Kirchheimbolanden Vom Gehannstag zur Kerchemer Bierwoche

1926 wurde der Gehannstag zum ersten Mal in Kibo gefeiert.
1926 wurde der Gehannstag zum ersten Mal in Kibo gefeiert.

Die 18. Kerchemer Bierwoche steht vor der Tür. Von Freitag, 9., bis Sonntag, 11. Juni erwartet Kirchheimbolanden etliche Gäste. Höhepunkt soll der Umzug werden, der trotz organisatorischer Hürden 50 Teilnehmer gefunden hat. Doch wie ist die Bierwoche eigentlich entstanden?

Die Kerchemer Bierwoche gilt nach Angaben der Stadt seit den 80er Jahren als eines der größten Bierfeste außerhalb Bayerns. 30 Brauereien werden dieses Jahr dabei sein, mehr als 70 unterschiedliche Biere und Sorten stehen am Wochenende auf dem Festplatz Herrngarten zur Verköstigung bereit – zudem gibt es ein musikalisches Rahmenprogramm.

Das Bierfest stammt ebenso wie das Residenzfest vom Gehannstag ab, der 1926, 27 und 28 in Kirchheimbolanden gefeiert wurde. Das Fest (der Namen wird abgeleitet von Johannes dem Täufer, vom Johanniskraut und der Johannisbeere) wurde rund um den 24. Juni, den längsten Tag im Jahr, gefeiert und sollte den Sommereinzug sowie einen Tag symbolisieren, an dem wundersame Dinge geschahen.

Tanz auf dem Schillerhain

Ideengeber und treibende Kraft hinter den Gehannstagen war Heinrich Engel, der Bezirksoberlehrer des Progymnasiums, Geometrielehrer an der Höheren Töchterschule und Vorsitzender des damaligen Verkehrsvereins Kirchheimbolanden. Sein Vorschlag wurde von den Stadtvätern begeistert aufgenommen. Damals, in der armen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, waren Feste sehr selten. Engel mobilisierte alle in der Stadt, die am Fest und am Festzug mitwirken könnten. Dabei wurde er von Justizrat und Museumsleiter Gustav Breith, der in der Bevölkerung „Scherbeldoktor“ genannt wurde, unterstützt.

Höhepunkt war der Umzug mit 56 Zugnummern.
Höhepunkt war der Umzug mit 56 Zugnummern.
Lehrerin Else Schach war mit der ersten Klasse dabei.
Lehrerin Else Schach war mit der ersten Klasse dabei.
Das Motto des Umzugs lautete: »Die vier Jahreszeiten«.
Das Motto des Umzugs lautete: „Die vier Jahreszeiten“.
Die Sommerwendgruppe.
Die Sommerwendgruppe.
Das Märchen Rübezahl wurde auf einem Wagen dargestellt.
Das Märchen Rübezahl wurde auf einem Wagen dargestellt.
Der Winterwagen.
Der Winterwagen.
Zahlreiche Besucher wurden an die Strecke gelockt.
Zahlreiche Besucher wurden an die Strecke gelockt.
Dieses Jahr will die Band Brass Machine den Besuchern der Bierwoche einheizen.
Dieses Jahr will die Band Brass Machine den Besuchern der Bierwoche einheizen.
Graham Bonney ist bei der »Schlagerarena – der musikalische Frühschoppen« am Sonntagmorgen dabei.
Graham Bonney ist bei der „Schlagerarena – der musikalische Frühschoppen“ am Sonntagmorgen dabei.

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Die umfangreichen Festlichkeiten bestanden unter anderem aus einem zweistündigen Festumzug mit Jahrmarkt und dem Festausklang mit Tanz auf dem Schillerhain. Die Festumzüge der Gehannstage standen jeweils unter einem historischen Motto: 1926 „Die vier Jahreszeiten“, 1927 „Das Jahr im Leben des nordpfälzischen Volkes“, 1928 „Im Zeichen der Freischaren“.

Nur ein Bierkönig

Mit der Versetzung des Bezirksoberlehrers Engel im Jahr 1929 kam das historische Fest zum Erliegen und geriet in Vergessenheit – bis im Jahr 1951 der Augustmarkt und die „Drei Sommertage in der kleinen Residenz“ entstanden. Einige Jahrzehnte später wurde vom Stadtrat 1986 die „Kerchemer Bierwoche“ aus der Taufe gehoben. Damals wollten sich der damalige Stadtbürgermeister Lothar Sießl und Hugo Enders gegen die Pläne der Europäischen Union zur Aufhebung des seit 1516 bestehenden deutschen Reinheitsgebot auflehnen.

Der Gedanke der Initiatoren „anders als andere zu sein“ ging auf. Es wurde ein Bierseminar angeboten, Majestäten wie der Bierkönig und die Braugerstenkönigin wurden inthronisiert. Seitdem findet das Fest alle zwei Jahre statt. Der Begriff „Bierkönig“ wurde vom ehemaligen Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller 2002 beim Patentamt in München für die Stadt geschützt. Auch dieses Jahr werden neue Hoheiten inthronisiert.

50 Zugnummern dabei

Einer der Höhepunkte soll der Festumzug werden – 50 Zugnummern sind mit dabei. Allerdings war die Zusammenstellung gar nicht so einfach. Die neuen Auflagen für Umzüge und Festwagen waren eine große Herausforderung, da beispielsweise Tüv-Prüfungen für die Wagen abgelegt werden mussten und genügend Begleitpersonen abgestellt werden müssen. Umso erleichterter waren die Veranstalter, dass am Ende doch so viele Teilnehmer gefunden wurden.

Der Festumzug war auch 1926 einer der Höhepunkte. „Die Stunde, wo der angekündigte Festzug sich in Bewegung setzen soll, rückt näher. Unendlich groß ist die Zahl der Zuschauer, die sich in den Straßen ansammelt. Reiter auf flinken Rossen durchtraben die Stadt nach dem Sammelplatz. Die Spannung der Zuschauer wächst“, schrieb die Pfälzische Presse am 28. Juni 1926. Knapp 100 Jahre später ist nun wieder Zeit für die Bierwoche. Stadtbürgermeister Marc Muchow erwartet Tausende Besucher. Nach dem corona-bedingten Ausfall 2021 „darf endlich wieder die Kerchemer Bierwoche gefeiert werden“.

Info

Weitere Infos zum Programm unter: www.visit-kirchheimbolanden.de. Der Eintritt an allen Tagen ist frei. Das Freizeittaxi ist an allen Abenden im Einsatz, Voranmeldung bis Freitag, 9. Juni, 16 Uhr, unter 06352 710192.

Die historischen Informationen zum Gehannstag und zur Entstehung der Bierwoche wurden von Sören Dall zusammengetragen.

Das Festprogramm im Überblick

Freitag, 9. Juni:

18 Uhr: Unnerhaus Jazzband – Marching Band

19 Uhr: Offizielle Eröffnung der 18. Kerchemer Bierwoche mit Fassbieranstich

21 Uhr: 9. Kerchemer Ü30-Party mit der Pop & Rock-Partyband Brass Machine

Samstag, 10. Juni:

18 Uhr: Duo Pinacolada

21 Uhr: Stimmung & Gaudi mit Habachtaler

Sonntag, 11. Juni:

11 Uhr: „Schlagerarena – der musikalische Frühschoppen“ mit Marcus Faber, Bea Larson und Graham Bonney

14 Uhr: Großer Festumzug

16.30 Uhr: Guggemusik der Dunnerschbejer Wildsaufetzer

17 Uhr: Treffen der Hoheiten und Umkrönung der Majestäten

17.30 Uhr: Festausklang mit Kalli Koppold

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