Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Online-Wahlhilfe: Nah an der Wirklichkeit

55,8 Prozent bei der Umfrage, 55,4 Prozent bei der Wahl selbst: Nicolas Meyers Abschneiden hat sich für die Wissenschaftler der
55,8 Prozent bei der Umfrage, 55,4 Prozent bei der Wahl selbst: Nicolas Meyers Abschneiden hat sich für die Wissenschaftler der TU Darmstadt abgezeichnet.

Am Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl ist nichts mehr zu rütteln – der FWG-Mann Nicolas Meyer (43) wird am 1. Januar 2024 sein Amt als Frankenthaler Stadtoberhaupt antreten. Die Auswertung der Daten, die Wissenschaftler mit ihrer Online-Wahlhilfe gewonnen haben, gibt ein paar spannende Hinweise.

Wie nahe er mit der an die Nutzung der Online-Wahlhilfe gekoppelten Umfrage der Wirklichkeit gekommen ist, darauf ist Thilo Dieing, der als Mitarbeiter des Instituts für Politikwissenschaft an der TU Darmstadt das Frankenthaler Projekt betreut, ziemlich stolz: In seinen über den Zeitraum von vier Wochen erhobenen Daten habe sich ziemlich klar abgezeichnet, dass ein Durchmarsch des dann tatsächlich siegreichen FWG-Kandidaten Nicolas Meyer möglich ist. 55,8 Prozent derjenigen, die sich durch die 26 Thesen geklickt haben, nannten Meyer als ihren Favoriten – 55,4 Prozent der Wahlberechtigten gaben am vergangenen Sonntag ihre Stimme.

Höppner vor Knöppel

Unschärfer wird es dann auf den weiteren Rängen: Im Gegensatz zum tatsächlichen Abschneiden haben die rund 1060 Nutzer des Voto-Tools die SPD-Bewerberin Aylin Höppner vor CDU-Mann Bernd Knöppel gesehen – an der Urne war es umgekehrt. Und wäre es nach ihnen gegangen, hätte der Grüne Immanuel Pustlauck mit 7,25 Prozent deutlich besser abgeschnitten als beim Wahlgang am Sonntag mit 3,0 Prozent. Der amtierende OB Martin Hebich (CDU), der als parteiloser Einzelkandidat angetreten ist, war in Dieings Szenario mit seinen Standpunkten gar nicht vertreten.

Genutzt haben den Wahlkompass, der Teilnehmern nach dem Bewerten und Gewichten der Thesen anzeigt, welcher Bewerber ihnen inhaltlich am nächsten steht, nach Wahrnehmung der Wissenschaftler um TU-Professor Christian Stecker wohl eher Menschen mit überdurchschnittlichem Interesse an Politik. Weil diese Leute mit einem Durchschnittsalter von 51 Jahren nicht nach dem Zufallsprinzip für die Umfrage ausgewählt sind, sondern selbst über ihre Teilnahme entscheiden, gelten die Resultate fachlich nicht als repräsentativ.

Tempo 30 polarisiert

Spannend ist der Blick darauf, was die Teilnehmer der Umfrage mit ihren eigenen Worten als größte Probleme angegeben haben und welche Thesen sie dann in der Wahlhilfe Voto besonders stark gewichtet haben. Die zwei Spitzenreiter sind eindeutig Wohnen und Verkehr – Themenfelder, die insofern den künftigen Oberbürgermeister besonders stark beschäftigen dürften. Auch das Stichwort Verwaltung haben sie häufig genannt.

Mindestens so interessant sind die abgefragten Gesichtspunkte, bei denen die Meinungen auseinander gehen. Am stärksten polarisieren nach Thilo Dieings Auswertung die Themen Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre bei Kommunalwahlen und die Einführung weiterer Tempo-30-Zonen, für die sich alle Kandidaten ausgesprochen hatten.

Mehr direkte Demokratie

Nachvollziehbar wird über die fünfstufige Skala, mit der jede These hinterlegt war, wo die mehr als 1000 Voto-Nutzer eine besonders klare Meinung haben: Die größte Zustimmung gibt es demzufolge dafür, die direkte Demokratie in Kommunen zu stärken, den kommunalen Wohnungsbesitz zu erweitern, Wohnraum für Geringverdiener zu schaffen und die Polizeipräsenz zu stärken. Die höchste Ablehnung provozieren gendergerechte Sprache in offiziellen Dokumenten, höhere Parkgebühren und die Aufnahme von Geflüchteten.

x