Hochspeyer
Von ePA bis NFC: Digitalbotschafter Werner Hamm in der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn
Die digitale Welt ist eine grenzenlose. Die stetig neuen Nutzungsmöglichkeiten, aber auch die Gefahren wachsen – und die Fragen dazu nehmen kein Ende. Antworten geben unter anderem die mehr als 700 Digitalbotschafter in Rheinland-Pfalz. Werner Hamm ist einer von ihnen. Anfang 2024 startete er mit seiner 14-tägigen Sprechstunde in den Räumen der Arbeiterwohlfahrt in Hochspeyer. Mittlerweile bietet er solche regelmäßigen Treffen in sieben der acht Dörfer der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn an.
Probleme mit der elektronischen Patientenakte
Dort, wo alles vor ziemlich genau zwei Jahren begann, hat sich eine recht konstante Gruppe etabliert. Einige nehmen seit dem ersten Tag teil, andere sind neu, „aber es sind eigentlich immer zwischen sieben und zehn Leuten da“, erzählt Hamm bei der Zusammenkunft Mitte Januar. Dabei muss er gleich anmerken, dass die Technik gerade versagt: Die Anwesenheitsliste könne nicht digital geführt werden. Daher wird auf das altbewährte Analoge umgestiegen, und jeder trägt sich auf einem großen Blatt Papier ein.
Während die Liste die Runde macht, begrüßt Hamm Ingrid Koch, die zum ersten Mal dabei ist. Sie habe Probleme mit der elektronischen Patientenakte (ePa): „Ich hab mir die Einrichtung von der Krankenkasse zeigen lassen, aber daheim hat’s dann doch nicht funktioniert.“ Der Digitalbotschafter räumt ein, dass es sich um ein sehr komplexes Thema handele. Seit vergangenem Jahr sei er dafür der richtige Ansprechpartner, weil er das Zertifikat als ePA-Coach habe. Allerdings sollte das aufgrund der hochsensiblen Daten – ebenso wie beispielsweise Onlinebanking – kein Gegenstand der Sprechstunde sein. „Da machen wir einen Termin für ein Vier-Augen-Gespräch aus.“
Jede Krankenkasse hat ihre eigene App
In der Pfalzbibliothek in Kaiserslautern, wo er ebenfalls Sprechstunden abhalte, werde er am 10. Februar speziell über die ePA informieren. Die digitale Akte sei eine gute Sache, findet Hamm. Ob bei Arztwechsel oder Unfall – jeder Mediziner wisse gleich Bescheid über den Patienten. „Den größten Vorteil haben diejenigen, die jetzt geboren werden, weil ihre Daten von der ersten Stunde an gespeichert werden“, erläutert Hamm. Ganz schlimm findet der 67-Jährige, dass jede Krankenkasse ihr eigenes Süppchen koche: „Keine App ist wie die andere.“ Wie es denn für Privatversicherte aussehe, will Armin Vogt wissen. „Die ePA war ursprünglich nur für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung angelegt, inzwischen wird sie von einigen privaten Kassen auch angeboten“, sagt Hamm.
Für sehr sinnvoll hält der Frankensteiner, der in seinem Wohnort im Gemeinderat mitwirkt und sich anderweitig unentgeltlich engagiert, den digitalen Personalausweis. Mit dem Dokument werde vieles einfacher, weil es übers Internet erledigt werden kann, beispielsweise die Anmeldung eines Autos oder die Übermittlung eines Rentenantrags. „Aber ist das nicht sehr riskant? Wenn ich alle Dokumente auf meinem Smartphone habe und es dann verliere?“, zeigt sich Ingrid Koch unsicher. Hamm beruhigt: „Niemand kann damit etwas anfangen. Wer es nutzen will, muss sich ja authentifizieren.“ Ob denn auch der Führerschein auf dem Handy gespeichert werden kann, wird gefragt. „Bislang nicht – soll aber kommen“, sagt Hamm.
Eigens ein NFC-fähiges Handy zugelegt
Karl Koch erzählt, dass er sich eigens ein neues Smartphone zugelegt habe, weil sein altes nicht NFC-fähig gewesen sei. Die Near Field Communication ermöglicht den Datenaustausch über sehr kurze Distanzen und kommt zum Beispiel beim kontaktlosen Bezahlen zum Einsatz. Eine Frau berichtet, dass sie ihr Handy immer aus der Hülle nehmen müsse, um NFC zu nutzen. Hamm nickt und erklärt: „Ja, gerade die Klapp-Etuis sind da oft ein Hindernis.“ Manchmal ist so eine Barriere aber auch von Vorteil: Um Bankkarten vor unbefugtem Auslesen zu schützen, gebe es spezielle Hüllen, beantwortet der Digitalbotschafter eine weitere Frage.
Warum er sich für dieses Ehrenamt entschieden hat? „Weil es mir Spaß macht und ich einen Sinn darin sehe“, sagt der Sanitärinstallateur, der zuletzt zehn Jahre lang in einer Landauer Klinik in der EDV gearbeitet hat. Sein Ziel: auch in Waldleiningen, dem letzten Dorf in der VG ohne sein Angebot, eine Sprechstunde zu etablieren. Karl Koch ist ein Teilnehmer der ersten Stunde und hat vor zu bleiben. „Man lernt immer wieder dazu“, erzählt der 79-Jährige. Angelika Schäfer (66) sagt, sie habe während ihres Berufslebens im Einzelhandel schon viel mit digitalen Medien zu tun gehabt. Hauptsächlich habe sie sich wegen ihres Mannes der Gruppe angeschlossen. Der habe nämlich nichts mit Computern am Hut. „Man ist doch aber gezwungen, sich damit zu beschäftigen“, stellt eine 82-Jährige klar. Leider fehlten ihr komplett die Grundbegriffe, sie wisse nicht einmal, ob sie eine E-Mail-Adresse habe. Neuzugang Ingrid Koch resümiert nach zwei Stunden: „Es gab hier sehr viel Info, und etliche Dinge wusste ich nicht.“ Auf jeden Fall werde sie wiederkommen.
Termine
Die nächsten Sprechstunden des Digitalbotschafters in Hochspeyer sind am 28. Januar und am 11. Februar, jeweils ab 10 Uhr.
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