Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Obdachlosenhilfe: Gerettet
Um nichts weniger als die Existenz des Vereins ging es am Mittwoch in der Jahreshauptversammlung der ökumenischen Obdachlosenhilfe. Da fragt man sich, weshalb nur 14 von den 78 Mitgliedern am Tisch saßen. Die schwache Beteiligung ist nur bedingt mit dem Lapsus der RHEINPFALZ zu erklären, die den ursprünglich genannten Versammlungsort angekündigt hatte, der dann aber geändert worden war.
Dafür waren die Anwesenden hoch engagiert. Es ging ums Herzstück der Vereinsarbeit – eine Wohnung für Obdachlose, die auf Wunsch der an diesem Abend neu gewählten Vorsitzenden, Mladen und Elfriede Svoboda, nicht weitergeführt werden soll. Nur unter dieser Bedingung wollten sie den Verein führen. Besagtes Domizil kann aber nicht einfach so gekündigt werden, es ist bewohnt. Und ein Verein, der sich um Obdachlose kümmert, darf diese – irgendwie logisch – nicht auf die Straße setzen.
Die Idee stieß nicht auf ungeteilte Zustimmung. Zwischenzeitlich wollten die Svobodas schon das Handtuch werfen. Aber ein Kompromiss rettete die Lage: Bis die Verwaltung ihre Ankündigung in die Tat umsetzt und den Mietvertrag übernimmt, kümmern sich der bisherige Vorsitzende Daniel Winkes und Mitglied Jonas Breßler um die Bewohner und die Verhandlungen mit der Stadt. Bis die Lösung abgenickt war, erforderte es einiges diplomatisches Geschick von Winkes, das der sich als CDU-Stadtrat in langen Sitzungen hart erarbeitet haben dürfte. Am Ende hat’s geklappt – ein Sieg der Demokratie und der Vernunft. Klaudia Toussaint
Industriegebiet: Gemeckert
Es gibt zwei Gewissheiten: Wasser fließt nicht den Berg hinauf. Und: Wenn sich im Frankenthaler Industriegebiet Am Römig etwas tut, dann rumort es im Ludwigshafener Nachbarstadtteil Ruchheim. So ist es auch dieses Mal: Die Pläne des belgischen Investors VGP, der eine Erweiterung des Areals um 20 Hektar plant, stoßen auf scharfe Kritik bei Grünen-Politikerin Jutta Kreiselmaier-Schricker, Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat und Chefin der Bürgerinitiative „Lebenswertes Ruchheim“. Da ist dann von Flächenfraß und drohendem Verkehrsinfarkt die Rede. Was gerade zu letzterem Aspekt an Berechnungen auf dem Tisch liegt, interessiert die Beschwerdeführer wenig. Geradezu abenteuerlich allerdings ist die Argumentation in Sachen Arbeitsplätze. Überspitzt lautet die Botschaft: Die bis zu 700 Jobs, die VGP verspreche, würden wegen des „eklatanten Mangels an Arbeitskräften“ gar nicht entstehen. Das sehen die Firmen, die sich für Flächen Am Römig interessieren, offenbar anders. Am kommenden Mittwoch hat der Frankenthaler Stadtrat das Wort. Jörg Schmihing