Donnersbergkreis
Viele Unternehmen gerüstet für Corona-Tests
Bei Adient in Rockenhausen ist man schon ein ganzes Stück über das Maß hinaus, was von der Politik gefordert wird. „Bei uns kann sich jeder Mitarbeiter täglich testen lassen, wenn er will“, sagt Werkleiter Guido Herkenrath. Auf dem Werksgelände sei ein kleines Testzentrum entstanden, für das eigens das medizinische Personal erweitert wurde und das vom frühen Morgen bis mindestens zum späten Nachmittag geöffnet sei. Auch die Familienangehörigen der Mitarbeiter könnten sich dort testen lassen, erläutert Herkenrath.
Bereits seit Dezember werde bei Adient getestet, in diesem Jahr habe es bereits drei groß angelegte Testaktionen gegeben, bei denen jeweils sieben Mitarbeiter mit der Organisation und Auswertung beschäftigt gewesen seien. Und es soll noch weitergehen: Laut Herkenrath befindet sich Adient in Gesprächen mit Arbeitgeberverband und Politik, weil es das Testzentrum auf dem Werksgelände um ein Mini-Impfzentrum ergänzen möchte, das ebenfalls nicht nur für Mitarbeiter zur Verfügung stehen könnte.
Borg Warner: Für Wochen gut aufgestellt
Ganz ähnlich äußert sich auch Mark Passolt, seit Jahresbeginn Werkleiter bei Borg Warner in Kirchheimbolanden. Auch dort beschäftigt man sich bereits mit dem Thema Impfungen und sieht sich da auf gutem Weg. Die Testverordnung bereite nun keinerlei Schwierigkeiten. „Bei uns ist alles vorbereitet“, umgehend könne im großen Stil getestet werden. Schon vor Wochen seien die Vorbereitungen angelaufen. „Wir haben natürlich damit gerechnet, dass es solche Forderungen geben wird“, sagt Passolt, „aber wir wollten das ohnehin von uns aus anbieten.“ Genügend Tests seien bereits vorhanden – „da sind wir für Wochen im Voraus aufgestellt“.
Auch bei der Kreisverwaltung wird die Vorgabe, die kommende Woche in Kraft treten soll, schon länger erfüllt. Einmal pro Woche könne sich schon seit geraumer Zeit jeder Mitarbeiter einen Selbsttest abholen, immer dienstags oder donnerstags, berichtet eine Sprecherin. Just in dieser Woche ändere sich das Verfahren: Statt der Abholung gibt es ab nun die Möglichkeit für alle Mitarbeiter, sich donnerstags direkt im Kreishaus testen zu lassen – dabei unterstütze eine Apotheke die Kreisverwaltung. Insofern ändere sich durch die neue Regelung nichts.
Handwerkskammer aufgeschlossen
Die Eisenberger Gießerei-Gruppe Gienanth bietet das Testen schon seit vergangenem Jahr an. „Wir machen da mehr, als es der Gesetzgeber von uns fordert“, sagt Simon Geib, Head Of Project Management und Business Development bei dem Traditionsunternehmen, nicht ohne Stolz. Mitarbeiter könnten sich so oft testen lassen, wie sie es für richtig hielten. Man habe mehrere Tausend Tests besorgt. „Sie sind in einer Arztpraxis ganz in der Nähe des Unternehmens gelagert. Da kann sich der Mitarbeiter dann auf unsere Kosten testen lassen“, erklärt Geib. Überdies gebe es seit neuestem auch Spucktests auf dem Firmengelände.
Doch die Regeln sollen nicht nur für die großen Betriebe gelten, sondern für alle Arbeitgeber – bis hin zum Bäcker von nebenan –, wie Elke Thum, Pressesprecherin der Handwerkskammer der Pfalz (HWK), bestätigt. Dies könne zwar Kosten und auch geringen Arbeitszeitverlust bedeuten, aber grundsätzlich sei die HWK aufgeschlossen gegenüber dem Vorhaben der Bundesregierung. „Es ist ja auch ein Beitrag für die Gesundheit der Mitarbeiter.“
Nicht jeder Betrieb muss Tests kaufen
Zumal es für Betriebe nach Lesart der HWK ausreiche, es ihren Mitarbeitern zu ermöglichen, in der Arbeitszeit ein kommunales Testcenter zu besuchen. „Es muss also nicht jeder Arbeitgeber zwingend eigene Tests besorgen.“ Wer dies doch tut, der könne die Kosten dafür möglicherweise in der Überbrückungshilfe geltend machen, erläutert Thum – „aber dazu haben wir noch nichts Schriftliches“.
Bis Mittwochnachmittag, dem ersten Tag nach der Verlautbarung der Bundesregierung, sei ihr jedenfalls kein Fall bekannt, in dem sich ein Betrieb wegen der Vorgaben an die Kammer gewandt habe. Thum berichtet auch davon, dass viele der Handwerksbetriebe ihren Mitarbeitern schon seit geraumer Zeit freiwillig Testangebote machten. Schon Anfang April hatte das HWK-Präsidium in einem Appell die pfälzischen Betriebe aufgefordert, „ihren Beschäftigten die Möglichkeit einzuräumen, regelmäßig Corona-Tests durchzuführen, und auch aktiv dafür zu werben“.