Donnersberger Echo
Wenn ein Affe mit Menschen Katz und Maus spielt
Immenses Interesse an Flucht
„Unn, was macht eiern Aff? Hanner ne immer noch net gefunn?“ Diese oder ähnliche Fragen bekommen wir Redakteure und Redakteurinnen der Donnersberger Rundschau dieser Tage ständig gestellt. Meist gefolgt von weiteren, mehr oder minder witzigen Sprüchen, die sich mit der seit Ende Juli andauernden Flucht des bärtigen Gesellen aus seinem Gehege in Rockenhausen beschäftigen. Ist ja auch menschlich: Wir haben uns ebenfalls schon zigfach im Kollegenkreis schmunzelnd mit dem Affentheater auseinandergesetzt.
Nur: Für Besitzer Andreas Spieß ist das Ganze mittlerweile alles andere als lustig. Das ständige Katz-und-Maus-Spiel zehrt verständlicherweise an seinen Nerven. Natürlich wird auch er ständig auf seinen längst prominentesten Zögling angesprochen, muss permanent in Alarmbereitschaft sein, um zu einem erneuten – bislang vergeblichen – Fangversuch auszurücken. Ganz „nebenbei“ laufen sein Geschäft und Tierpark weiter. Die Situation geht Spieß inzwischen merklich an die Substanz.
Und auch für den kleinen Ausreißer wird die Lage mit dem bevorstehenden Herbst in Sachen Nahrungssuche nicht einfacher – wenngleich das aus dem indischen Hochland stammende Exemplar diesbezüglich sehr genügsam ist und unsere Region wohl eher als Schlaraffenland empfindet. Wird das Futter knapper, wächst auch die Chance, dass er sich in die aufgestellte Lebendfalle locken lässt. Allerdings ist man nicht nur vor Gericht und auf hoher See, sondern auch in der freien Natur in Gottes Hand. Deshalb wäre es nun auch für den Primaten langsam wünschenswert, wenn er nicht bei jedem Kontakt wie vom Affen gebissen das Weite suchen, sondern sich wieder nach Hause bringen lassen würde.
Etwas Weiteres bekommen wir ständig zu hören: „Ich kann’s nimmi lääse – hann ehr nix anneres fer die Zeidung vollzukriehe als denne Aff?“ Die klare Antwort: doch! Natürlich geben wir ein Stück weit dem Affen Zucker, befeuern die öffentliche Diskussion, indem wir darüber schreiben. Aber zum einen möchten wir mithelfen, das Tierchen seinem Besitzer zurückzubringen. Zum anderen ist es in Online- und Social-Media-Zeiten für eine Redaktion leicht messbar, ob ein Thema auf das Interesse einer breiten Leserschaft trifft.
Das ist hier zweifelsohne der Fall, die Anteilnahme an der Nordpfälzer Variante von „Dr. Kimble auf der Flucht“ immens. Und Hand aufs Herz: Etwas Abwechslung zwischen den vielen Artikeln über Wahlkampf und Corona-Entwicklungen können wir doch gut gebrauchen, oder? Klar ist aber auch, dass wir nur berichten, wenn es tatsächlich etwas Neues zu „unserem“ Äffchen mitzuteilen gibt. Und am liebsten wäre uns die Nachricht, dass der Herumstreuner wohlbehalten zu seinem Herrchen zurückgekehrt ist. Denn auf die Schlagzeile „Klappe zu, Affe tot“ möchten wir unbedingt verzichten. Gerne treten wir stattdessen den Beweis an, dass die RHEINPFALZ auch ohne „unsern Aff“ täglich voll wird. Und zwar lieber heute als morgen.
Im Paragrafen-Dickicht der Corona-Regeln
Lieber heute als morgen hätten es die meisten von uns, wenn bei Festen, Kulturveranstaltungen oder Sportereignissen alles wieder „normal“ wäre. Normal heißt, so wie es vor Corona war. Der Anteil der Ungeimpften ist aber noch zu hoch, als dass alle Beschränkungen aufgehoben werden könnten. Mit der Folge, dass sich Veranstalter und Besucher mit Begriffen auseinandersetzen müssen, die man bislang eher der Mobilfunktechnik zugeordnet hat: 2G, 3G oder – wie nun in Rheinland-Pfalz – 2G+.
Es ist ein schmaler Grat: Einerseits dienen die Regeln dem Gesundheitsschutz und lassen Zusammenkünfte in größerem Rahmen wieder zu. Voriges Wochenende waren etwa das Sattelfest im Zellertal oder die Tanzvorführungen im Rockenhausener Schlosspark gut besucht. Andererseits steckt der Teufel im Detail – und die ohnehin komplizierten landesweiten Vorgaben werden auf kommunaler Ebene teils weiter präzisiert. Kein Wunder, dass in diesem Paragrafen-Dickicht Organisatoren ins Grübeln geraten, ob Aufwand und Ertrag im Verhältnis stehen.
Ein Beispiel: Wenn aktuell eine Kita im Kreis eine öffentliche Feier plant, dann hat sie zwei Möglichkeiten: Entweder sie beschränkt den Zutritt für nicht Geimpfte und Genesene in der neuen Warnstufe 1 auf 25 (negativ getestete) Personen. Dies hat auch Erleichterungen bei den Themen Maskenpflicht und Abstandsgebot, allerdings einen entscheidenden Nachteil zur Folge: Ist das Limit erreicht – Kinder unter zwölf Jahren sind ausgenommen –, müssen weitere „Plus-Gäste“ draußen bleiben. Was bei zahlreichen Familien mit älteren Geschwisterkindern, Opas und Omas schnell erreicht ist. Alternative: Die Kita gewährt die Teilnahme nur mit Voranmeldung, was – vereinfacht ausgedrückt – auch mehreren hundert nichtimmunisierten Menschen das Dabeisein gestattet. Dann aber wiederum bei schärferen Hygiene-Vorschriften. Und die Unterscheidung zwischen drinnen und draußen wurde noch nicht einmal thematisiert ...
Zweiter Fall: der Amateursport. Hier sorgen die neuen Vorschriften bei den Verbänden für Kritik. Denn nicht nur Zuschauer, auch die Sportler selbst sind von der Begrenzung Nichtimmunisierter betroffen. In der dritten Corona-Warnstufe wären etwa nur noch fünf solche Aktive (mit negativem Test) bei einem Wettkampf erlaubt – eine Fußballmannschaft könnte unter Umständen gar nicht erst antreten. Zumal, wie unter anderem der Sportbund kritisiert, gerade unter den Zwölf- bis 17-Jährigen viele noch nicht geimpft und deshalb vor allem die Nachwuchssportler benachteiligt seien. Mit Erstaunen nimmt man da zur Kenntnis, dass nächste Woche bei der Bundestagswahl der Besuch des Wahllokals auch ohne Test(!) gestattet ist.
Der Ausweg aus dem Regel-Wirrwarr: Von denjenigen, die können, aber bislang nicht wollten, lassen sich sehr viele sehr schnell das Vakzin verabreichen. Sie würden damit nicht nur sich selbst, sondern uns allen etwas Gutes tun: Das Rumgeeiere um Gs mit und ohne Plus hätte bald ein Ende. Und vieles wäre wieder normal(er).