KIRCHHEIMBOLANDEN RHEINPFALZ Plus Artikel Was wurde aus dem Obdachlosen von Kibo?

Obdachlos sein ist hart. Vor allem im Winter (Symbolbild).
Obdachlos sein ist hart. Vor allem im Winter (Symbolbild).

Das Schicksal eines Obdachlosen in der Kirchheimbolander Innenstadt hat vor einigen Wochen viele Menschen bewegt. Jetzt ist er plötzlich weg. Ist er weitergezogen, hat er Hilfe bekommen?

Vor rund drei Wochen hatten wir erstmals darüber berichtet: Ein Obdachloser hatte sich die Kirchheimbolander Innenstadt als Platte, wie es im Jargon heißt, ausgesucht. Der Mann machte immer wieder auf sich aufmerksam, manchmal auch unangenehm, war auch mal tageweise verschwunden, tauchte dann wieder auf. Meist hauste er im Eingang zu einem leerstehenden ehemaligen Modegeschäft, wirkte verwirrt, hielt Selbstgespräche und sprach Passanten an. Wie von den Behörden zu erfahren war, bemühte man sich hinter den Kulissen darum, ihm zu helfen. Was aber gar nicht so einfach war, da er, wie die Kreisverwaltung auf RHEINPFALZ-Nachfrage mitteilte, keine Hilfe annahm. Angesichts des herannahenden Winters schien allerdings Gefahr im Verzug.

Dann war er plötzlich wieder verschwunden. Das war zwar schon häufiger der Fall gewesen, weil er aber gar nicht wieder auftauchte, haben wir bei der Kreisverwaltung als der zuständigen Behörde nachgefragt. Die gute Nachricht: Der wohnungslose Mann ist in Sicherheit. „Wir können bestätigen, dass der Betroffene ein Hilfsangebot angenommen hat“, so der Pressesprecher der Kreisverwaltung.

Kreisverwaltung hält sich sehr bedeckt

Theoretisch gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie eine Behörde in einem solchen Fall tätig werden kann. Von der Vermittlung einer längerfristig nutzbaren Bleibe über die Unterbringung in einer sogenannten Notwohnung bis hin zu einer Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung. Eine solche ist beispielsweise dann möglich, wenn die Behörde zu dem Schluss kommt, dass eine Person entweder hilflos ist, was etwa im Fall einer psychischen Erkrankung oder auch beim Vorliegen einer Demenz anzunehmen ist, oder wenn sie eine Gefahr für sich und die Allgemeinheit darstellt. Allerdings – bis eine solche Maßnahme angeordnet wird, müssen einige Hürden überwunden werden.

Wie dem Mann jetzt konkret geholfen werden konnte, hätten wir unseren Lesern gern mitgeteilt. Doch auch auf unsere Bitte nach ein wenig mehr Information, immerhin hatten sich in der Zwischenzeit auch besorgte Leser an uns gewandt, die das Schicksal des Obdachlosen nicht kalt gelassen hatte, hielt die Behörde sich bedeckt: „Natürlich können wir die Sorgen um den Mann nachvollziehen, gerade in Anbetracht des bevorstehenden Winters. Jedoch können wir aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen nicht mehr über die aktuelle Situation des Mannes preisgeben. Vor dem bevorstehenden Winter sollte der Mann jedoch durch das angenommene Hilfsangebot geschützt sein.“ Wie die Verbandsgemeinde, wo wir ebenfalls nachgefragt hatten, ergänzend mitteilt, war er wohl zwischenzeitlich bei Familienangehörigen untergekommen.

Ähnliche Situation in Neustadt

Kirchheimbolanden ist übrigens nicht allein mit seiner Situation. In Großstädten sind Obdachlose ohnehin ein alltägliches Bild. Aber auch im vergleichsweise beschaulichen Neustadt an der Weinstraße gibt es aktuell einen ähnlichen Fall. Dort handelt es sich um eine obdachlose Frau, die mitten in der Stadt, im Eingangsbereich einer Bank, ihr Lager aufgeschlagen hat. Auch um sie sind Bürger und Anwohner besorgt, doch sie will sich offenbar nicht helfen lassen. Dabei gibt es in der 54.000-Einwohner-Stadt sogar eine Tagesbegegnungsstätte, die sich um Obdachlose kümmert. Wie es mit ihr weitergeht, ist derzeit noch offen.

Im Eingang zu diesem leerstehenden Geschäft hatte der Mann sein Lager aufgeschlagen.
Im Eingang zu diesem leerstehenden Geschäft hatte der Mann sein Lager aufgeschlagen.
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