Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Wahlkampf: Neuland
„Das Internet ist für uns alle Neuland“. Es hagelte Hohn und Spott aus der „Netzgemeinde“, als Bundeskanzlerin Angela Merkel vor etlichen Jahren diese Aussage machte. Zu Corona-Zeiten sind nicht zuletzt Politikerinnen und Politiker heilfroh, dass es dieses „Neuland“ gibt – denn es ist einer der letzten verbliebenen Wege, auf denen man sich mit anderen austauschen kann. Und ohne Austausch könnte es auch keinen richtigen Wahlkampf geben.
Allerdings: Dass man auch auf diesem Weg mit drastischen Überraschungen rechnen muss, das haben diese Woche CDU-Spitzen- und Wahlkreiskandidat Christian Baldauf und sein prominenter Gesprächspartner, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, in Baldaufs (O-Ton) „Digital Town Hall“ erfahren. Denn im frei zugänglichen Web-Konferenzraum waren unter den mehr als 90 Teilnehmern auch Personen unterwegs, die offenkundig keine Ahnung hatten, wie so etwas „funktioniert“. So blieb das Mikrofon bei einem „Zuhörer“ an, der mitunter laut hörbar vor sich hin fluchte. Und dann wurde das Videobild auch noch minutenlang von einer großen leeren Bildschirmfläche dominiert – und Redner Baldauf kam nur noch am Rande vor.
Die offenbar auf solche Eskapaden nicht ausreichend vorbereiteten CDU-Regisseure der Veranstaltung brauchten viel Zeit, bevor sie das Ganze in den Griff bekamen. Der Landesregierung dann Defizite beim Umgang mit dem Thema Digitales vorzuhalten, wirkt angesichts solcher Episoden recht apart. Vielleicht lag die Kanzlerin mit ihrem Aufreger-Satz ja doch gar nicht so verkehrt. Wenn man ihn so versteht: Wir können alle immer noch was dazulernen.
Impfzentrum: Neustart
Was viele Leute – übrigens nicht nur in Wahlkampfzeiten – bei Politikern und Verwaltungsleuten vermissen, ist Pragmatismus, also eine gewisse Hemdsärmeligkeit im Umgang mit Problemen. Die freilich hat ihre Grenzen da, wo Gesetze oder verbindliche Vereinbarungen mit Dritten greifen. Zumindest nicht ganz einfach wird es wohl sein, im Sinne der Bürger im Norden des Rhein-Pfalz-Kreises eine pragmatische Lösung beim Impfen zu finden. Die simple Logik: Lasst sie doch nach Frankenthal kommen! Das spart vielen Zeit und Aufwand gleichermaßen, findet Landtagsabgeordneter Martin Haller (SPD). Und mit ihm wohl viele Lambsheimer, Heßheimer und Bobenheim-Roxheimer. Moment, sagt Landrat Clemens Körner (CDU), so einfach ist es nicht. Absprachen zwischen Land und Kommunen regeln, wie und vor allem wo der schützende Piks zu erfolgen hat. Es geht um Geld, Personal und Impfstoffmengen. Für beide Positionen gibt es also gute Gründe. Was tun?
Der Landrat und der Landtagsabgeordnete dürften sich bei einem Punkt sicher einig sein: Erfolg und Tempo der Impfkampagne sind nicht nur in Frankenthal und im Rhein-Pfalz-Kreis die entscheidenden Faktoren im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Alles, wirklich alles, was die Geschwindigkeit erhöht und mehr Menschen vor einer schweren Covid-19-Erkrankung schützt, sollte getan werden – pragmatisch, aber trotzdem mit klaren Regeln.