Altes Handwerk
Sigrid Krajewski näht in Dannenfels bunte Stofftiere
Es ist immer schön und befriedigend, etwas Sinnvolles mit seinen Händen herzustellen. Die Fähigkeit, nähen zu können, erweist sich im Alltag als besonders nützlich, fand auch Sigrid Krajewski. Als ihr Sohn sich einen Teddybären wünschte, begann neben dem Nähen von Kleidern ihre Plüschtier-Karriere. Besucher, Freunde, Nachbarn waren entzückt von dem Kuscheltier und baten um entsprechende Exemplare. Sigrid Krajewski fand Gefallen an der Produktion. „Auch mein Mann hatte Spaß daran“, erzählt sie. „Wir haben die Teddys in Teamarbeit hergestellt und begannen, sie auf Märkten anzubieten, auf denen sie immer gut nachgefragt wurden.“
Ein ganz außergewöhnliches Exemplar entstand in dieser Anfangsphase. Es landete nicht auf einem Verkaufsstand, sondern in einem Fotoatelier. Thomas Stepan erhielt 1995 zur Eröffnung seines Geschäfts in Kirchheimbolanden von Sigrid Krajewski einen riesigen Teddybären. „Der war mindestens einen Meter und fünfzig groß“, weiß der Fotograf zu berichten. „Und er konnte, weil er Holzfüße hatte, stehen. Eingesetzt habe ich ihn zur Freude aller Beteiligten in Kitas, Schulen und bei Familienfotos. Ein paar Jahre hat er brav durchgehalten.“
Kinder wollen es bunt
Mit der Zeit kamen bei Krajewski noch andere Tierformen dazu, Elefanten beispielsweise. „Die Basismaterialien waren und sind aber immer die gleichen“, erklärt sie. „Waschbare Baumwolle und Bastelwatte; am Anfang auch noch Augen aus Plastik oder Glas. Die gibt es aber schon lange nicht mehr wegen der Verschluckgefahr. Heute sticke ich sie.“
Drei bis vier Stunden brauche sie für ein Kuscheltier, so Krajewski weiter. Die Arbeitszeit zahle aber niemand. 20 Euro sei das Maximum, das die Menschen auf den Märkten bereit seien auszugeben. „Auch der Geschmack hat sich merklich verändert“, berichtet sie. „Die klassischen braunen Bären sind nicht mehr gefragt. Die Kinder wollen, dass sie möglichst bunt sind. Also mache ich rosa Bären und hellblaue Elefanten.“
Namen von US-Präsident bekommen
Auch ohne ihren Ehemann, der vor einiger Zeit verstorben ist, macht Krajewski weiter. „Es bereitet mir nach wie vor Freude, auf Märkte zu gehen“, sagt sie. „Da gibt es oft nette Begegnungen und Gespräche. Und die Bären zaubern den meisten Menschen – auch Erwachsenen – immer noch ein Lächeln ins Gesicht.“ Tatsächlich lassen sich nicht nur Kinder gern von einem Stofftier begleiten, das offensichtlich, auch wenn man älter ist, ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln kann.
Ein Spielbär aus zotteligem Mohairfell, 1902 in der Manufaktur von Margarete Steiff entwickelt, war der Anfang dieser Stofftiere. Seinen Siegeszug begann der Bär in den USA, wo er auch seinen Beinamen „Teddy“ erhielt – eine Anspielung auf den damaligen Präsidenten Theodore (Teddy) Roosevelt, der sich auf einer Jagd geweigert hatte, einen angebundenen Bären zu erschießen, und daraufhin in der Zeitung „Washington Post“ immer mit einem Bären dargestellt wurde. Das war die beste Werbung für das Zotteltier von Steiff, und der Teddybär-Boom begann.
Die Serie
Menschen, die ein außergewöhnliches und seltenes Handwerk ausüben, sind gerngesehene Gäste auf Märkten, bei Stadt- und Dorffesten. Die Besucher interessiert offensichtlich das Ursprüngliche, das Elementare und auch das Stück Geschichte, das mit der Präsentation von alten Techniken verbunden ist. Zu sehen, wie etwas durch Handarbeit entsteht, das jeder seit langer Zeit im Baumarkt oder Internet fertig verpackt kaufen kann, scheint immer noch zu faszinieren: ein Seil, eine Bürste, ein Hut zum Beispiel. In unserer Serie „Altes Handwerk“ wollen wir diese Faszination transportieren und in loser Folge Menschen vorstellen, die noch ein solches ausüben.
In der letzten Folge haben wir Korbmacherin Monika Nickel-Stein vorgestellt.