Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Ritterball in Frankenthal: Den Papst getoppt und ein Travolta auf der Tanzfläche

Ritterschlag für den Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer (links) in Frankenthal: Graf Harald der I. vun de Saar und uff de
Ritterschlag für den Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer (links) in Frankenthal: Graf Harald der I. vun de Saar und uff de Nauwies hat sich dazu auf einen Klapptritt gestellt.

Ministerpräsident Alexander Schweitzer wird bei der Galanacht des Frankenthaler Carneval Vereins zum Ritter von der Hobelbank geschlagen. Dabei geht es närrisch-charmant zu.

Ein emotionaler Sehnsuchtsort sei sie in Frankenthal, vergleichbar mit Thomas Gottschalks Couch bei Wetten, dass..?, auf der die Promis Platz nahmen und aus dem Nähkästchen plauderten. Jetzt ist die Samstagabendshow aber schon lange nicht mehr das Flaggschiff der deutschen Fernsehunterhaltung und ihr einstiger Kult-Moderator hat vor Kurzem bei der Bambi-Verleihung dafür gesorgt, dass sich das Publikum fremdschämt. „Verchert“ heißt so etwas neuerdings.

Wie gut, dass es da in der Vorderpfalz noch als Konstante diese Hobelbank gibt, die Nico Hahl, Vorsitzender des Frankenthaler Carneval Vereins von 1820 (FCV), mit solch huldvollen Worten umschreibt. Der Ritterball des FCV wird unter dem Titel „Große Galanacht“ am Samstagabend nach jahrelanger Pause wieder im Congressforum gefeiert, und ohne die Hobelbank gibt es auch keinen Ritterball. Also steht dieses gute Stück mit auf der Bühne.

Vor dem Grafen bleiben alle standhaft

Denn wo sollen Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD), Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) und Schreinermeister Helmut Schreider sitzen, nachdem Graf Harald der I. vun de Saar und uff de Nauwies sie zum Ritter geschlagen hat? Der Graf ist kein echter Graf. Hinter dem Fantasienamen verbirgt sich Harald Hoffstetter, der stellvertretende Vorsitzende des FCV. Bei ihm bleiben die Anwärter auf die Aufnahme in den Ritterorden „standhaft“, sie dürfen stehen und müssen sich nicht niederknien.

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Als der Graf das prominenteste Mitglied des Trios in den närrischen Adelsstand erhebt, braucht der ganz und gar nicht so riesenhafte Mensch einen Klapptritt, sonst müsste er einen Hochsprung machen, wie Nico Hahl spöttelt: 2,06 Meter ist Alexander Schweitzer groß. Der Graf kann da nicht mithalten. Aber ob mit Hilfsmittel oder Hochsprung, der Ritterschlag gelingt auch beim Ministerpräsidenten. Damit hat der Fasnachtsorden der Ritter von der Hobelbank, in den auch schon Horst Eckel, Malu Dreyer und Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer, aufgenommen wurden, Zuwachs bekommen.

Schweitzer mit Frankenthaler Vergangenheit

Aber warum wurden Schweitzer, Meyer und Schreider auserkoren, Ritter zu werden? Nico Hahl, der auf alle drei die Laudatio hält, bescheinigt ihnen unisono Humor – eine Grundvoraussetzung beim Carneval Verein.

Schweitzer kann auf eine FCV-Vergangenheit zurückblicken: Er stand als Laudator auf der Bühne, als in der Fasnachtssaison 2012/2013 der Landtagsabgeordnete Martin Haller (SPD) zum Ritter geschlagen wurde. Der Ministerpräsident hatte Anfang des Jahres in Rom eine Audienz beim mittlerweile verstorbenen Papst Franziskus. „Jetzt kommt noch on top diese Ehrung“, unterstreicht Hahl närrisch-charmant die Wichtigkeit des Ritterordens.

OB Meyer: „Ein närrischer Phönix aus der Asche“

Zu derer von der Hobelbank sei Nicolas Meyer wie „ein närrischer Phönix aus der Asche“ emporgestiegen. Es solle schon Prunksitzungen gegeben haben, bei denen der Oberbürgermeister als Letzter die Tür abgeschlossen habe. Sein Motto „Keine Feier ohne Meyer“ sei längst Frankenthaler Kulturgut, erklärt Nico Hahl.

Helmut Schreider trage zwar ein „ganzes Regal voller Titel“, für den FCV-Vorsitzenden ist er aber vor allem der „John Travolta der Frankenthaler Fasnacht“. Seine Ausdauer sei legendär. Wenn Schreider Musik höre, mache der „Fasnachter durch und durch“ die Tanzfläche zum Broadway.

Vereint im Geiste der Fasnacht

Und so sitzen die drei Rittersleute, die Hahl obendrein noch gemeinsam mit dem FCV-Präsidenten Andreas Schuff besungen hat, vereint im Geiste der Fasnacht auf der Hobelbank. „Es ist mir eine große Ehre“, sagt Ministerpräsident Schweitzer. Oberbürgermeister Meyer verspricht, sich einzusetzen, dass das Congressforum wieder auf Dauer das Zuhause des FCV wird, der in der gerade angebrochenen Fasnachtssaison 2025/2026 der Stadtschlüsselverein ist.

Die große Galanacht des FCV im Frankenthaler Congressforum: gute Gespräche, Live-Musik und eine flotte Sohle auf der Tanzfläche.
Die große Galanacht des FCV im Frankenthaler Congressforum: gute Gespräche, Live-Musik und eine flotte Sohle auf der Tanzfläche.

Rückkehr ins Congressforum

Mit dem Ritterball feiern die Fasnachter ihr Comeback in der „guten Stube“ der Stadt. Der Schlachtruf „Helau! Ahoi! Und kikeriki!“ erschallt gleich mehrmals im Congressforum; zum ersten Mal an diesem Abend angestimmt von der neuen Stadtprinzessin Marlene Baldauf, die FCV-Fasnachterin ist, seitdem sie denken kann, und zum Ritterball feierlich in den großen Saal schreitet. Die Garden des Carneval Vereins präsentieren ihre Tänze. Auch die Besucher selbst können das Tanzbein schwingen, wenn die Sound Express Big Band aus Bad Kreuznach aufspielt.

Tanzen, das ist ein gutes Stichwort für den „John Travolta der Frankenthaler Fasnacht“. Neu-Ritter Helmut Schreider, der als Schreinermeister vom Fach ist, erläutert auf der Bühne dem Publikum kurz, wie eine Hobelbank aufgebaut ist. Die Hauptsache dabei: „Sie sieht sehr schön aus und ich freue mich, dass ich auf ihr sitzen darf.“ Die Hobelbank als emotionaler Sehnsuchtsort, vielleicht stimmt es ja doch, was FCV-Vorsitzender Nico Hahl gesagt hat.

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