Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Viele Wege führen zum Glück: Mehr Mut für andere Schulen

Nicht jeder Schulweg muss direkt ins Gymnasium führen – Alternativen gehören dazu.
Nicht jeder Schulweg muss direkt ins Gymnasium führen – Alternativen gehören dazu.

Das Gymnasium steht für Anspruch und Aufstieg, doch es kann zur Belastungsprobe werden. Ein glücklicher Schulweg beginnt dort, wo ein Kind angstfrei lernen kann.

Der Trend geht seit vielen Jahren nach oben, das zeigen auch die Zahlen in Rheinland-Pfalz: Immer mehr Kinder besuchen nach der Grundschule ein Gymnasium. Zum Schuljahr 2024/2025 wechselten in Rheinland-Pfalz 36.438 Viertklässler auf eine weiterführende Schule. Fast die Hälfte, 45 Prozent ging an ein Gymnasium, gut ein Drittel, 36 Prozent an eine Realschule plus. Grundsätzlich ist gegen diesen Trend natürlich nichts einzuwenden, aber für viele Fünftklässler bedeutet die neue Schule vor allem eins: viel Stress. Denn als Eltern zu denken: Das Kind ist auf dem Gymnasium, Job erledigt – ist leider zu kurz gedacht.

Geht nach den Sommerferien das neue Schuljahr wieder los, sind die Eltern so richtig gefragt. Weiterführende Schule heißt: anderer Schulweg, neue Freunde und neue Konflikte, ständig neue Lehrer, neue Räume, und die großen Grundschüler sind plötzlich die kleinen Fünfklässler, die sich mit 18-Jährigen die Schultoilette teilen. Irritationen sind vorprogrammiert.

Ein Start mit Stolpersteinen

Dazu kommen die ersten Hausaufgabenüberprüfungen, Klassenarbeiten und damit oft zunächst schlechtere Noten. Frust und Stimmungsschwankungen nehmen zu. Wenn das Kind die Grundschule dann ohnehin nur mit Ach und Krach gemeistert hat, ist das Gymnasium einfach nicht der richtige Ort – es sei denn, die Eltern haben die Kraft und die Muße, ständig Stoff nachzuholen und Nachhilfe zu bezahlen.

Es kann gewaltig knirschen beim Übergang auf die weiterführende Schule, und da ist es angebracht, den Druck zu minimieren und vielleicht nicht auf Biegen und Brechen jedes Kind auf das Gymnasium zu schicken, das ohnehin in den ersten beiden Jahren kräftig aussortiert. Und wenn man Pech hat, bekommt man nach der sechsten Klasse keinen Platz an einer Gesamtschule, sondern wechselt dann auf eine Realschule plus.

Viele Möglichkeiten

Was grundsätzlich auch nicht das Ende der Welt bedeuten muss: Immerhin haben wir das Glück, dass wir ein durchlässiges Schulsystem haben, und nach einem guten Realschulabschluss lässt sich auch prima das Abitur machen und dann sogar an einer Universität studieren – wenn der junge Erwachsene das möchte.

Grundsätzlich ist es ohnehin ratsam, den Wunsch des Kindes zu respektieren: Manche Kinder wollen gar nicht aufs Gymnasium – und daran ist überhaupt nichts falsch. Das Wichtigste ist, dass Kinder ohne Angst und Bauchschmerzen in die Schule gehen. Auch in der fünften Klasse und in allen weiteren Jahren danach. Denn: Nur weil die Mutter Abitur hat, muss dies noch lange nicht der Weg des Sprösslings sein.

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