Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtklinik: Corona-Lage kann schnell kippen

„Wir stehen noch am Anfang der dritten Welle“, warnen Matthias Münch (links), Ärztlicher Direktor der Stadtklinik, und Daniel Ho
»Wir stehen noch am Anfang der dritten Welle«, warnen Matthias Münch (links), Ärztlicher Direktor der Stadtklinik, und Daniel Holl, Bereichsleiter Intensivstation.

Noch habe man die Pandemie-Situation an der Stadtklinik im Griff. Doch das könne sich schnell ändern, sagen Verantwortliche. Sie bitten deshalb eindringlich darum, weiter auf große Feiern zu verzichten. Ein Corona-Massenausbruch wäre auf der Intensivstation nicht zu stemmen. Und das liegt nicht zuerst an der Zahl der Betten.

Zwölf Intensivplätze gibt es in der Stadtklinik Frankenthal laut Plan. Genutzt werden zurzeit allerdings – solange es geht – maximal zehn. Nur so könne man die Pflege bieten, die den eigenen hohen Ansprüchen genüge, sagt Daniel Holl, Bereichsleiter der Intensivstation. Denn in Frankenthal fehlt, wie überall in Deutschland, gerade in den besonders anspruchsvollen Bereichen Pflegepersonal. „Der Markt ist bundesweit ausgedünnt. Mehr als ein Jahr Pandemie hat weiter für Abwanderungen gesorgt“, sagt Holl. Auch an der Stadtklinik war die Fluktuation laut dem Ärztlichen Direktor Matthias Münch in den zurückliegenden Monaten höher als üblich. „Mitarbeiter sagen mir: Ich kann nicht mehr.“ Acht der 33 Planstellen sind im Moment unbesetzt. Die Folge: Die übrigen Kollegen müssen Überstunden leisten und auf freie Zeiten verzichten. Zur Entlastung werden auch externe Kräfte eingesetzt. Und man versucht eben, nicht alle Betten zu belegen.

Gefahr: Schwere Krankheiten werden verschleppt

Doch das kann in der Corona-Pandemie ein Spiel auf Zeit sein. Um Weihnachten herum seien bis zu acht Covid-19-Patienten gleichzeitig intensivmedizinisch versorgt worden – zusätzlich zu anderen Schwerkranken. Denn neben den Infektionsfällen auf der Intensivabteilung und einer eigens eingerichteten Covid-Station mit 14 Betten läuft der Regelbetrieb weiter. Doch Patienten seien zurückhaltender, sagt Münch. „Die Gefahr, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder eine schwere Depression zu verschleppen, ist nicht zu unterschätzen“, warnt der Mediziner.

Noch müsse man in Frankenthal Patienten nicht an andere Häuser verweisen. Aber: „Wir stehen am Anfang der dritte Welle“, sagt Intensivpfleger Holl mit Blick auf steigende Infektionszahlen. Es sei deshalb wichtig, dass sich alle weiter an die Kontaktbeschränkungen hielten. „Wenn die Menschen unvernünftig sind, kann die Situation schnell kippen“, warnt Mediziner Münch. Der Anteil der jüngeren Patienten, die häufig ohne Vorerkrankung schwere Verläufe erleben, sei aktuell bereits höher. Der Grund ist aus Sicht von Münch die Ausbreitung der britischen Variante des Coronavirus. „Und viele ältere Menschen sind bereits geimpft.“ Die Immunisierung müsse dringend weiter vorangetrieben werden, fordert Holl.

Pfleger einziger Kontakt der Corona-Patienten

Nur so könnte das Pflegepersonal, das seit Monaten mit der Pandemie kämpft, entlastet werden. Die Arbeit auf der Intensivstation ist sowieso immer fordernd. Bei Corona-Infektionen steigt die körperliche und psychische Belastung noch einmal, etwa durch die hohe Zahl der Bauchlagen und die Isolation. Die Pflege der Covid-Patienten ist dadurch deutlich zeitaufwendiger. Weil vor jedem Kontakt eine komplette Schutzausrüstung angelegt wird, müsse man alle Arbeiten genau planen. „Wenn man erst mal im Zimmer ist, dann ist man ziemlich lange drin“, sagt der erfahrene Pfleger.

Für die Covid-Patienten sei die Pflegekraft der einzige soziale Kontakt. Immer wieder hören Holl und sein Team, wie wichtig sie für die Motivation und Begleitung auf dem Weg der Genesung sind. Nicht zuletzt solche Rückmeldungen sorgen dafür, dass der junge Mann, der seit seiner Ausbildung an der Stadtklinik arbeitet und seit 2007 auf der Intensivstation eingesetzt ist, seine Arbeit liebt. „Es ist kein einfacher Job, aber man kann sich persönlich und beruflich toll weiterentwickeln“, findet der junge Mann, der ausdrücklich das gute kollegiale Miteinander lobt. Holl hofft, dass das künftig noch mehr Berufssuchende so sehen. Denn: „Platz und Maschinen sind da – die Personalkapazität ist endlich“, sagt der Ärztliche Direktor Münch.

Covid-19: Aktuelle Belegung der Stadtklinik

Am Freitag waren neun der zehn aufgrund der Personalsituation verfügbaren Intensivplätze an der Stadtklinik Frankenthal belegt, vier davon mit Corona-Patienten. Auf der eigens eingerichteten Covid-Station im Bereich der Inneren Medizin wurden sieben Kranke versorgt. Bei einer Kapazität von 14 Betten, im Extremfall auch mehr, spricht Matthias Münch, Ärztlicher Direktor, hier aktuell von einer „moderaten“ Auslastung.

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