Bischheim
Wie hoch das neue Bindewald-Silo tatsächlich werden soll
Jochen Bindewald weiß, dass die geplante Silo-Erweiterung an der Kupfermühle, direkt bei der Bischheimer Ortslage, vom einen oder anderen Nachbarn mit Argusaugen verfolgt wird. Er ist nicht nur Geschäftsführer der Karl Bindewald GmbH, gemeinsam mit seinem Cousin Martin Bindewald, er ist auch Mitglied des Bischheimer Gemeinderats. Und hat dort schon zu mancher Nachfrage Stellung genommen. Jener Gemeinderat sei schon mit einigen Jahren Vorlauf über die Erweiterungspläne informiert worden. Denn es gehe nur miteinander, sagt Jochen Bindewald. „Wir wissen, dass wir nah dran sind am Ort“ – und ebenso wüssten die Bischheimer, „dass sie sich mit Fragen oder Problemen an uns wenden können“.
Weil das seit Jahren geplante Getreidesilo – direkt neben den bestehenden 50 Meter hohen Silos – die bisherigen Bauten um etliche Meter überragen sollte, hatte die Kreisverwaltung sich erbeten, dass ein Bebauungsplan aufgestellt wird. Dessen Erstellung, öffentliche Auslegung und ab und an notwendig gewordene Änderung beschäftigen Unternehmen wie Rat nun schon seit einigen Jahren. Nun die Wende: So schnell wird es gar kein Speicherbauwerk geben, das 15 oder 25 Meter höher ausfällt als die bestehenden. Das haben Martin und Jochen Bindewald am Montag auf RHEINPFALZ-Nachfrage erklärt.
Produktionskapazität deutlich erweitert
Denn das seit 2020 geplante Getreidesilo – Türme aus Beton – hat in den Planungen der Firma erstmal weichen müssen. Stattdessen wird wenige Meter weiter östlich ein Mehlsilo entstehen, das laut Jochen Bindewald nur etwa so hoch werden wird wie die bereits existierenden Bauten.
Ein Fertigproduktlager statt eines Rohstofflagers also. „Vor vier Jahren waren wir überzeugt, dass das Getreidesilo der richtige Weg ist“, schildert Jochen Bindewald. „Es hat sich nichts daran geändert, dass wir etwas machen müssen am Standort, aber wohl mit einer anderen Lösung.“ Dass grundsätzlich mehr Lagerplatz gebraucht wird, daran besteht laut Martin Bindewald kein Zweifel – schließlich sei die Produktionskapazität in den vergangenen Jahren deutlich erhöht worden.
Silo am Wormser Hafen
Die Gründe für die Planänderung sind vielfältig. Da ist zum einen die ständige Analyse der Produktionsprozesse, gerade bei technischen Neuerungen oder – wie jetzt anstehend – verbunden mit einem Wechsel in der Leitung der Mühle. Man habe sich darauf verständigt, dass es den größeren Handlungsbedarf aktuell bei der Speicherung der Fertigprodukte gebe, erläutert Jochen Bindewald. Außerdem: Künftig betreibt das Unternehmen ein Getreidesilo am Wormser Hafen zusammen mit der Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main. Dafür haben Bindewald und Raiffeisen zuletzt eine gemeinsame Gesellschaft gegründet.
Die Bindewalds hoffen, dass der nun avisierte Bau des etwa 50 Meter hohen Mehlsilos noch im Jahr 2023 starten kann. Denn ein Zeitfenster von anderthalb Jahren müsse man bei einem solchen Spezialbau schon einplanen vom Spatenstich bis zur Inbetriebnahme. Rund 2500 Tonnen Mehl sollen gespeichert werden können – das zunächst geplante Getreidesilo hätte ein Fassungsvermögen von 30.000 Tonnen haben sollen.
Getreidesilo nicht vor 2026
Vom Tisch ist ein solcher Getreidespeicher noch nicht. Allerdings soll er nicht als Turm, sondern als Wellblechsilo konzipiert werden und damit deutlich niedriger ausfallen als die Bestandsgebäude: Höher als 40 Meter könne ein solches Bauvorhaben schon unter Statik-Gesichtspunkten nicht werden, sagt Jochen Bindewald.
Dieses Umdenken ist unter anderem den Preisentwicklungen in der Baubranche geschuldet. Dort haben Ukraine-Krieg, Lieferengpässe, Inflation und steigende Zinssätze in jüngster Vergangenheit schon so manchen Plan durcheinandergewirbelt – wie nicht nur jede Menge privater Bauherren haben erfahren müssen. Da scheint die Wellblechvariante doch besser kalkulierbar, wie Jochen Bindewald bekennt. Ohnehin gehe die Entwicklung derzeit hin „zu kleineren Einheiten“ bei den Speichern – ein weiterer Punkt, der für eine Bauweise in die Fläche statt in die Höhe spreche. Das Getreidesilo wird laut Bindewald aber bis 2026 kein Thema sein.