Frankenthal
Motivation und Gemeinschaft: Leon Stoiber bringt die Frankenthaler zum Laufen
Es ist kurz vor 19 Uhr am Strandbad. Man könnte meinen, dass es dort um diese Uhrzeit im Winter eher ruhig zugeht, doch schnell wird es zunehmend lebendiger. Die ersten Läufer sammeln sich, ziehen Trainingsjacken aus, schnüren die Laufschuhe und begrüßen sich. „Heute sind aber viele dabei“, freut sich Leon Stoiber, während er in die Runde schaut.
Den Auftakt bilden Dehnübungen zum Aufwärmen. Gleich danach setzen sich die rund 35 Teilnehmer in Bewegung. Was vor drei Wochen mit einem einfachen digitalen Aufruf begann, hat sich rasant entwickelt. Stoiber, 19 Jahre alt, wollte nach eigenen Worten vor allem eines: „Die Stadt zusammenbringen und Leute zum Sport motivieren.“ Sport sei schon immer seine Leidenschaft gewesen und Frankenthal liege ihm am Herzen. „Ich wollte einfach etwas für die Stadt machen“, erklärt er die Intention hinter der Idee zur Laufgruppe.
„Leon hat den Algorithmus durchgespielt“
Aus anfangs rund zehn Interessierten wurden innerhalb weniger Wochen mehr als 400 Mitglieder in einer Whatsapp-Gruppe. „Die Entwicklung übertraf alle Erwartungen“, sagt Stoiber. „Ich hatte gehofft, dass es gut ankommt, hätte aber niemals gedacht, dass es so schnell so groß wird.“ Videos auf Instagram und Tiktok verbreiteten sich rasant, ein erstes Video zum Start der Laufgruppe erreichte mehr als 100.000 Aufrufe. Eine Läuferin aus Worms bringt es während des Laufs lachend auf den Punkt: „Leon hat den Algorithmus durchgespielt.“
Das Grundprinzip der Gruppe ist einfach. Das Tempo richtet sich nach dem schwächsten Glied, niemand wird zurückgelassen. „Wir laufen gemeinsam“, betont Stoiber. Um unterschiedlichen Leistungsständen gerecht zu werden, gibt es verschiedene Angebote: Anfängerläufe über drei bis vier Kilometer, Läufe über zehn Kilometer für Fortgeschrittene und sogar Halbmarathon-Distanzen für besonders Ambitionierte.
„Sport und damit neue Leute kennenlernen“
Heute steht ein entspannter Lauf mit einer Länge von fünf Kilometern an, wobei die angepeilte Geschwindigkeit bei sieben Minuten pro Kilometer liegt. Während die Gruppe vom Strandbad aus in Richtung Stadt läuft, kommt man schnell ins Gespräch – über Berufe, Hobbys und über die nächsten sportlichen Ziele. Viele Autofahrer quittieren den Ehrgeiz der vor allem jungen Erwachsenen mit einem Hupen oder motivierenden Worten aus dem Fenster. Auch in der Stadt sorgt die Gruppe für Begeisterung. Es werden Videos gemacht, Passanten feuern die Sportler an. „Hört das überhaupt noch auf?“, fragt eine Frau beim Anblick der Gruppe und lacht, als sie auf dem Gehweg den Läufern Platz macht.
Viele der Mitläufer sind von Beginn an dabei. Alessandro etwa kennt Stoiber schon länger und verfolgte zunächst dessen Sportvideos. „Irgendwann kam der Aufruf für den ersten Lauf Ende Dezember“, erzählt er. Er ist somit seit der Geburtsstunde der Aktion fast jedes Mal dabei. „Sport und damit neue Leute kennenlernen“ laute sein Leitmotiv, sagt er. Besonders wichtig ist ihm, dass die Gruppe Menschen mitnehme, die sonst nicht alleine laufen würden. „Gerade im Dunkeln trauen sich viele nicht. In der Gruppe fällt jede Ausrede weg.“
Karim ist seit Tag vier dabei. Nach einer Verletzung habe er den Weg zurück zum Sport gesucht, erst beim Parkour, dann beim Laufen. „Ich merke, wie sehr mich das persönlich weiterbringt“, sagt er. „Hier motivieren sich alle gegenseitig“, berichtet Karim begeistert.
Bald will er 1000 Kilometer in 19 Tagen laufen
Stoiber selbst läuft meist vorne, blickt aber immer wieder zurück. Er wirkt fokussiert. Ehrgeizig und zielorientiert sei er, sagt auch seine Mutter, Michaela Stoiber, die „sehr stolz“ auf das Engagement ihres Sohnes ist und zum ersten Mal mitläuft. „Es ist sehr gut für alle anderen. Er motiviert unglaublich viele junge Leute.“
Dabei verfolgt der junge Mann selbst große Ziele. Seit rund zwei Monaten befindet er sich in einer intensiven Vorbereitungsphase. Wöchentlich läuft er rund 100 Kilometer, dazu kommt Krafttraining im Fitnessstudio. Im Frühjahr will Stoiber eine extreme Herausforderung angehen: 1000 Kilometer in 19 Tagen quer durch Deutschland, von Sylt bis ins Allgäu. Begleiten wird ihn dabei sein Großvater im Wohnmobil.
Trotz aller Ambitionen verliert er den Blick für das Hier und Jetzt nicht. Für die Laufgruppe wünscht er sich vor allem eines: Wachstum und Beständigkeit. „Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Leute dazukommen“, sagt er. Die Gemeinschaft stehe im Vordergrund.
Als die Gruppe samt RHEINPFALZ-Reporter nach rund 40 Minuten zum Strandbad zurückkehrt, wird geredet und gelacht. Genau das macht diesen Lauftreff aus. Eine Gruppe, die zeigt, dass man nicht viel braucht, um Menschen zusammenzubringen: einen Treffpunkt, ein gemeinsames Tempo und jemanden, der einfach losläuft.
Info
Die Laufgruppe trifft sich mehrmals pro Woche am Strandbad. Die aktuellen Startzeiten sowie die Länge der zu absolvierenden Strecke veröffentlicht Stoiber über seinen Instagram-Account @leon.stoiber. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 0179 7441438.


