Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Zu verschenken: Riesiges Hornissennest auf Dachboden entdeckt

Hornissennest bei Emil Reinhart auf dem Dachboden: Man muss sich hinlegen, um das Nest richtig sehen zu können. Reinhart legt de
Hornissennest bei Emil Reinhart auf dem Dachboden: Man muss sich hinlegen, um das Nest richtig sehen zu können. Reinhart legt den Maßstab an: Das Nest ist fast genau einen Meter lang.

Emil Reinhart hat vor kurzem auf seinem Dachboden ein verlassenes, fast einen Meter großes Hornissennest entdeckt. Jetzt würde er das Nest gerne verschenken.

Menschen aus Kirchheimbolanden und Umgebung dürfte das Haus von Emil und Sigrid Reinhart noch ein Begriff sein: Viele Jahre lang betrieb das Ehepaar in dem Chalet im alpenländischen Stil das beliebte „Café Vogelgesang“. Den Cafébetrieb haben Reinharts aus Altersgründen längst eingestellt, doch das Haus selbst nutzen sie als ihren Altersruhesitz – samt Garten mit Teichen und Obstbäumen und einer grandiosen Aussicht. Und neuerdings auch samt einem Hornissennest.

Um es zu bewundern, muss man auf den Dachboden steigen. Ganz hinten drückt sich das Nest in eine dunkle Ecke. Reinhart hat eigens eine Lampe mit langem Kabel hochgebracht, damit man auch etwas sieht. Und da ist es: Vom Dachbalken hängt das beigefarbene papierartige Gebilde bis auf den Boden herab und krümmt sich dann noch gut einen Meter zur Seite, wie Reinhart durch Anlegen eines Metermaßes zeigt. Zum Messen muss er sich auf den Boden legen.

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Durch diese winzige Öffnung sind die Hornissen wohl nach draußen gelangt.
Durch diese winzige Öffnung sind die Hornissen wohl nach draußen gelangt.

Normalerweise hätte Reinhart das Nest gar nicht so schnell entdeckt. „Der Kaminfeger hat mich hochgerufen und gesagt ,gucken Sie mal, was da hinten ist!’ Zunächst dachten wir, es sei eine abgefallene Folie von der Dachabdichtung. Erst auf den zweiten Blick haben wir gesehen, dass das ein Nest war.“ Reinhart rief daraufhin bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd an, um sich sagen zu lassen, was denn nun zu tun sei mit dem Nest. „Im ersten Moment hatte ich befürchtet, dass es sich um die Asiatische Hornisse handeln könnte.“

Vielleicht hat ja jemand Interesse daran, es zu bergen und vielleicht als Ausstellungsstück irgendwo zu präsentieren.

– Emil Reinhart

Die Behörde konnte Reinhart jedoch schnell beruhigen: „Mir wurde versichert, dass die Asiatische Hornisse ihre Nester in Bäumen und Büschen baut, ich müsse mir keine Sorgen machen.“ Die Jungköniginnen seien ohnehin ausgeflogen, das Volk, wie üblich, gestorben. Weil die Behausung nun leer sei, könne er sie getrost entsorgen. „Ich wollte das Nest aber nicht zerstören“, sagt Reinhart. Stattdessen würde er es gerne verschenken. „Vielleicht hat ja jemand Interesse daran, es zu bergen und vielleicht als Ausstellungsstück irgendwo zu präsentieren.“ Reinhart denkt hier beispielsweise an Museen, Schulen oder Naturkundeausstellungen.

Asiatische Hornisse frisst Honigbienen

„Bei der SGD wurde mir gesagt, dass diese Hornissen – anders als ihre asiatischen Verwandten – ungefährlich und wenig aggressiv sind“, erzählt Reinhart weiter. „Das passt zu meiner eigenen Erfahrung“, fügt er hinzu: „Die müssen ja in diesem Jahr sehr aktiv gewesen sein, wir sind aber in keinster Weise belästigt worden. Ab und zu sind mal welche herumgeflogen, besonders im Herbst, da sind sie ans Obst gegangen und haben die Pfirsiche angefressen – aber das ist halt Natur. Damit hab ich kein Problem.“

Die Europäische Hornisse befindet sich auf der Roten Liste der gefährdeten Arten – und ist somit streng geschützt. Laut Naturschutzbund Nabu ist sie das größte staatenbildende Insekt Mitteleuropas, wirkt aufgrund ihres imposanten Erscheinungsbildes oft bedrohlich, ist für den Menschen in der Regel jedoch wenig gefährlich. Aggressiv wird sie fast nur, wenn sie als Individuum in Bedrängnis gerät oder ihr Nest verteidigt. Auch die Asiatische Hornisse ist laut Nabu für Menschen eigentlich keine Bedrohung. Allerdings basiert ihre Ernährung vornehmlich auf den hier so nützlichen und wichtigen Honigbienen, weshalb sie von der EU auf die Liste der invasiven Arten von europaweiter Bedeutung gesetzt wurde. Um das Jahr 2004 gelangte sie aus Ostasien – vermutlich mit Importwaren – nach Südfrankreich und breitet sich seitdem rasant aus. In Deutschland ist sie etwa 2014 angekommen.

 Hier zeigt Reinhart, wo die Hornissen wahrscheinlich nach draußen gelangt sind.
Hier zeigt Reinhart, wo die Hornissen wahrscheinlich nach draußen gelangt sind.

Wie der Nabu auf seiner Website ausführlich beschreibt, beginnt die Entwicklung der Hornissen im Frühjahr, wenn die aus der Überwinterung erwachte Königin aus zerkautem, morschen Holz und Speichel ein Nest errichtet. Dieses besteht aus Waben, die von einer papierartigen, mehrschichtigen Hülle mit breiten Lufttaschen umgeben sind. Hier zieht die Königin die erste Generation von Arbeiterinnen auf, die dann die weitere Versorgung des Nests und dessen Ausbau übernehmen. Die Königin bleibt dann im Nest und legt nur noch Eier. Im August schlüpfen die nächsten Jungköniginnen, paaren sich und sichern sich einen Platz zum Überwintern. Die alte Königin wird derweil von den Arbeiterinnen vernachlässigt, bis sie das Nest zum Sterben verlässt. Auch die übrigen Hornissen sterben. Die Jungköniginnen verwenden im darauffolgenden Jahr nie das alte Nest – vermutlich, um möglichen Parasiten zu entgehen. Oft wird jedoch der gleiche Standort wiederholt aufgesucht.

Reinhart hätte nichts dagegen, wenn sie sich unter seinem Dach wieder ein gemütliches Plätzchen suchen würden. „Es ist ja groß genug, die Königinnen sind hier in der Nähe, haben auch gute Lebensbedingungen. Ich hoffe tatsächlich, dass sie hierbleiben und sich vermehren.“

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