Börrstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Schießstand erhitzt die Gemüter

Mehr als 150 Menschen wollten alles zur aktuellen Lage des geplanten Schießstands in Börrstadt wissen.
Mehr als 150 Menschen wollten alles zur aktuellen Lage des geplanten Schießstands in Börrstadt wissen.

Seit der Landesjagdverband im Mai seine Pläne für einen Schießstand vorgestellt hat, herrscht Unruhe in Börrstadt. Der Gemeinderat hat den Vorschlag scharf kritisiert, Einwohner fürchten um Natur und Erholung – stete Knallgeräusche im Dorf werden erwartet. Es gibt jedoch eine überraschende Wendung.

Zahlreiche Menschen aus Börrstadt, Sippersfeld und Breunigweiler waren am Donnerstagabend an der Gartenbahnanlage zusammengekommen. Der Grund: In und um einen Bunker auf dem Petersberg möchte der Landesjagdverband (LJV) eine Schießanlage für Ausbildungs- und Trainingseinheiten errichten. Dafür müssten bis zu 15 Hektar Wald eingezäunt und Bäume gerodet werden. Es sollen mehr als 20 verschiedene Bahnentypen und verschiedene Anlagen errichtet werden.

Weil es verschiedenste Gerüchte im Dorf gegeben habe, sollten mit der Veranstaltung alle Bürger auf den gleichen Informationsstand gebracht werden. Auch die Gründung einer Bürgerinitiative (BI) steht im Raum. Bislang gibt es laut Birgitta Kern – die zusammen mit neun weiteren Bürgern aus Börrstadt das Treffen organisiert hatte – eine Petition: Dort seien innerhalb von zwei Tagen 400 Unterschriften gesammelt worden. Bei der Infoveranstaltung standen sie, Ortsbürgermeister Torsten Windecker, die Ratsmitglieder Johannes Graf und Hubert Wolsiffer sowie Daniel Kern den Bürgern Rede und Antwort.

81 Ortsgemeinden angefragt

„Unser Ziel ist es, den Petersberg zu erhalten“, bekräftige Kern. „Er ist Teil der Gemeinde, wird zum Spazieren genutzt. Die Natur soll erhalten werden. Außerdem wollen wir Erholung für unseren Ort, weswegen wir die Pläne des Landesjagdverbands nicht einfach hinnehmen.“ Was den Bürgern am meisten missfiel: dass der Landesjagdverband sich nicht zuerst an die Gemeinde gewandt habe, bevor er Pläne für die Anlage in Börrstadt aufstellt. Allerdings bräuchte der LJV als anerkannter Naturschutzverband mit hoheitlichen Aufgaben auch nicht unbedingt das Einverständnis der Gemeinde, um den Schießstand zu errichten, erläuterte Hubert Wolsiffer aus der Ratssitzung, in der die Vertreter des Landesjagdverbands Thomas Weber, Frank Voigtländer und Sven Bischoff das Konzept vorgestellt hatten. In dem Vortrag sei unter anderem gesagt worden, dass der Lärm des Schießstandes durchaus in Börrstadt zu hören sei – die nächsten Häuser liegen 1,6 Kilometer entfernt – und es dort auch am Wochenende Betrieb gebe.

Nach der Ratssitzung gab es beider Kreisverwaltung einen sogenannten Scoping-Termin. Dabei wird mit allen Behörden und Ansprechpartnern besprochen, welche Unterlagen nötig sind, um ein Verfahren voranzubringen. Johannes Graf, der mit dabei war, berichtete, dass dort beschlossen worden sei, nun auch andere Möglichkeiten zu prüfen – schließlich sei das Votum in der Ratssitzung mehr als eindeutig gewesen. Der LJV hat laut stellvertretendem Geschäftsführer Frank Voigtländer ein Anforderungsprofil erstellt, dass jetzt an alle 81 Gemeinden im Kreis verschickt wurde. „Vielleicht gibt es ja irgendwo geeignete Flächen, zumal sich so eine Schießanlage auch wirtschaftlich lohnt“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer.

VG unterstützt

Ortsbürgermeister Torsten Windecker, der auch Vorsitzender der Kreisgruppe Donnersberg des LJV ist, betonte, dass nicht er den Vorschlag eingebracht habe, in Börrstadt eine große Schießanlage zu errichten – entgegen der Gerüchte, die es im Ort gegeben habe. Und er präsentierte eine überraschende Wende: Nach den Unmutsbekundungen des Rats und der Bevölkerung habe er versichert bekommen, dass gar nicht mehr geplant sei, die Schießanlage in Börrstadt zu errichten.

Dies bestätigte Rudolf Jacob, Bürgermeister der Verbandsgemeinde: Auch er habe von LJV-Geschäftsführer Sven Bischoff die Nachricht erhalten, dass kein Interesse mehr bestehe. Er sei „guter Dinge“, dass das Thema vom Tisch sei. „Die VG richtet sich auf jeden Fall nach dem Beschluss der Ortsgemeinde“, sagte Jacob. Mit verschiedenen Mitteln könne sie Börrstadt unterstützen. Auch Sonja Schäfer-Reisch, eine der Gegenkandidatinnen Jacobs bei der Bürgermeisterwahl am 25. Juni, war nach Börrstadt gekommen: Sie sei froh, dass die Menschen nun frühzeitig informiert würden, sagte sie: „Hier wird gerade transparente Politik gemacht.“ Es sei ein großer Fehler gewesen, die Schießstandpläne ohne Gespräche mit der Gemeinde aufzustellen.

BI wird gegründet

Im Donnersbergkreis gibt es zwei Schießanlagen, eine in Morschheim und eine auf dem ehemaligen Neuhof bei Kirchheimbolanden. Da auf dem Neuhof 2030 der Pachtvertrag ausläuft und voraussichtlich nicht verlängert wird, muss nun in näherer Umgebung ein neuer Standort gefunden werden, informierte der stellvertretende Geschäftsführer des LJV, Frank Voigtländer, auf Anfrage. Dies müsse nicht unbedingt im Donnersbergkreis sein. „Börrstadt hat sich angeboten, da dort ein ehemaliges Militärgelände liegt, das mehr oder weniger geeignet wäre“, sagt Voigtländer. Das Interesse des Landesjagdverbands sei also grundsätzlich gegeben, „wir möchten aber nicht gegen den Willen der Bevölkerung einen Schießstand bauen“.

So ganz wollen die Börrstadter Bürger dem aber noch nicht trauen. „Das ist schon mal ein Teilerfolg“, sagte Birgitta Kern bei der Versammlung. Die nächsten Schritte zur Gründung einer BI sollen dennoch eingeläutet werden, „bis wir von Kreisverwaltung, Land und Landesjagdverband ein klares Zeichen, etwas Schriftliches haben, dass wir nicht mehr als Standort in Frage kommen“. In den nächsten vier Wochen soll deswegen eine Gründungsversammlung für die Bürgerinitiative stattfinden, um gegebenenfalls weiter gegen eine Schießanlage vorgehen zu können.

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