Kirchheimbolanden / Peru
Von Kirchheimbolanden in die Anden: Wie 15 Jahre Müsli 200.000 Euro bewirkten
Im Fleck-Haus liegt an diesem Nachmittag eine fast festliche Stimmung in der Luft. Am Vortag wurde nicht nur der Geburtstag des ehemaligen Chefarztes des Westpfalz-Klinikums, Horst Fleck, gefeiert, sondern auch ein außergewöhnlicher Meilenstein: Rund 200.000 Euro hat Christine Fleck in den vergangenen 15 Jahren für das christliche Krankenhaus Diospi Suyana im peruanischen Curahuasi gesammelt. 20 Tonnen „Diospi Granola“ seien bestimmt zusammengekommen, schätzt Fleck.
Klaus-Dieter John, der gemeinsam mit seiner Frau Martina John das Krankenhaus Diospi Suyana, gegründet hat, ließ es sich nicht nehmen, persönlich von Peru nach Kirchheimbolanden zu reisen. Diospi Suyana bedeutet aus der Quechua-Sprache übersetzt: „Wir vertrauen auf Gott“. Begleitet wurde John vom Vorsitzenden des Fördervereins Diospi Suyana, Olaf Böttger. Das große Schild mit der Summe von 200.000 Euro sei eigentlich nur ein „Unfall“ gewesen, sagt Christine Fleck lachend. Doch man merkt schnell: Dieses langjährige Projekt hat ihr nicht nur Freude am Helfen gebracht, sondern auch viele Freundschaften.
Müsli mit Mission
Was heute nach einer Erfolgsgeschichte klingt, begann ganz unscheinbar. Seit 40 Jahren macht Fleck Müsli nach einem Rezept, das sie in einem alten Kochbuch gefunden habe. Ursprünglich war es einfach für die Familie und Freunde gedacht. Inhalt: Haferflocken, Dinkel, Sesam, Mandeln, Honig – eine gesunde Mischung, die sie immer wieder in größeren Mengen zubereitete. Wenn sie davon etwas verschenkte, kam es stets gut an. „Die Rückmeldungen waren immer positiv“, sagt sie und anwesende Freunde bestätigen das. Doch damals dachte Fleck noch nicht daran, dass dieses Müsli einmal tausende Kilometer entfernt Menschen helfen würde.
Der Wendepunkt kam, als sie und ihr Mann Horst Fleck von dem Krankenhausprojekt Diospi Suyana in Peru erfuhren. Das Hospital liegt in Curahuasi, einer Stadt in den Anden auf etwa 2600 Metern Höhe – mehr als 10.000 Kilometer von Kirchheimbolanden entfernt. Viele Menschen dort sind arm und können sich medizinische Versorgung kaum leisten. Das Krankenhaus finanziert sich zu einem großen Teil aus Spenden.
Christine und Horst Fleck reisten schließlich selbst dorthin und halfen vor Ort mit. „Als wir zurückgekommen sind, haben wir überall davon erzählt“, berichtet sie. Irgendwann kam dann die Idee auf, ihr Müsli zu verkaufen und den Erlös zu spenden.
Von der Idee zur perfekten Mischung
Am Anfang waren es nur wenige Päckchen, die sie an Freunde und Bekannte verkaufte. Doch nach und nach sprach sich die Idee herum. Immer mehr Menschen wollten das Müsli kaufen – nicht nur, weil es schmeckte, sondern weil sie damit gleichzeitig etwas Gutes tun konnten. „Wenn dann mal ein Artikel in der Zeitung erschien oder ich irgendwo einen Vortrag gehalten habe, ging die Nachfrage wieder hoch“, erzählt Fleck.
Schnell wurde klar, dass die eigene Küche für die Produktion nicht mehr ausreichte. Hilfe kam aus Kirchheimbolanden: Eine Bäckerei stellte ihr die Backstube zur Verfügung, damit sie dort ihr Granola in größerem Stil herstellen konnte. Seitdem steht sie ein- bis zweimal pro Woche in der Backstube, rührt große Mengen, backt die Mischung im Ofen, lässt alles abkühlen und verpackt es anschließend in Tüten.
Das Ergebnis jahrelanger Hingabe
Über die Jahre hat sich auch das Rezept immer wieder verändert. „Der Zucker ist immer weniger geworden“, sagt Fleck. Sie habe viel ausprobiert, Mengen verändert, Zutaten ergänzt oder weggelassen, bis die Mischung so war, wie sie sie heute macht. Das ursprüngliche Rezept stammte aus einem Kochbuch von „Brot für die Welt“, erinnert sie sich. Daraus entwickelte sich mit der Zeit Schritt für Schritt ihr eigenes Granola-Rezept.
Ganz fertig sei das Rezept aber bis heute nicht, sagt sie. Sie probiere immer noch Neues aus, passe Kleinigkeiten an und verbessere die Mischung weiter. So sei das Müsli über die Jahre nicht nur zu einem Spendenprojekt geworden, sondern auch zu etwas, das sie ständig weiterentwickelt.
Hoffnung in 2600 Metern Höhe
Das Krankenhaus Diospi Suyana ist bis heute auf Unterstützung angewiesen, und Christine Fleck erzählt gern davon, wenn jemand nach ihrem Müsli fragt. Seit der Eröffnung im Jahr 2007 wurden dort mehr als 600.000 Patienten aus ärmeren Verhältnissen behandelt. In Peru wurde das Projekt sogar landesweit bekannt.
Wer sich für das Krankenhaus interessiert, sei jederzeit eingeladen, sich darüber online zu informieren oder das Projekt zu unterstützen, betont Klaus-Dieter John. Und während in Kirchheimbolanden weiterhin Haferflocken, Nüsse und Honig in großen Schüsseln vermischt werden, hilft jede verkaufte Tüte Granola ein kleines Stück mit – mehr als 10.000 Kilometer entfernt, in den Anden von Peru.