Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Nabu: Naturschützer als Gutachter und Berater gefragt

Der Nabu ist überzeugt: Die Stadt soll nicht zulasten landwirtschaftlicher Flächen „in die Breite wachsen“.
Der Nabu ist überzeugt: Die Stadt soll nicht zulasten landwirtschaftlicher Flächen »in die Breite wachsen«.

Wenn in der Region größere Bauprojekte anstehen, bezieht der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) als Gutachter und Berater zu ökologischen Fragen Stellung. Die Frankenthaler Ortsgruppe hat sich zuletzt mit der neuen BASF-Logistikfläche und dem Regionalplan beschäftigt. Einen Erfolg verbucht sie für sich in Bobenheim-Roxheim.

„Rein rechtlich“ habe es keine Handhabe gegen die Fällung von rund 600 Bäumen für das Projekt des Ludwigshafener Chemiekonzerns gegeben, berichtete Vorsitzender Manfred Becker bei der Nabu-Mitgliederversammlung am Wochenende. Aber: Das Unternehmen werde 300 Bäume neu pflanzen und habe für Ausgleichsmaßnahmen im Umfeld der neuen Logistikfläche mit rund 200 Lkw-Stellplätzen den Kontakt zum Verband gesucht. „Die BASF nimmt die Sache ziemlich ernst und arbeitet mit uns zusammen“, betonte Becker. Anregungen des Nabu würden gehört und umgesetzt – etwa in Form einer Teichanlage für Amphibien.

Dem vom Verband Region Rhein-Neckar vorgelegten Entwurf des Regionalplans, demzufolge aus Nabu-Sicht Äcker für Bauland geopfert würden, habe man widersprochen. „Wir wollen nicht, dass die Stadt weiter in die Breite wächst“, sagte der Vorsitzende. Es gehe nicht nur um die Baugrundstücke, es müssten auch Straßen gebaut werden – so würden noch mehr Flächen versiegelt. Irgendwann fragten sich Frankenthaler Bauern möglicherweise, wo sie ihre Produkte noch anbauen sollen. Dass gegen das Gerichtsurteil, das Baupläne für ein Hotel in Bobenheim-Roxheim für nicht zulässig erklärt hatte, keine Rechtsmittel mehr eingelegt werden können, bewerten die Naturschützer als „schönen Erfolg“.

Auf eigenen Grundstücken in Weisenheim am Sand, Freinsheim und in Frankenthal können die Naturschützer Beckers Bericht zufolge ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen. Beim Mähen setze man auch Schafe ein, die einige Flächen beweideten, so der Vorsitzende. Dem mit Apfelbäumen bepflanzten Gelände in Freinsheim habe der Klimawandel zugesetzt. Viele der Gehölze seien eingegangen. Wegen Corona habe es 2021 keine Exkursionen gegeben. „Wir werden in diesem Jahr vorsichtig wieder anfangen“, versprach Becker.

Ein neues Projekt in Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden sei die Bekämpfung des Marmorkrebses, erläuterte Becker. Das sei eine sich selbst befruchtende Spezies mit enormen Vermehrungszahlen – eigentlich ein reines Aquariumstier, das sich nun in der freien Natur ausgebreitet habe. Neu sei zudem das Storchennest – das man gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk auf dem Nabu-Grundstück im Kleinen Wäldchen aufgestellt habe. Den neuen Vorstand des Nabu Frankenthal wählten die 18 stimmberechtigten Mitglieder per Online-Votum.

Vorstand

Vorsitzender: Manfred Becker; Stellvertreterin: Monika Kröber; Kassenwart: Björn Baumann; Schriftführer: Lukas Wogh, Naju-Sprecher: Simon Wittmann; Beisitzer: Elias Bentz, Monika Hahn, Rainer Schulze, Heiko Weissgerber und Jörn Weiß.

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