Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Abschied von der Grundschule: So gelingt der Wechsel

„Und Tschüss!“ – Mit dem Ende der vierten Klasse beginnt für viele Kinder das Abenteuer an einer neuen Schule.
»Und Tschüss!« – Mit dem Ende der vierten Klasse beginnt für viele Kinder das Abenteuer an einer neuen Schule.

Mehr Lernen, mehr Selbstständigkeit und die Frage, ob das Kind ein Handy bekommt: Schulen im Donnersbergkreis geben Tipps für die richtige Wahl der weiterführenden Schule.

Jedes Jahr nach den Zeugnissen des ersten Halbjahres geht es los: Eltern und Viertklässler wägen ab und diskutieren – welche weiterführende Schule ist die richtige für das Kind? Während der Kita-Platz noch einem Glücksspiel gleichte, die Grundschule oft zugeordnet wurde, ist die Wahl der weiterführenden Schule nach der Grundschule oft eine der ersten wegweisenden Entscheidungen, die Eltern für und mit ihren Kindern treffen. Und da sollen natürlich keine Fehler gemacht werden, schließlich wird das Kind auf dieser Schule prägende Jahre erleben – den Übergang vom Kind zum jungen Erwachsenen.

Es gibt seit Jahren eine Aufwärtsbewegung in den Bildungsentscheidungen der Eltern und Schüler, das heißt, immer mehr Kinder gehen nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium. Die neusten Zahlen aus dem Donnersbergkreis sind aus dem Schuljahr 2024/2025, da wechselten insgesamt 756 Grundschulkinder auf eine weiterführende Schule: vierzig Prozent an ein Gymnasium, einunddreißig Prozent an eine Realschule plus und achtundzwanzig Prozent an eine integrierte Gesamtschule. Wie das Bildungsministerium in Mainz mitteilt, wurden nur die direkten Übergänge von der vierten Klasse der Grundschule erfasst, nicht Schulformwechsel aus anderen Schularten wie etwa von Freien Waldorfschulen.

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Anforderungen und Voraussetzungen

Die Anforderungen an Lernfähigkeit und Motivation sind hoch und nicht jede Schülerin oder jeder Schüler fühlt sich an der neuen Schule direkt wohl. Kirsten Hilger, Leiterin der Orientierungsstufe und Ganztagskoordinatorin am Nordpfalzgymnasium, beschreibt, welche Voraussetzungen den Übergang erleichtern und den Grundstein für schulischen Erfolg legen: „Für einen erfolgreichen Start am Gymnasium sollten Kinder ein gutes Lerntempo, Konzentrationsfähigkeit und Neugier mitbringen“, erklärt Hilger.

„Idealerweise liegen die Grundschulnoten in Deutsch, Mathematik und Sachkunde im Bereich eins oder zwei. Auch gute Lese- und Sprachkompetenzen sowie Lernbereitschaft bei schwierigen Themen sind wichtig – so können Schülerinnen und Schüler gefordert, aber nicht überfordert werden.“ Die Liste der neuen Herausforderungen ist lang: Die Schülerinnen und Schüler müssen deutlich mehr Eigenverantwortung übernehmen, von der Kontrolle der eigenen Arbeit über das selbstständige Erledigen täglicher Hausaufgaben bis hin zur Organisation ihres Materials und häufiger Raumwechsel an der Schule.

Der Frust steigt

Das höhere Lerntempo, komplexere Aufgabenstellungen und der verstärkte Einsatz von freien Formulierungen statt einfacher Lückentexte erfordern zusätzliche Anstrengung. Zudem gilt es, sich in eine neue Klassengemeinschaft einzufinden und Konfliktsituationen in einer größeren Schulgemeinschaft zu bewältigen. Kürzere Pausen und weniger Bewegungszeit steigern die Anforderungen an längere Konzentrationsphasen. All diese Faktoren machen den Schulwechsel nach der Grundschule zu einer intensiven Zeit – für die gesamte Familie. Oft werden in der fünften Klasse erst einmal die Noten schlechter, der Frust ist groß – bei den Kindern und bei den Eltern.

Die Schule appelliert an die Eltern, den Schulstart aktiv zu begleiten. Empfohlen werden ein offenes Ohr für Sorgen, frühzeitiger Kontakt zur Klassenleitung bei Problemen, Geduld für die Eingewöhnungsphase sowie Hilfe bei der Organisation des Schulalltags. Dazu gehört auch das Üben des Busfahrens, die Anpassung der Freizeitgestaltung an Lern- und Hausaufgabenzeiten und die gemeinsame Vorbereitung auf Tests und Klassenarbeiten.

Ein gelungener Schulstart

Zu Beginn des Schuljahres starten die neuen Fünftklässler am Nordpfalzgymansium mit zwei Eingewöhnungstagen, die ausschließlich von der Klassenleitung gestaltet werden. Neben dem regulären Unterricht findet einmal pro Woche eine zusätzliche Klassenleiterstunde statt. Dort stehen Teambildung, der Ausbau von Konfliktlösungs- und Sozialkompetenz sowie die Arbeit nach dem Klassenratsprinzip im Vordergrund.

Dieses Konzept soll den Kindern helfen, sich gegenseitig besser kennenzulernen und Probleme offen und demokratisch zu besprechen. Ein eigens erstelltes Infoheft liefert ihnen im ersten Jahr eine verlässliche Orientierung – mit Hinweisen zu wichtigen Anlaufstellen, Schulregeln und Busplänen. Unterstützung kommt auch von sogenannten Buspaten, die den neuen Schülern helfen, sich an den richtigen Haltestellen zurechtzufinden und pünktlich ihre Busse zu erreichen.

Wechselmöglichkeiten an eine IGS

Bei der Integrierten Gesamtschule (IGS) Rockenhausen ist das Anmeldeverfahren für den kommenden Jahrgang fünf inzwischen abgeschlossen. „Eltern konnten sich über zahlreiche Kanäle informieren, von Informationsabenden über unseren Tag der offenen Tür, Flyer und unsere Homepage bis hin zu individuellen Beratungsgesprächen“, sagte Schulleiter Dirk Melzer. Seine Schule nimmt neue Schülerinnen und Schüler regulär lediglich in den Jahrgängen fünf und elf auf. Ein Wechsel in die Klassenstufen sechs bis zehn sei nur bei freien Kapazitäten möglich und werde im Einzelfall entschieden, teilte er mit.

Hintergrund: Oft verlassen Kinder nach der sechsten Klasse das Gymnasium, weil die Noten schlecht sind. Wird bereits in Klasse fünf ein Schulwechsel empfohlen, muss ein Schüler das Gymnasium nach Klasse sechs verlassen, wenn er dann nicht versetzt wird. Deswegen rät der IGS-Schulleiter: „Wer unsicher ist, sollte nicht das Gymnasium wählen.“ Und weiter: „Wer es dennoch tut, fragt nach Klasse fünf oder sechs oft bei uns an“, erzählt der Schulleiter. Und dann sei es eben fraglich, ob die Schule einen freien Platz hat. Ist das nicht der Fall, gibt es keine Aufnahme.

Handy – ja oder nein?

Ein weiteres Thema treibt die Eltern beim Übergang auf die fünfte Klasse um: Bekommt das Kind dann auch ein Handy? Am Nordpfalzgymnasium bleiben Handys während der Schulzeit grundsätzlich ausgeschaltet in der Schultasche. Der Besitz eines eigenen Geräts ist daher nicht nötig: Aufgaben werden im Hausaufgabenheft notiert und die Teilnahme am Schulchat kann bei Bedarf auch über ein Gerät der Eltern erfolgen. „Eltern können individuell entscheiden, wann ihr Kind reif für ein eigenes Handy ist“, erklärt Kirsten Hilger. Und weiter: „Wer sich für die Anschaffung entscheidet, sollte die Nutzung begleiten und trägt Verantwortung dafür, wie und wofür das Gerät genutzt wird.“

Die Nutzung von Mobiltelefonen im Schulalltag hält Melzer von der IGS Rockenhausen für „grundsätzlich überflüssig“, räumt jedoch ein, dass sie nicht vollständig untersagt werden könne. Denn: Ein verantwortungsvoller Umgang gelinge nicht allen Schülerinnen und Schülern. Grundsätzlich sei das eben auch die Entscheidung der Eltern – ebenso wie die Wahl der zukünftigen Schule. Denn die Empfehlungen der Grundschulen sind in Rheinland-Pfalz – wie der Name schon sagt – Empfehlungen und nicht bindend.

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