Frankenthal / Heßheim
Computertruhe: Altgeräte spenden, digitale Chancen schenken
In einer zunehmend digitalisierten Welt ist auch in Frankenthal der Zugang zu Computern und Internet nicht mehr nur ein Komfort, sondern eine grundlegende Voraussetzung für Bildung, Arbeitssuche, soziale Teilhabe und die Kommunikation mit Behörden. Doch genau dieser Zugang ist vielen finanziell schwachen Menschen in Deutschland verwehrt.
Hier setzt das bundesweit agierende, gemeinnützige Projekt Computertruhe an: Es schließt die digitale Lücke, indem es ausrangierte, aber funktionstüchtige digitale Geräte sammelt, sie professionell aufbereitet und kostenlos an Bedürftige sowie gemeinnützige Organisationen weitergibt.
Ursprung in Flüchtlingshilfe
Die Initiative entstand im April 2015 aus der Flüchtlingshilfe der Elzpiraten in Waldkirch im Breisgau. Die anfängliche Idee, gespendete Computer für die Integration nutzbar zu machen, führte im Juni 2016 zur Gründung der Computertruhe.
Das Ziel der Computertruhe ist über die Jahre unverändert geblieben. Menschen, die sich keinen eigenen Rechner leisten können, darunter Geflüchtete, Bürgergeldempfänger, aber auch kleine gemeinnützige Einrichtungen, sollen Zugang zu zeitgemäßer und funktionierender Technologie erhalten. Gleichzeitig will das Projekt die Umwelt schützen, indem es Elektroschrott vermeidet und die Lebensdauer der Geräte verlängert.
Jetzt auch im Raum Frankenthal
Die Initiative ist jetzt auch im Raum Frankenthal angekommen. Seit Kurzem wird sie durch Reiner Damm aus Heßheim vertreten. Er ist damit der erste Ehrenamtliche auf linksrheinischer Seite. Insgesamt zählt der Verein bundesweit rund 200 bis 250 Mitglieder, wovon etwa zwölf der Regionalgruppe Rhein-Neckar angehören.
Mehr aus Frankenthal
Weihnachtsfeier für Alleinstehende: Wenn sich die Herzen öffnen
Christkind bringt Rian: An Heiligabend wird ein „kleiner König“ geboren
Reportage: Mit dem Blaulichtumzug durch das Frankenthaler Umland
Was man beachten muss
Der Prozess beginnt mit einer Spende. Gesucht werden vor allem Laptops, aber auch Desktoprechner, Flachbildschirme, Smartphones und Tablets. Letztere sollten idealerweise Applegeräte sein, da diese „das Draufspielen der Software noch zulassen“, erklärt Damm. „Die Geräte sollten außerdem nicht älter als zehn Jahre sein und mindestens einen 64-Bit-Prozessor sowie vier GB RAM besitzen.“ Auch Zubehör wie Tastaturen und Mäuse können gespendet werden.
Bei der anschließenden Aufbereitung werden die restlichen Daten, die sich noch auf den Geräten befinden, professionell und unwiderruflich gelöscht, bevor die Geräte gereinigt, repariert und aufgerüstet werden. Dabei wird bei Computern das Betriebssystem Linux Mint sowie kostenlose Software für Internet, Büroarbeiten sowie das Abspielen von Audio- und Videodateien installiert.
Hohe Nachfrage, lange Wartezeiten
Das Spenden und die Vergabe der aufbereiteten Geräte laufen über die Website des Vereins. Bedürftige müssen ihre Berechtigung durch einen aktuellen Sozialleistungsbescheid oder einen Flüchtlingsstatus nachweisen, gemeinnützige Einrichtungen benötigen einen Freistellungsbescheid.
„Die Nachfrage ist aktuell deutlich höher als die Zahl der aufbereiteten Geräte“, erklärt Damm. Deshalb werden Wartelisten geführt. „Die Wartezeit kann je nach Gerätetyp und Anforderung zwischen einem Viertel- und einem halben Jahr betragen“, sagt Damm. Die Übergabe erfolge meist persönlich, in Ausnahmefällen sei auch ein Versand möglich.
Hilfe dringend gesucht
Der Verein ist dringend auf der Suche nach Spenden und Helfern, um die hohe Nachfrage besser bewältigen zu können. Die Arbeit wird, wie bei Damm, größtenteils von zu Hause aus organisiert. „Unsere Mitglieder nutzen ein internes Ticketsystem zur Koordination der Abholung von Spenden in der Nähe.“ Für ein Engagement ist nicht zwingend IT-Fachwissen erforderlich. „Für die technische Aufbereitung der Geräte bietet der Verein Schulungen an“, sagt Damm.
Wichtige Aufgaben sind neben der Abholung von Spenden auch die Unterstützung bei der internen Vereinsarbeit. Wer die Initiative unterstützen möchte, kann dies auch durch eine Mitgliedschaft für 24 Euro jährlich tun. Alternativ sind Geldspenden zur Finanzierung der Mieten von Lagerräumen oder Ersatzteilen willkommen.
Info
Wer mehr über die Arbeit der Computertruhe erfahren oder sich direkt engagieren möchte, findet alle Informationen im Internet unter www.computertruhe.de. Reiner Damm ist zudem per E-Mail an reiner.damm@computertruhe.de zu erreichen.


