Frankenthal
Stadtklinik: Gerüstet für Corona-Welle im Herbst
Viele sind in den Sommerferien verreist – auch in Länder, wo die Corona-Lage schon deutlich angespannter ist. Womit rechnen Sie: Bringen die Urlauber das Virus wieder zurück nach Deutschland?
Wir rechnen mit einer höheren Infektionsquote nach den Ferien. Allerdings nicht nur aufgrund von Reiserückkehrern. Schon das Infektionsgeschehen hier bei uns ist ausreichend, um die Zahlen ansteigen zu lassen. Die neue Virusvariante ist deutlich ansteckender.
Das zeigt sich auch daran, dass nach einer Phase der Erholung die Inzidenzen in der Region derzeit wieder leicht steigen. Spüren Sie das schon in der Stadtklinik?
Nein. Wir haben aktuell in der dritten Woche keinen Corona-Patienten im Haus. Allerdings: Die gleiche Situation hatten wir im Juni und Juli 2020 auch. Die Welle kam dann ab Ende Oktober.
Erwarten Sie das in diesem Jahr wieder?
Wir rechnen damit und wir bereiten uns vor. Es wäre allerdings unseriös, zu sagen: Es wird wieder so kommen. Wir hoffen, dass wir durch die steigende Anzahl der Geimpften weniger Krankenhausfälle bekommen.
Wie sehen diese Vorbereitungen aus?
Wir sind im Vergleich zu 2020 baulich und personell besser vorbereitet. Unsere Infektionsstation mit derzeit zwölf Betten wird beispielsweise auf jeden Fall bis Ende des Jahres aufrechterhalten, und auch die Intensivstation hält nach wie vor 20 Prozent ihrer Betten für Corona-Patienten frei. Das alles mussten wir letztes Jahr ja erst aufbauen.
Und personell?
Es gab vermehrt Hygieneschulungen, wir haben genügend Schutzausrüstung, das Personal ist zum eigenen Schutz und zum Schutz der Patienten gut vorbereitet. Und wir haben schlicht mehr Erfahrung im Umgang mit Covid-Patienten. Außerdem sind 90 Prozent unserer Mitarbeiter geimpft.
Das ist eine hohe Quote. Der Geschäftsführer des Klinikums in Ludwigshafen hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil er Angestellten, die sich nicht impfen lassen, mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht hat. Was halten Sie davon?
Wir hier in der Stadtklinik setzen auf Aufklärung und Überzeugungsarbeit. Mit 90 Prozent Impfquote – und zwar in allen Bereichen der Klinik – haben wir einen ausreichend hohen Schutz, sodass wir solche Maßnahmen nicht brauchen.
Die bislang beste Möglichkeit, sich zu schützen, ist die Impfung. Finden Sie es angesichts dessen richtig, wenn der gesellschaftliche Druck auf Nichtgeimpfte erhöht wird?
Der sicherste Schutz für die gesamte Gesellschaft ist, neben Maske tragen und Hygiene, tatsächlich momentan die Impfung. Deshalb appellieren wir an alle, sich impfen zu lassen. Eine hohe Impfquote ist der einzige Weg, hohe Belastungen im Gesundheitswesen zu vermeiden.
Ist es beispielsweise aus Ihrer Sicht richtig, wenn Nichtgeimpfte geforderte Schnelltests selbst zahlen sollen?
Wenn bestehende Impfangebote nicht wahrgenommen werden, dann muss der Einzelne dafür aufkommen, sich und die Gesellschaft zu schützen. Und ja: Das heißt dann eben, den Test selbst zu zahlen.
Ende Juni hat die Stadtklinik die Besuchsregeln gelockert. Trotzdem gibt es noch deutliche Beschränkungen. Haben Patienten und Angehörige aktuell noch Verständnis dafür?
Überwiegend ja. In Einzelfällen muss man die Gründe erklären. Wir achten beispielsweise darauf, dass nicht zu viele Menschen auf einmal zu lange in einem Patientenzimmer sind. Deshalb müssen Besucher sich anmelden und bekommen einen Termin von maximal einer Stunde.
Wie häufig wird das medizinische Personal getestet?
Für alle Mitarbeiter bieten wir das freiwillig zweimal pro Woche an.
Und was kostet das?
Vergangenes Jahr waren es rund zweitausend Euro pro Monat, aktuell sind es noch etwa 800 Euro.
Immer wieder mussten in den zurückliegenden eineinhalb Jahren geplante Eingriffe zurückstehen, um Intensivkapazität für Covid-Patienten vorzuhalten. Welche wirtschaftlichen Folgen hat das für die Stadtklinik?
Über die Freihaltepauschalen vom Land bekommen wir etwa 70 Prozent der ausgefallenen Erlöse, aber auch der Mehrausgaben beispielsweise für Schutzmaßnahmen ersetzt. Wir hatten jedoch zusätzlich erheblichen Mehraufwand beim Personal, wenn Mitarbeiter in Quarantäne waren, und Umsatzeinbußen im ambulanten Bereich. Etwa 30 Prozent der Einnahmen fehlen uns also tatsächlich.
Welche Konsequenzen hat das?
Wenn Einnahmen fehlen, wird das Jahresergebnis entsprechend schlechter. Wie sehr, können wir erst dann absehen, wenn wir wissen, inwieweit die Ausgleichszahlungen mit den Kassen verrechnet werden müssen.
Könnte das bedeuten, dass die Stadtklinik Angebote einschränken muss?
Nein, auf keinen Fall. Wir haben einen Versorgungsauftrag – und dem können und wollen wir auch gerecht werden.
Es heißt oft, die Corona-Krise deckt Schwachstellen auf. Welche waren das aus Ihrer Sicht im Gesundheitswesen?
Die Pandemie hat für mich gezeigt, wie notwendig eine langfristige Vernetzung der Gesundheitsdaten auch innerhalb der Gesundheitsanbieter ist. Wir müssen vorhandene Daten besser austauschen und Erkenntnisse gemeinsam auswerten. Der Austausch im Gesundheitswesen, zwischen stationärem und niedergelassenem Bereich und mit Behörden, der kann sicher noch verbessert werden. Da können wir uns auch in Sachen Digitalisierung noch deutlich besser aufstellen.
Und bei den Krankenhäusern?
Da hat die Krise eher gezeigt, wo wir gut sind. Die Zusammenarbeit zwischen allen Abteilungen, von der Medizin über die Pflege, der Technik bis hin zur Verwaltung, die Absprachen, wie schnell und gut man auf beinahe täglich neue Situationen reagiert hat: Das alles hat bewiesen, dass die Institution Krankenhaus und wir als Stadtklinik Frankenthal gut und flexibel aufgestellt sind.
Zur Person
Monika Röther (54) ist seit Mitte April kaufmännische Direktorin der Stadtklinik mit mehr als 700 Mitarbeitern und 320 Betten. Röther, die in Germersheim ihr Abitur machte, war zuletzt am Klinikum Ingolstadt kaufmännische Geschäftsführerin. Die erfahrene Managerin im Gesundheitswesen lebt im Landkreis Germersheim.