Frankenthal
Vor vollem Haus: Fasnachtsprinzessin Marlene I. regiert ab sofort
Mit einem strahlenden Lächeln betrat „Ihre Lieblichkeit“ – so die fasnachtlich korrekte Anrede – in Begleitung von FCV-Chef Nico Hahl den bis an die Kapazitätsgrenze gefüllten Festsaal. Die Gardemädchen standen Spalier, das hohe Haus erhob sich in Ehrerbietung von den Plätzen und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Welch ein prachtvolles Kleid: schulterfrei, edles Rubinrot, Rokoko-Stil – wie aus dem Märchenbuch und damit passend zum diesjährigen Motto des Stadtschlüsselvereins „Es war einmal.“ Mit minutenlangen Ovationen wurde die liebreizende Prinzessin gefeiert.
„Sie ist charmant, nicht gerade zurückhaltend und hat Entertainerqualitäten.“ So charakterisierte FCV-Präsident Andreas Schuff die 24-Jährige, die von Kindesbeinen an in der Fasnacht aktiv ist – als Gardetänzerin, Trainerin, Choreografin. Erst im zweiten Anlauf gelang es Schuff das Krönchen in Marlenes Frisur zu befestigen. Das kollektive „Ui, ui, ui, au, au, au!“ folgte auf dem Fuß. Das auf einem roten Samtkissen ruhende Zepter der Macht zu überreichen, war dagegen die leichtere Übung.
BDK-Präsident überreicht Zepter
Diese oblag dem Präsidenten des Bundes Deutscher Karneval (BDK) Klaus-Ludwig Fess, der eigens aus dem saarländischen Bexbach angereist war und damit seine Verbundenheit zur Frankenthaler Fasnacht bekundete, was freilich nicht von ungefähr kommt. Der oberste Repräsentant von bundesweit 3,6 Millionen organisierten Narren zählt zur illustren Schar der Ritter von der Hobelbank.
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Mit der Thronrede folgte der emotionalste Moment des Zeremoniells. „Ein Märchen, das so lang gewartet, wird heut' mit Glanz und Lachen gestartet“, reimte die Stadtschlüsselprinzessin. „Ich, Marlene die Erste, darf nun regieren und euch durch diese närrischen Tage führen. Mit Charme, mit Witz, mit Frohsinn rein, soll diese Zeit voll Lebensfreude sein.“ Mit dem nach Understatement klingenden Bekenntnis „Große Reden sind nicht meins“ landete sie glatt einen Lacherfolg, kann sie doch die dominant vererbte väterliche DNA und ihre politischen Ambitionen als jüngstes Stadtratsmitglied kaum verleugnen.
Für etliche Gäste bleibt nur der Stehplatz
Standesgemäß durfte Marlene auf einem knallroten Sessel Platz nehmen und die Honneurs des närrischen Auditoriums entgegennehmen. Ob sie dabei schon an den bis Aschermittwoch andauernden Terminstress gedacht hat? Als großzügige Geste hat ihr das Autohaus Bürkle eigens ein motorisiertes Gefährt zur Verfügung gestellt. Noch mit einer schwarzen Plane verhüllt, stand es am Eingang schon parat.
„Ich bin perplex, wie voll es hier ist“, stellte Präsident Andreas Schuff fest. Rund ein Dutzend Abordnungen befreundeter Vereine aus Stadt und Land machten dem FCV ihre Aufwartung. Etliche Gäste mussten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. Nicht zu vergessen die fünf Garden, die zum Teil im Treppenhaus ihrem Auftritt entgegenfieberten.
Erstmals Elferrätin gekürt
Die erste Rakete des Abends wurde für die Minigarde gezündet. Acht kleine Prinzessinnen im Kita-Alter – federführend betreut von Lena Schuff – zeigten zu dem Titel „Sei hier Gast“ aus Die Schöne und das Biest ihr tänzerisches Talent. Rot-weiß uniformiert gaben auch die übrigen Garden bei ihrem Auftritt im Marschrhythmus eine gute Figur ab.
Zwei verdiente FCV-Aktive rückten zwischendurch in den Mittelpunkt: Harald Hofstetter wurde mit allen Ehren samt Bänkelgesang zum Ritter von der Hobelbank geschlagen, und Claudia Belsanti zur ersten Elferrätin des traditionsreichen Vereins gekürt.
