Zeit. Normalerweise hätten Regisseur und Darsteller die Rollen in sechs Wochen erarbeitet. Doch nur acht Tage bleiben, um die über 100 Textseiten fassende Komödie einzustudieren. Denn Sina Weiß, die vor drei Jahren mit dem „Zerbrochenen Krug“ von Kleist im TAW ihre Abschiedsvorstellung gab, ist voll ausgelastet. Sie steht an der Badischen Landesbühne Bruchsal unter Vertrag und probt aktuell für die Produktion „Die zweite Frau“ von Nino Haratischwili. „Dort muss ich mit Mundschutz spielen“, sagt die 29-Jährige, die es sichtlich genießt, in Frankenthal völlig ohne Einschränkungen zu agieren.

Bühne und Zuschauerraum wirken wie eine Wohnung, die überstürzt verlassen wurde. Requisiten liegen ungenutzt umher. Seit Ende März wäre hier die „Großwildjagd“ veranstaltet worden. Das Stück ist in der Pandemie nicht mehr spielfähig. Doch auf der Bühne stapeln sich nun neue Requisiten: Schuhkartons – das Herzstück der Gaunerkomödie, an der mit Hochdruck gearbeitet wird.

Reales Vorbild

Die Gaunerkomödie „Zwei wie Bonnie und Clyde“ aus der Feder des Autorenduos Sabine Misiorny und Tom Müller wurde seit 1999 im deutschsprachigen Raum über 160 Mal inszeniert. Vorlage ist die wahre Geschichte der US-amerikanischen Ladenräuber Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow aus den 1930er-Jahren, die bis heute in Filmen und Musikwerken interpretiert wird. Regisseur Uwe von Grumbkow verlegt den Schauplatz in die Pfalz, das Stück wird teilweise in Pfälzer Mundart gespielt.

Streit über genialen Coup

Das Wörtchen „Druck“ zieht sich durch die Probe wie ein roter Faden. Neben dem Zeitdruck der knappen Probenphase stehen Weiß und ihr Spielpartner und Mann Tobias Brohammer unter enormem Spieldruck, den ihnen von Grumbkow abverlangt. „Es ist ein Slapstick-Stück mit rasendem Tempo“, sagt er. „Lasst euch langsam warmlaufen.“

Die Aufwärmphase ist in Sekundenschnelle erledigt. Schon steckt das Ganoven-Duo mitten in seiner Beziehungskrise, die sich am Austüfteln eines genialen Überfalls entzündet. Die Namen Bonnie und Clyde tauchen nur sporadisch auf. Dafür sind es Chantal und Manni, die in der Manier des kriminellen Pärchens einen genialen Coup landen wollen.

Ausgetüftelt wird der Plan in einem Schuhlager. In der zweiten Szene üben die beiden akribisch ihren Banküberfall und geraten sich permanent in die Haare. Jedes Detail wird zum Auslöser neuer tragikomischer Grabenkämpfe. Der mit Sicherheitsabstand vor der Bühne stehende Grumbkow rät, die emotionale Anspannung dosierter hochzuschrauben: „Das war zu schnell, zu hektisch. Ihr müsst klein anfangen, sonst habt ihr später keine Luft nach oben.“ Brohammer nickt und wiederholt die Situation, in der er nach Auftauchen eines fiktiven Augenzeugen die Flucht ergreift. Dabei stolpert er über einen Stuhl und hält sich das schmerzende Bein.

„Muss Darsteller aus allen Blickwinkeln sehen“

Obwohl er einige Einfälle seiner Akteure in die Inszenierung aufnimmt – diesen Betriebsunfall will von Grumbkow nicht einfließen lassen. Dafür gönnt er seinen Schützlingen eine Atempause. Während der Verletzte sein Bein pflastert, zieht der Regisseur eine Zwischenbilanz: „So wird es langsam gut.“ Brohammer und Weiß nutzen die Pause, um nach der Disharmonie als Bühnenpärchen die Harmonie als Paar wiederherzustellen.

Dann wird intensiv an allen Szenen gefeilt – in wenigen Tagen muss Weiß zurück nach Bruchsal. Bis zur Premiere treffen sich Regisseur und Darsteller sporadisch. Proben als Videokonferenz schließt von Grumbkow aus. „Das muss live passieren. Ich muss die Darsteller vollständig und aus allen Blickwinkeln sehen können.“

Generell zieht der erfahrene Theatermann zwischen dem Spiel vor der Kamera und vor realen Zuschauern eine strikte Trennlinie. „Der Unterschied ist gewaltig. Nicht umsonst gibt es nur wenige Schauspieler, die auf der Bühne und im Film genauso erfolgreich sind.“

Noch Fragen?

Die Premiere von „Zwei wie Bonnie und Clyde“ ist am Donnerstag, 2. Juli, 19.30 Uhr, auf der Sommerbühne des TAW in Großkarlbach, Laumersheimer Straße 4. Weitere Termine stehen im Netz unter www.tawfrankenthal.net. Karten zum Preis von 18 Euro (ermäßigt zehn Euro) gibt es ausschließlich im Vorverkauf an der Theaterkasse des TAW Frankenthal, Wormser Straße 109, Telefon 06233 354826, oder online.
Ob der geplante geniale Coup gelingt oder ein Reinfall wird – das Gaunerpärchen Bonnie und Clyde (Sina Weiß, Tobias Brohammer) k
Ob der geplante geniale Coup gelingt oder ein Reinfall wird – das Gaunerpärchen Bonnie und Clyde (Sina Weiß, Tobias Brohammer) kriegt sich schon vorher gewaltig in die Haare.
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