Donnersberger Echo
Wie viel Öffnungszeiten verträgt Kirchheimbolanden?
„Kirchheimbolanden ist ja eigentlich ein wirklich schönes Städtchen“, haben Besucher aus anderen Teilen der Pfalz diese Woche zu mir gesagt. Damit haben sie zweifelsohne Recht. Die Gruppe setzte sich aus Frauen und Männern aus den verschiedensten Teilen der Pfalz zusammen, alle wohnen sie in größeren Städten. Auf dem städtischen Mobiliar am Römerplatz sitzend, beobachteten sie am frühen Nachmittag die Fußgängerzone und fragten sich: „Aber warum ist denn hier so gut wie niemand unterwegs?“ Wobei der eine oder andere sich erinnerte, die Stadt bei vorherigen Besuchen auch schon deutlich leerer gesehen zu haben.
Nun, zum einen ist die Innenstadt ja tatsächlich schon wieder deutlich belebter, habe ich ihnen berichtet. Denn nachdem zu Hochzeiten der Pandemie überall tote Hose geherrscht hatte, hat es im Anschluss in Kibo tatsächlich extrem lange gedauert, bis sich die Innenstadt wenigstens so ein bisschen wieder gefüllt hat. Das mag auch damit zusammenhängen, dass eine ganze Menge an Geschäften – teils aus unmittelbaren Corona-Folgen – hatte aufgeben müssen.
Grundstein für Innenstadtentwicklung ist gelegt
An dieser Stelle aber, und das ist ein zweiter Aspekt, hat sich die Lage ja doch etwas entspannt. Vor allem bei der Gastronomie hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan, und auch in Sachen Einzelhandel steht ja nun doch ein bisschen was in den Startlöchern. Gespannt darf man erwarten, was denn nun beim Projekt Innenstadtbelebung herauskommt, das im Mai mit einem Rundgang von 50 Teilnehmern aus Gastronomie, Hotellerie, Medizin, Gewerbe und Stadtrat sowie einer Beratungsagentur gestartet war.
Eine kleine Diskussion entspann sich dann mit den bereits angesprochenen Redaktionsgästen in dieser Woche zu den Öffnungszeiten in der Innenstadt. Ob es denn nicht sinnvoll wäre, diese auszuweiten und an die modernen Lebensverhältnisse anzupassen. Mittagspausen im Einzelhandel? Restaurants, die um 14 Uhr die letzte Bestellung aufnehmen und dann erst wieder am Abend öffnen? In Kaiserslautern, Ludwigshafen oder Landau undenkbar. Gerade in Zeiten, in denen die Kunden daran gewöhnt sind, sich Produkte ebenso wie ihr Essen rund um die Uhr zu bestellen.
Wenn man potenzielle Käufer dazu bewegen will, statt in der App lieber direkt im Laden zu kaufen, muss man ihnen dann nicht möglichst große Zeitfenster dafür einräumen? Bestellt derjenige, der ein paar Tage darauf warten muss, dass die Öffnungszeiten zu seinem Terminkalender passen, nicht der Einfachheit halber dann doch wieder im Internet?
Keiner oder alle oder doch jeder, wie er will
So richtig einig sind wir uns nicht geworden. Denn während mancher diese Fragen mit eindeutigem Ja beantwortete, gab es auch den Einwand, dass Kirchheimbolanden halt eine Wohnstadt und keine Arbeitsstadt sei – „wer soll denn da unbedingt in der Mittagspause shoppen wollen?“ Und gleich auf diesen Einwand wiederum die Anmerkung, dass es in der Kleinen Residenz natürlich sehr wohl auch eine stattliche Anzahl an Arbeitsplätzen gibt. Kurzum: ein komplexes und alles andere als einfaches Thema.
Am Ende bleibt es ja auch jedem Geschäftsinhaber und Gastronomen selbst vorbehalten, über seine Öffnungszeiten zu entscheiden. In Kibo wie auch anderswo. Ausgedehnte Öffnungszeiten bedeuten womöglich einen Mehrbedarf an Personal. Ausgedehnte Öffnungszeiten bedeuten womöglich mehr Umsatz für den einzelnen Geschäftsinhaber. In der Summe stellt sich die Frage: Für wen könnte sich das auszahlen, für wen nicht? Aber: Jetzt, wo man das Thema Innenstadtentwicklung aktiv angehen will, dürfen – nein, sollten – diese Fragen durchaus gemeinsam diskutiert werden. Denn eine nachhaltige Innenstadtentwicklung funktioniert nur dann, wenn alle an einem Strang ziehen.