Börrstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie es in der Bunkeranlage von Börrstadt aussieht

16 Bunker sind auf der Bunkeranlage in Börrstadt verteilt.
16 Bunker sind auf der Bunkeranlage in Börrstadt verteilt.

Im Juni hat die Bunkeranlage Börrstadt für Aufmerksamkeit gesorgt, weil der Landesjagdverband Pläne geäußert hatte, dort eine große Schießanlage hinbauen zu wollen. Doch wie sieht die Bunkeranlage eigentlich aus?

Eine massive Zaunanlage, Stacheldraht, Betreten-verboten-Schilder. Wenn man durch Börrstadt in Richtung Sippersfeld fährt, rechts beim Sonnenhof abbiegt und bis ganz hinter in den Wald fährt, landet man an der alten Bunkeranlage. Von außen ist davon allerdings wenig zu sehen. Denn allzu groß sind die 16 Bunker, die hier auf einer recht großen Fläche verteilt sind, nicht.

Das Gelände hat schon immer dem Forst gehört, zwischenzeitlich war es aber an den Bund verpachtet, der hier die Bunker aufgestellt hat, um Munition zu lagern. „Die Anlage war auch bewacht, es handelte sich aber nicht um ein Hochsicherheitslager“, erzählt Lothar Runge, Forstamtsleiter im Donnersbergkreis. Die Rückgabe der Bunker erfolgte zwischen 1992 und 1994. Warum die Bunker damals nicht zurückgebaut wurde, kann Runge nicht mehr nachvollziehen.

Die ganze Bunkeranlage ist mit einer Zaunanlage gesichert.
Die ganze Bunkeranlage ist mit einer Zaunanlage gesichert.
Die Tore sind extra dick, da hier früher Munition gelagert wurde. Das sollte gegen Explosionen helfen.
Die Tore sind extra dick, da hier früher Munition gelagert wurde. Das sollte gegen Explosionen helfen.
Forstamtsleiter Lothar Runge zeigt den Kettenmechanismus zur Öffnung der Tore.
Forstamtsleiter Lothar Runge zeigt den Kettenmechanismus zur Öffnung der Tore.
Notfallschilder sind teilweise noch vorhanden.
Notfallschilder sind teilweise noch vorhanden.
Die Bunker werden heute zum Großteil als Lager genutzt.
Die Bunker werden heute zum Großteil als Lager genutzt.
Im Wald versteckt sind die Lüftungsschächte.
Im Wald versteckt sind die Lüftungsschächte.
Das Forstamt lagert auf dem Bunkergelände Bäume, die vom Borkenkäfer befallen sind.
Das Forstamt lagert auf dem Bunkergelände Bäume, die vom Borkenkäfer befallen sind.
Am Holzfraß in den Rinden kann man das gut erkennen.
Am Holzfraß in den Rinden kann man das gut erkennen.

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Strom gekappt

Wirft man einen Blick von oben auf das Gelände, zieht sich die asphaltierte Straße in diesem Bereich wie eine Acht mit einem kleineren und einem größeren Kreis durch das Waldgebiet. Die 16 Bunker sind vor allem an der mittleren Achse verteilt. Etwa alle 50 bis 60 Meter gibt es eine kleine Abzweigung, die zu den Bunkern führt. Der große Abstand ist kein Zufall, bei einer Explosion wären die anderen Bunker so weit genug entfernt gewesen.

Die Bunker sind allesamt baugleich mit einem Gewölbe, das mit Erde und Pflanzen bedeckt ist, weswegen als Erstes die großen grünen, schon etwas verrosteten Tore auffallen. Die Geländer wurden übrigens erst nachträglich vom Forst angebracht – aus Haftungsgründen, auch wenn eigentlich niemand das Gelände betreten darf. Im Wald entdeckt man die zu den Bunkern gehörenden Lüftungsschächte. „Die sind allerdings nicht in Betrieb, weil die Amerikaner mit der Aufgabe der Anlage den Strom gekappt haben“, erzählt Runge.

Nichts Empfindliches, nichts Wertvolles

Und was ist nun in den Bunkern? Verschiedenes, denn die meisten werden als Materiallager genutzt. In Bunker 14 hat ein Landwirt beispielsweise eine Menge Stroh gelagert, in einem anderen stehen ein Anhänger, Tonnen, Holz und andere Materialien, die der Forst benötigt. „Wir hatten hier auch mal Pyrotechnik drin oder Baumaterialien, als das Museum in Kibo umgebaut wurde“, berichtet Runge. Das Forstamt vermietet die Lager an Landwirte, aber auch an verschiedene Verbandsgemeinden, einen Teil nutzt es selbst. Mietverträge gibt es seit 1994.

Aufgrund der fehlenden Elektrik und Lüftung sei die Lagerung aber gar nicht so einfach. Schließt man die Tore, wird es in den Bunkern schnell feucht. „Wenn wir sie offenlassen, hatten wir leider schon Probleme mit Diebstählen“, sagt Runge über die Alternative. 2018 wurden zum Beispiel mit einem Anhänger ein Rasenmähertraktor, ein Quad, Laubbläser, Stromerzeuger und weitere Gegenstände entwendet, meldete die Polizei damals. Auch in den Vorjahren kam es laut Runge zu mehreren Vorfällen. „Deswegen lagern wir dort auch keine Maschinen und wertvollen Gegenstände mehr. Allgemein gilt, dass in die Bunker nichts Empfindliches oder Wertvolles gelagert werden sollte“, sagt Runge.

„Bunker“ für Borkenkäfer

Etwas anderes findet hier aber noch seinen Platz, nämlich eine ganze Menge Fichten und Tannen. Denn das Forstamt nutzt die Bunkeranlage noch zu einem besonderen Zweck: Dort werden alle borkenkäferbefallenen Bäume aus dem Donnersbergkreis gelagert. Das hat einen besonderen Grund. Borkenkäferarten wie der Buchdrucker befallen nur Nadelbäume, um die Bunker herum befinden sich aber ausschließlich Laubbäume. „Die Käfer schlüpfen und haben dann aber keinen Anlaufpunkt, um sich niederzulassen“, erklärt Runge.

Die Bunkeranlage in Börrstadt sorgte zuletzt für Aufsehen, weil der Landesjagdverband (LJV) im hinteren Bereich gerne einen Schießstand errichtet hätte. Nach der großen Gegenwehr im Ort rückte der LJV aber schnell wieder von diesen Plänen ab und sucht nun an anderer Stelle. Und wie geht es nun mit der Bunkeranlage weiter? „Wir werden die Fläche erst einmal weiter als Lager verwenden“, sagt Runge. Er sieht jedoch das Potenzial als Gewerbefläche, wenn jemand eine intelligente Lösung für eine Nutzung hätte, wäre das Forstamt offen für Vorschläge. Da demnächst im unteren Drittel der Anlage ein Windrad gebaut werden soll, wäre auch wieder Strom in die Nähe, so könnte die Fläche in Zukunft attraktiv sein. Runge geht aber davon aus, dass es mittelfristig erst einmal bei der Lagerhaltung bleibt.

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