Altes Handwerk RHEINPFALZ Plus Artikel Von groben Schnitzern kann bei seinen Holzfiguren keine Rede sein

Klaus Frick in seinem Reich.
Klaus Frick in seinem Reich.

Das Haus von Klaus Frick in Langmeil ist nicht schwer zu identifizieren: Den Dachüberstand an der Straßenseite des Anwesens hält eine riesige Holzfigur, daneben sitzt ein weiterer großer hölzerner Geselle und ein Adler breitet über einem Sandsteintrog seine Flügel aus. Alle sind vom Hausbesitzer hergestellt – oder genauer: geschnitzt worden. Diese Hausansicht ist unverwechselbar.

Das beeindruckende Ensemble im Vorgarten stellt allerdings nur den Anfang dar. In fast sämtlichen Innenräumen des Bungalows begleiten den Besucher geschnitzte Figuren, auf Regalen, Kommoden und in Vitrinen arrangiert. Wer dann glaubt, das war’s, hat sich getäuscht. Im Untergeschoss befindet sich nämlich ein Ausstellungsraum und da verschlägt es einem schon beim Eintreten den Atem: Über hundert Figuren in allen Größen – von fast lebensgroß bis winzig – gibt es zu besichtigen: Madonnen, Pferde, Kühe, Singvögel, Eulen, Wagengespanne, Kinder, Hasen und zahlreiche andere Figuren. Dazu kommen noch einmal gut sechzig Reliefs. Erkennbar sind Motive aus der Natur, der Landwirtschaft und aus dem religiösen Bereich.

Mal fein, mal grob

„Die habe ich alle hier hergestellt“, erzählt Klaus Frick und zeigt auf den Raum daneben. „Das ist meine Werkstatt.“ Und die ist unverkennbar. Ein Relief ist offensichtlich in Arbeit, befindet sich eingespannt vor dem Werktisch und eine fast fertige Eule steht daneben. Unzählige Messer sind um den Tisch arrangiert. „Davon besitze ich über hundert, die ich für die unterschiedlichen Ausführungen brauche“, erläutert Frick. „Mal geht es um feine, sehr feine Arbeiten, dann kann ich es auch mal grober angehen lassen. Da habe ich beim Werkzeug dann die Auswahl.“

Klaus Frick ist achtzig Jahre alt, was man weder sieht noch merkt. Frisch und lebhaft erzählt er, wie er zum Schnitzen kam, das ihm – so sagt er – ein bisschen in die Wiege gelegt wurde: „Ich habe als Kind bereits gern modelliert, unter anderem mit Lehm. Das Dreidimensionale hat mich schon immer fasziniert. Da ich in der Landwirtschaft aufgewachsen bin, waren die Motive entsprechend. Kühe habe ich beispielsweise gern gemacht.“ Eine künstlerische Ausbildung war allerdings außerhalb des Vorstellbaren. Zum beruflichen Schwerpunkt entwickelten sich Maschinen unterschiedlichster Art. Nach einer Ausbildung bei der Bundesbahn zum Spezialisten für Stopfmaschinen kam es zu einer langen Lebensphase als selbstständiger Baggerführer.

Am liebsten Lindenholz

Das Schnitzen trat an Fricks fünfzigsten Geburtstag in sein Leben: Jemand schenkte ihm einen Schnitzerkurs in Dannenfels bei der Volkshochschule. An dem nahm er mit zunehmender Begeisterung teil und entwickelte seine Fähigkeiten unter Anleitung eines Bildhauermeisters aus Rockenhausen zur Kunstfertigkeit. Am liebsten arbeitet er mit Lindenholz, sagt er: „Das ist dicht und geschmeidig. Da sich meine Schnitzertätigkeit herumgesprochen hat, gibt man mir schon mal Bescheid, wenn beispielsweise ein beschädigter Baum gefällt werden muss. Holz habe ich inzwischen genug.“

Ein Handwerk, so alt wie die Menschheit

Frick praktiziert ein Handwerk, das so alt ist wie die Menschheit. Ursprünglich wurden vor Jahrtausenden beispielsweise Pfeile und Speere für die Jagd oder Kämpfe und Alltagsutensilien aus Holz oder Elfenbein geschnitzt. Später entwickelten sich auf der ganzen Welt – besonders im Mittelalter – Techniken des dekorativen Schnitzens sowohl in profanen als auch sakralen Bereichen. Nach wie vor ist Schnitzer ein anerkannter Beruf mit einer dreijährigen Ausbildungszeit, der inzwischen „Holzbildhauer“ heißt, in dem man sich unter anderem als Restaurator profilieren kann. Interessenten sollten über künstlerisches Talent verfügen, ein gutes Vorstellungsvermögen, handwerkliches Geschick und Sinn für Farben und Formen haben.

Klaus Frick war bis vor gar nicht so langer Zeit mit seinen Exponaten auf Märkten anzutreffen. Das hat er inzwischen aufgegeben. Aber was ist mit den zahlreichen Figuren, die ungesehen im Untergeschoss seines Hauses stehen? „Vielleicht mache ich demnächst einen Hausflohmarkt und lasse den Erlös einem guten Zweck zukommen“, überlegt Frick.

Die Serie

Menschen, die ein außergewöhnliches und seltenes Handwerk ausüben, sind gerngesehene Gäste auf Märkten, bei Stadt- und Dorffesten. Die Besucher interessiert offensichtlich das Ursprüngliche, das Elementare und auch das Stück Geschichte, das mit der Präsentation von alten Techniken verbunden ist. Zu sehen, wie etwas durch Handarbeit entsteht, das jeder seit langer Zeit im Baumarkt oder Internet fertig verpackt kaufen kann, scheint immer noch zu faszinieren. In unserer Serie „Altes Handwerk“ wollen wir diese Faszination transportieren und in loser Folge Menschen vorstellen, die noch ein solches ausüben.

In der letzten Folge haben wir Sigrid Krajewski vorgestellt, die leidenschaftlich gerne Stofftiere näht.
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