Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Buskonzept: Es rollt – aber es ruckelt noch

Nach einem Jahr ein vertrauter Anblick im Stadtbild: die blauen Busse von Dürk Reisen.
Nach einem Jahr ein vertrauter Anblick im Stadtbild: die blauen Busse von Dürk Reisen.

Anfang 2021 ging das neue Buslinienkonzept an den Start. Neue Linienführungen, neue Haltestellen und ein neuer Betreiber sollten „weiße Flecken“ im öffentlichen Nahverkehr ausmerzen. Nach einem Jahr aber ist man vielerorts noch unzufrieden.

Elf Linien bilden das Streckennetz des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Stadt. Dass aus Kostengründen nicht jeder Wunsch erfüllt werden konnte, das hat die Verwaltung immer betont. Aber: Mehr Bürger als zuvor sollten mit Laufwegen von weniger als 300 Metern eine Bushaltestelle erreichen können. Mit den neuen Linienführungen versprach sich die Verwaltung eine bessere und strukturiertere Organisation. Benutzerfreundlicher, attraktiver und zeitgemäßer sollte der Busverkehr durch den Neustart werden. Es sollten mehr Menschen in der Stadt und in den Vororten erreicht werden, und nicht zuletzt sollten die Schnittstellen von Bussen zu Bahnen verbessert werden. An Knotenpunkten sollten die Umsteigezeiten verkürzt werden.

Dürk mit Start zufrieden

Eigentlich sollte das Buskonzept schon Mitte 2020 starten. Doch ein unterlegener Anbieter hatte das Ergebnis der Ausschreibung angefochten und damit für Verzögerungen gesorgt. Seit einem Jahr nun fährt das Frankenthaler Busunternehmen Dürk Reisen. Dessen Chef zeigt sich nach zwölf Monaten im Großen und Ganzen zufrieden. „Trotz erschwerter Bedingungen durch Corona, was eine Herausforderung war, lief es gut. Unsere Fahrer blieben mehrheitlich gesund“, sagt Bernhard Dürk. Der Busunternehmer lobt die Fahrgäste in Frankenthal, das Zusammenspiel der Verkehrsteilnehmer mit den Bussen, ebenso die Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Baustellen auf den Strecken seien aber immer wieder eine Herausforderung, die Fahrplangestaltung sei kein leichtes Unterfangen.

Auf bestimmten Strecken wurde der Takt verdichtet. So gibt es seit einem Jahr auf der Strecke zwischen Hauptbahnhof und Stadtklinik statt zuvor zwei nun sechs Fahrten in der Stunde. Doch das neue Konzept war noch nicht gestartet, da gab es bereits die ersten härteren Diskussionen um die Streckenführung, insbesondere bei Anwohnern, die nun von einer Buslinie tangiert wurden.

Stress im Starenweg

Heftig waren die Auseinandersetzungen im Starenweg, auch weil sich Busse der Linie 84, die zwischen dem Hauptbahnhof und der Straßenbahnendhaltestelle in Oppau pendeln, in der sehr engen Straße teils begegneten. Anwohner protestierten massiv gegen die zum Fahrplanwechsel im Juni 2020 vorgenommene Streckenverlegung von der Straße Am Kanal in den Nachtweide- und Starenweg. Bereits vor dem offiziellen Start des neuen Buskonzepts wurde die allerdings nicht von Dürk, sondern von der Rhein-Neckar-Verkehr bediente Linie deshalb im November 2020 auf die Straße Am Kanal zurückverlegt.

Dass es nun in der Vogelsiedlung und im Gebiet Ziegelhofweg, hier insbesondere wegen der Justizvollzugsanstalt, Verbesserungen bei der Anbindung an den ÖPNV geben müsse, darüber herrschte jüngst im Stadtrat fraktionsübergreifend und im Rathaus Einigkeit. Die Verwaltung habe das Problem im Blick, sagte Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) bereits in der November-Sitzung. Bevor es zu Veränderungen kommt, kündigte Hebich Gespräche mit den Bürgern an. Dass das Nachjustieren bisher noch nicht angegangen worden sei, begründete der OB mit Personalproblemen im Rathaus. Es gebe derzeit nur einen Verkehrsplaner. Deshalb wollte Hebich auch keine zeitlichen Zusagen machen, wann ein Vorschlag vorgelegt werden kann.

Kein Platz für Haltestelle

Recht anhaltend war der Streit ebenso in der Studernheimer Heinrich-Reffert-Straße (Linie 467). Ganz neu ist diese Streckenführung hier nicht, denn bis 2012 fuhren die Busse ebenfalls durch diese Straße, danach wurde das Neubaugebiet einbezogen und die Reffert-Straße war nicht mehr von Linienbussen tangiert. Mit der Einführung des neuen Linienkonzepts änderte sich das wieder.

Anregungen zur Änderung der Linienführung gab es in den Ortsbeiräten in Flomersheim und Eppstein. In Flomersheim sah die Vorort-SPD den westlichen Ortsteil nicht gut angebunden, in Eppstein wurde der Ruf nach einer Haltestelle im Studernheimer Weg, Höhe Verdistraße, durch die örtliche CDU laut, da der Weg aus dem östlichen Ortsteil zur nächsten Bushaltestelle zu weit sei. Hier scheitert eine zusätzliche Haltestelle laut Bauamt aber, weil es keine geeignete Fläche gibt. Wenig optimal erscheint vielen zudem, dass ein Stopp am Krankenhaus aus Zeitgründen nun weiter entfernt von der Stadtklinik (Höhe Opel Weismann) liegt.

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