Kirchheimbolanden / Bischheim
Ein Leben für die Landfrauen
Anfang September wurden acht besonders langjährige Mitglieder des Vereins geehrt. Schon bei der Geburtsstunde dabei: die Gründungsmitglieder Margot Franck und Gudrun Beyer. Ihren Landfrauen ist die 89-jährige Franck bis heute als Vereinsmitglied treu.
„Am 19. November 1959 ging es in der ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Dannenfelser Straße los“, erzählt Margot Franck. Sie gehörte zu den 21 Bäuerinnen aus Kirchheimbolanden und Bischheim, die den Verein aus der Taufe gehoben hatten. Im Kreis gehörte man damit zu den Ersten. Die Gründung von Landfrauenvereinen war damals stark auf dem Vormarsch, sagt sie. Zu Spitzenzeiten seien alleine in Kirchheimbolanden gute 80 Bäuerinnen organisiert gewesen, schätzt Franck. Heute existieren 39 Ortsvereine im Donnersbergkreis. Bundesweit sind im Deutschen Landfrauenverband mehr als 12.000 Ortsvereine organisiert.
Hauswirtschaftliche Bildung war erste Maßnahme
Von früher Jugend an hat die aus Schiersfeld stammende Franck sich stets für Neues, Selbständigkeit und Fortbildung interessiert. „Bildung – das war unser Anker. Fortbildung mit Kopf, Herz und Hand“, sagt sie. Später habe der Verein den Frauen zudem eine Möglichkeit eröffnet, aus dem eigenen Betrieb mal herauszukommen, erinnert sich Franck. Für Freizeitgestaltung blieb seinerzeit wenig Zeit: „Ganz zu schweigen von Urlaub – das kannten nur die wenigsten in der Landwirtschaft“, sagt sie.
Zunächst standen erste Maßnahmen im Bereich hauswirtschaftlicher Bildung auf dem Programm. Dazu gehörte vornehmlich auch das Aneignen handwerklicher Kenntnisse: „Zentralheizungen waren in der Zeit auf dem Vormarsch. Warmwasser in Bad und Küche noch nicht so verbreitet. Da war es schon hilfreich, wenn man da selbst mal etwas reparieren konnte“, erinnert sich Franck. Sollten schwerere Arbeiten anfallen, konnten sich die Landfrauen jedoch stets auf ihre „Landmänner“ verlassen. Die seien für ihre Frauen und den Verein immer zum Helfen bereit gewesen, ergänzt sie.
Zum Jubiläum der Bewegung ins Olympiastadion
Weiterbildung wurde von Beginn an in vielerlei Bereichen angeboten und stets auch dem Zeitgeist angepasst. Berufliche, soziale, gesellschaftliche oder kulturelle Belange – die Palette an Seminarangeboten und Fortbildungen des Landfrauenvereins ist umfangreich. Bereits im Jahr 1984 widmete sich ein Seminar dem Thema „Wie geht man mit Lebensängsten um“.
Zur Weiterbildung gehörten auch Studienreisen, die von Margot Franck über lange Zeit organisiert wurden. „Das waren Mehrtagesreisen oder auch Kurzausflüge“, berichtet sie. Frau kam dabei durchaus weit herum: 1997 ging es an die Côte d'Azur, erinnert sie sich begeistert. So war es auch selbstverständlich, dass die „Kerchemer Landfrauen“ zur Jubiläumsfeier „100 Jahre Deutsche Landfrauenbewegung“ 1998 ins Berliner Olympiastadion reisten.
Soziales Engagement ist wichtig für die Landfrauen
Bildungsausflüge führten sie unter anderem nach Idar-Oberstein und zum Kloster Eberbach. Dort wurden Kenntnisse über den Weinbau mit einem guten Tröpfchen bei einer Weinprobe verbunden, erinnert sie sich. Auch Spaß und Feiern durfte bei den Landfrauen nicht zu kurz kommen: Die Teilnahme an Fastnachts- und Bierfestumzüggen mit eigenem Motivwagen gehören fest in den Veranstaltungskalender. Mit der Gründung einer eigenen Gymnastikgruppe organisierten sich die Landfrauen zudem sportlich.
Groß geschrieben wird im Verein das soziale Engagement, zum Beispiel der Landfrauen-Stand auf dem Kirchheimbolander „Christkindlmarkt“. Seit 1971 sind die Landfrauen mit ihrem „Latwerg“-Verkauf eine feste Institution im Vorweihnachtsgeschehen der Stadt. „Helfen und Spenden“ ist von Beginn an das Motto des karitativen Engagements des Vereins. Ob für Patenkinder in Äthiopien, Zuwendungen für Hospizvereine, Fördervereine für Krebserkrankte oder die Stadtbibliothek: Zahlreiche Projekte sind im Laufe der Jahrzehnte von den Landfrauen mit ihren Spenden unterstützt worden.
Die Pflege und Erhaltung alter Brauchtümer gehört ebenfalls zur Vereinstradition. Margot Franck erinnert sich dabei gerne an einen Spinnkreis, der die alte Handarbeitskunst wiederaufleben ließ. Ihr Herz schlägt bis heute für ihren Landfrauenverein. Von 1982 bis 1996 hatte sie den ersten Vorsitz inne. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens ihrer „Landfrauen“ hat die Seniorin zudem eine Chronik des Vereins verfasst.