Frankenthal
Dürre und Fluten: Wie die Stadtwerke die Wasserversorgung garantieren wollen
Die Bezeichnung „Jahrhunderthochwasser“ hat ihren Superlativ mittlerweile eingebüßt. 2024 hat es in der Vorderpfalz gefühlt so viel geregnet wie seit Jahren nicht mehr. Von Überflutungen ist Frankenthal zwar verschont geblieben, wenn auch – wie an Fronleichnam – nur knapp. Die verheerenden Schäden vor dreieinhalb Jahren im Ahrtal oder die großflächigen Überschwemmungen vor gut einem Jahr in Niedersachsen stehen noch lebhaft vor Augen. Wenige Jahre zuvor noch ein ganz anderes Bild: Nach 2018 trockneten Böden immer tiefer aus, Quellen versiegten, die Waldbrandgefahr stieg auch für den Pfälzerwald. Diese langanhaltende Dürre befeuerte auch Diskussionen über die Versorgungssicherheit mit Wasser in der Region.
Die Frankenthaler Stadtwerke könnten sich zurücklehnen. Von den Hängen der Haardt fließt Niederschlag in einem kontinuierlichen Strom in Richtung Rhein und versickert auf dem Weg dorthin weiter in ausreichendem und zuverlässigem Maß in Grundwasserleiter, um vom Wasserversorger für die hiesigen Haushalte zuverlässig aus den Tiefen geschöpft zu werden. Bis zu 5000 Jahre alt ist das Frankenthaler geförderte Grundwasser, gesünder und klarer geht’s nicht, kommt Stadtwerke-Geschäftsführer Volkmar Langefeld ein ums andere Mal ins Schwärmen. Aber es fehlt eben in einem zunehmend kritischen Maß schon wenige Kilometer weiter westlich im Leiningerland.
Austausch mit Ludwigshafen
Und doch geben die Wetterextreme und der Klimawandel auch Langefeld und seinen für die Wasserversorgung verantwortlichen Mitarbeitern zu denken: Ist diese perspektivisch an Ort und Stelle gesichert? Konkret tüfteln gleich sieben Versorger in der Region über Wege beziehungsweise Leitungen zu einer engeren Kooperation für den Wasseraustausch im Ernstfall. Im kleinen Maßstab wird diese bereits praktiziert, etwa zwischen Frankenthal und Ludwigshafen. Im Bedarfsfall, wenn der Wasserdruck unter ein kritisches Maß gefallen ist, öffnet sich ein Schieber an der Stadtgrenze zu Ludwigshafen. Über eine Station können dort bei Bedarf mehrere Hundert Kubikmeter Wasser gefördert werden. „Über diesen Notverbund können wir Frankenthal für einige Stunden komplett versorgen, ohne dass der Bürger davon Notiz nimmt“, erklärt eine Sprecherin der Technischen Werken Ludwigshafen (TWL) auf Anfrage. In umgekehrter Richtung könnten die Stadtwerke in der Großstadt mit bis zu 400 Kubikmeter aushelfen.
„Die Wässer der umliegenden Wasserversorgungsunternehmen können gemischt werden“, erläutern Andreas Gabriel, Technik-Bereichsleiter bei den Stadtwerken, und Tim Gelbach, zuständig für das technische Management der Rohrnetze. Sie wollen für gleich mehrere Worst-Case-Szenarien gewappnet sein. Zum Beispiel verunreinigte Brunnen nach einem Dammbruch infolge von Rhein-Hochwasser. Drei neue Brunnen wurden bereits erhöht. In Zukunft werden alle zehn Versorgungsbrunnen, vier davon nördlich der A6, schrittweise ebenfalls ertüchtigt, um einer Überschwemmung und Verkeimung zuvorzukommen. Bis dahin muss dieses Risiko einkalkuliert und gegebenenfalls abgefedert werden. Zwei neue Brunnen sind aktuell in der Planung, weil ihre teils versandeten Vorgängermodelle nach gut 60 Jahren Betriebsdauer ausgedient haben.
Wachsender Bedarf im Römig
Zweite Herausforderung: der absehbare steigende Wasser- und Energiebedarf mit der Erweiterung des Industriegebiets am Römig. Prognosen der Stadtwerke gehen allein von bis zu 50 Prozent mehr Strombedarf aus, für die geplanten Logistik-, Produktions- und Großhandelsflächen auf rund 20 Hektar neben Kartoffel Kuhn und dem BASF-Zentrallager, aber auch für die südlichen Frankenthaler Stadtteile. Drittens sind die Stadtwerke Partner in einem regionalen Verbundnetz, das letztlich zum Ziel hat, das immer trockener werdende Leiningerland rund um Grünstadt nicht auf dem Trockenen sitzen zu lassen.
Einer der Lückenschlüsse im verfeinerten Verbund-Leitungsnetz führt an dieser Trasse vorbei und verbindet an der Schnittstelle Römig/Ruchheim/Maxdorf die Stadtwerke Frankenthal mit den TWL und dem Zweckverband Wasserversorgung Friedelsheimer Gruppe (der den größten Teil des Rhein-Pfalz-Kreises versorgt). Die Wasser-Pipeline mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern wird wohl zwei Kilometer lang sein, 1,2 davon auf Frankenthaler Gelände. Geschätzte Kosten: ein bis zwei Millionen Euro. Mit diesem neuen Notverbund könnte Wasser in ein paar Jahren aus der Vorderpfalz bis nach Grünstadt gefördert werden. Und ein zusätzlicher Abzweig könnte in Richtung erweitertes Römig-Areal beziehungsweise Süd-Frankenthal gelegt werden.
Pläne für neues Wasserwerk
Bei diesen Investitionen wird es für die Stadtwerke nicht bleiben. Für ein weitaus größeres Joint Venture sind die Stadtwerke im ersten, angelaufenen Schritt, einer Machbarkeitsstudie, zwar nur mit ein paar Tausend Euro dabei. Aber wenn – in frühestens fünf Jahren – zwischen Otterstadt und Waldsee daraus tatsächlich ein Verbundwasserwerk für die sieben Partner in der Vorderpfalz entstehen sollte, wird das einen zweistelligen Millionenbetrag verschlungen haben.
Das geplante Grundlast-Wasserwerk soll sich aus Uferfiltrat des Rheins speisen, dessen Trinkqualität sei nach einer Behandlung gegeben, versichern die TWL. Das oberflächennahe Wasser soll im neuen Werk aufbereitet und in frühestens fünf Jahren über ein auszubauendes Leitungsnetz zu den Partnern in einem neuen Zweckverband gepumpt werden. Die Folge: Die weiter westlich schwankende Ressource Grundwasser wird geschont, die Resilienz der Wasserversorgung in der Region wird insgesamt gestärkt.
Realistischerweise können die Versorger Rheinwasser in zehn Jahren schmackhaft machen. Die Frankenthaler Stadtwerke verfügen für die Eigenversorgung über ihr eigenes Wasserwerk zwischen der Wormser Straße und Mörsch. „Aber so kleinteilig können und wollen wir nicht mehr denken“, unterstreicht Gabriel. Weder mit Blick auf neue Großkunden auf eigenem Territorium, wie etwa am Römig, noch als regionale Kooperationspartner im Verbund der kommunalen Stadtwerke. „Auch wir könnten schnell die Leidtragenden und auf solidarische Lieferungen angewiesen sein“, erläutert Gabriel mit Blick auf die Kollegen im höher gelegenen Leiningerland, denen Hitzesommer und anhaltende Dürren tendenziell stärker zusetzen. „Umgekehrt könnte uns ein Hochwasser, das in unsere Brunnen eindringt und sie verunreinigt, empfindlich zusetzen“, verteidigt er den Ringschluss. So kann beim Vorderpfälzer Wassermanagement eine Hand die andere waschen.