Imsbach
Wie die Landfrauen in Imsbach durchstarten und Klischees trotzen
In Deutschland gibt es immer weniger ehrenamtlich Engagierte: Bei der jüngsten bundesweiten Freiwilligenerhebung aus dem Jahr 2025 waren es laut Deutscher Stiftung für Engagement und Ehrenamt 27 Millionen Ehrenamtliche – und damit weniger als noch 2019. Eine Entwicklung, von der auch die Landfrauenvereine nicht verschont geblieben sind. „Das hat mir große Sorgen bereitet“, sagt Sarah Ludy, Hauptgeschäftsführerin des Landfrauenverbandes Pfalz.
Die Landfrauen reagierten: „Deswegen haben wir im Herbst 2025 die Initiative ergriffen und nach Kontakten mit den Ortsbürgermeistern in verschiedenen Ortschaften Infoveranstaltungen angeboten. Das hat in den vergangenen Monaten zu fünf Neugründungen in der Pfalz geführt, und vier stehen noch an“, erklärt Ludy. Diese Infoabende wurden gestaltet und moderiert von Silvia Jung, die als langjährige Ortsvorsitzende in Bedesbach (Kreis Kusel) reichlich Erfahrung mitbringt und offenkundig motivierend wirken konnte.
Schnelle Neugründung
Auch in Imsbach fand eine Infoveranstaltung statt. Bei den 30 Besuchern traf Jung auf eine große Bereitschaft, sich zu engagieren. „Ich kannte die Landfrauen schon von meiner Oma, und habe nur positive Erinnerungen daran“, erzählt die neue Vorsitzende der Landfrauen Imsbach, Sarah Rogalski. Ihrer Stellvertreterin Alexandra Kunz gehe es da ähnlich. „Wir hatten uns sowieso schon über Vernetzungsideen ausgetauscht“, sagt Rogalski.
Am 8. Mai war der Infoabend, und nur knapp drei Wochen später, am 28. Mai, war bereits die Gründungsversammlung in Imsbach mit 25 Frauen im Alter von 30 und 70 Jahren. „Das war schon richtig gut und lebendig. Der siebenköpfige Vorstand war schnell gewählt, und es gab bereits reichlich Ideen“, berichtet die Vorsitzende.
Mehr als backen und kochen
Die erste Idee wird schon bald in die Tat umgesetzt: Die Imsbacher Landfrauen laden für Sonntag, 14. Juni, ab 11 Uhr zum Erdbeerfest im evangelischen Pfarrheim ein. Es wird Spezialitäten rund um die Erdbeere geben. „Natürlich hoffen wir auf viele Besucher“, sagt Kassenwartin Anna Fickler. „Aber wir wollen uns nicht auf den Bereich Essen und Trinken beschränken und damit das Klischee bedienen, dass Landfrauen nur backen und Marmelade einkochen.“
Rogalski fügt hinzu: „Unser wichtigstes Anliegen ist die Gemeinschaft, die Lebendigkeit im Dorf. Wir wollen ein Netzwerk, das die Möglichkeit bietet, sich gegenseitig zu unterstützen – als Nachbarschaftshilfe beispielsweise, bei der Kinderbetreuung oder bei Handreichungen für Senioren.“ Die Liste der Ideen ist sehr lang – so lang, dass sogar Jung, die schon viele Infoveranstaltungen organisiert hat, beeindruckt ist: „Die jungen Frauen in Imsbach bringen eine Power und eine Energie mit, dass ich wirklich nur staunen kann. Das ging von null auf hundert.“
Wirkliche Nähe statt Chatbots und Co.
Beeindruckt und ausgesprochen zufrieden ist auch Ludy: „Unsere Initiative, auf Frauen in Ortschaften zuzugehen, sie mit Informationen und Tipps zu versorgen, zeigt erfreuliche Wirkung.“ Sie ergänzt: „Wir konnten mit Klischees aufräumen und uns als das präsentieren, was wir sind: der größte bundesweite Verband für Frauen mit dem Kerngeschäft Weiterbildung, mit Schwerpunkten in den Bereichen Bildung, Demokratieförderung und politische Teilhabe, Kultur, Nachhaltigkeit und Klimaschutz.“
Das sei tatsächlich wieder attraktiv, bestätigt Silvia Jung. „Hinzu kommen könnte aber ebenfalls, dass in einer Welt voller Fakes, Illusionen und Chatbots das Bedürfnis nach wirklicher Nähe wieder ausgeprägter ist“, sagt sie. „Etwas Echtes zu gestalten, ist halt doch befriedigender.“
Die Ideen sprudeln
So sehen das auch die Landfrauen in Imsbach, und viele Ideen warten bereits auf Umsetzung – ob Flohmärkte, Spieleabende, Wanderungen, Familienfeste, Kinderprogramme, Dreck-weg-Tage oder Karaoke-Events. „Wir wollen es aber ruhig angehen“, sagt Rogalski. „Es soll kein Aktionismus werden – wir wollen attraktive Veranstaltungen, die uns und dem Dorf Freude machen.“