Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Internist: Ohne Impfpflicht wird es noch mehr Tote geben

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Drei bis vier Intensivpatienten: Mehr ist in der Stadtklinik angesichts der Personalsituation aus Sicht der Verantwortlichen nicht zu leisten.

Bis Frühjahr werden wir in Deutschland eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus erreicht haben. Das sagt Klinikarzt Volker Ohler. Der Preis dafür: weitere Tote. Aus der Pandemie gibt es für den kommissarischen Leiter der Inneren Medizin deshalb nur einen vernünftigen Weg: die Impfpflicht.

Ungeimpft und vergleichsweise jung sind die Intensivpatienten, die das Team der Stadtklinik im Moment betreut. Drei Covid-19-Kranke sind es gerade, weitere drei Patienten mit weniger schweren Krankheitsverläufen liegen auf der eigens eingerichteten Covid-Station. Damit sei auf der Intensivstation bereits das Limit erreicht, das mit dem vorhandenen Personal zu leisten sei, sagt Ohler. Auf der Covid-Station könnten bis zu 20 Menschen versorgt werden. Der erfahrene Mediziner rechnet damit, dass diese Betten im Laufe des Winters auch gebraucht werden.

Bereits jetzt müssten immer wieder Intensivpatienten an andere Krankenhäuser weiterverlegt werden. Grund dafür ist weniger das Fehlen von Betten und Technik, sondern – wie bundesweit – der Mangel an Pflegekräften. „Ohne Personal ist ein Intensivbett nur ein Möbelstück.“ Längst sucht die Stadtklinik nicht mehr nur in der Region intensivmedizinische Behandlungsplätze für Covid-Kranke. „Zuletzt haben wir einen Patienten in den Rhein-Main-Raum verlegt“, sagt der Klinikarzt. Unterstützung bei der Suche nach einem freien Platz, wie zu Beginn der Pandemie, als das Land eine Koordinierungsstelle für Intensivbetten eingerichtet hatte, gebe es inzwischen nicht mehr.

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Was braucht es denn noch?

Vier bis sechs Wochen auf der Intensivstation

Ein Grund für die knappe Intensivkapazität: Corona-Kranke bleiben oft vier bis sechs Wochen – und damit deutlich länger als bei anderen Viruserkrankungen. Ihre Lungen sind nachweisbar von Sars-CoV-2 befallen, sie brauchen Sauerstoff oder müssen beatmet werden. Lebenslange Schäden an der Lunge können die Folge der Infektion sein. Ob jemand schwer erkrankt, hänge maßgeblich von seinem Immunschutz aus. „Die Impfung macht den Unterschied“, betont Ohler. Er wolle sich nicht vorstellen, wie die Lage ohne einen solchen Wirkstoff wäre. Zu Beginn der Pandemie habe sich niemand träumen lassen, dass es so schnell einen so wirksamen und sicheren Impfstoff geben würde. Deshalb sagt der Arzt: „Mir fehlt jegliches Verständnis für Menschen, die sich nicht impfen lassen.“ Gerade auch deshalb, weil die derzeit verbreitete Deltavariante des Virus noch einmal wesentlich ansteckender sei. Es sei für das massiv belastete Personal der Stadtklinik sehr schwierig, das zum Teil wochenlang junge Leute pflege und sich frage, warum sich diese nicht haben impfen lassen.

Zu der Debatte über 2G, 3G oder 2G-plus hat Volker Ohler eine klare Haltung: „Das einzige, was uns weiterbringt, ist eine Impfpflicht.“ Dass jeder Dritte in Deutschland nicht geimpft ist, findet er erschreckend. Solange es keine bundesweite Impfquote von 90 Prozent gibt, geht Ohler davon aus, dass die Infektionszahlen weiter steigen. Weil zu wenige Menschen immunisiert sind, werde wohl bis zum Frühjahr eine Herdenimmunität durch Infektionen erreicht. „Aber der Preis wird hoch sein“, warnt Ohler. Und legt nach: „Wenn wir keine Impfpflicht bekommen, wird es noch mehr Tote geben.“

OP-Betrieb läuft annähernd normal weiter

Im Haus selbst gebe es einen hohen Anteil an geimpften Mitarbeitern. Seit Anfang September laufen außerdem die sogenannten Booster-Impfungen zur Auffrischung. Darüber hinaus Impfungen für Bürger anzubieten, wie es laut Gesundheitsministerium landesweit 18 Krankenhäuser tun, ist für die Stadtklinik kein Thema. „Wir haben 700 Mitarbeiter. Bis sie geimpft sind, haben wir genug zu tun“, sagt Internist Ohler. Zumal es für die Krankenhäuser dabei keine Unterstützung von außen, etwa durch das Land oder die Kassenärztliche Vereinigung, gebe. Alle Mitarbeiter, die nicht geimpft sind, werden täglich getestet. Auch das koste „viel Zeit und Geld“.

Trotz der steigenenden Infektionszahlen herrsche auf den übrigen Abteilungen „annähernd Normalbetrieb“, Operationen könnten wie geplant stattfinden. Ohler führt das auch auf das funktionierende Hygiene- und Testkonzept zurück. Die Corona-Task-Force der Stadtklinik tage mittlerweile wieder zweimal pro Woche, um die aktuelle Situation im Blick zu behalten.

Hat kein Verständnis für Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen: Internist Volker Ohler.
Hat kein Verständnis für Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen: Internist Volker Ohler.
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