Göllheim RHEINPFALZ Plus Artikel VG Göllheim will sich mit neuem Tourismuskonzept zeitgemäß präsentieren

Der größte Teil des Zellertals – hier ein Blick über Weinberge und Niefernheim Richtung Donnersberg – liegt in der VG Göllheim.
Der größte Teil des Zellertals – hier ein Blick über Weinberge und Niefernheim Richtung Donnersberg – liegt in der VG Göllheim.

Tourismus spielt rund um den Donnersberg eine immer prominentere Rolle. Das wird auch in der VG Göllheim, einer der fünf Verbandsgemeinden im Kreis, so gesehen. Deshalb wurde dort ein neues Tourismuskonzept entwickelt. Anja Hartmetz hat mit Bürgermeister Steffen Antweiler darüber gesprochen.

Herr Antweiler, die Verbandsgemeinde Göllheim hat gerade ein neues Tourismuskonzept erarbeitet. Warum?
Das alte Konzept war nicht mehr zeitgemäß. Die Forderungen und Ziele, die dort niedergelegt waren, sind umgesetzt und erreicht. Wir wollen uns aber weiterentwickeln, auch in Sachen Tourismus, und unsere Angebote attraktiv präsentieren. Zudem ist auch der Kreis gerade dabei, ein neues Tourismuskonzept zu entwickeln. Da bot es sich an, dasselbe Beratungsbüro, die BTE Tourismus- und Regionalberatung, auch für uns in Anspruch zu nehmen und mitzuziehen, vor allem weil es in der heutigen Zeit ohnehin sinnvoll ist, wenn sich größere Einheiten gemeinsam vermarkten. Die Firma, die ihren Hauptsitz in Berlin hat, erstellt Tourismuskonzepte für Kommunen in ganz Deutschland und hat gute Referenzen. An der Erstellung der Konzepte werden die Kommunen und auch die Bürger selbst immer beteiligt, beispielsweise werden Workshops angeboten, an denen jeder, der Interesse hat, teilnehmen kann. So war das auch bei uns.

Wie genau geht das vonstatten?
In den Workshops wurden Ziele und Zielgruppen identifiziert und gefragt, welche touristischen Themen bei uns umgesetzt werden können und welche eher nicht. Es wurden auch Stärken und Schwächen analysiert. Die spezifischen Maßnahmen für die VG Göllheim sind in fünf Handlungsfeldern zusammengefasst. Diese sollen allen touristischen und kommunalen Akteuren als Richtschnur für die Entwicklung in den kommenden Jahren dienen. Die Workshopergebnisse wurden gutachterlich bewertet, und anschließend wurde in Rückkopplung mit der VG ein Maßnahmenplan erarbeitet. Besondere Zielgruppen für uns sind etwa die „aktiven Naturgenießer“. Sie haben als Leitmotiv: „auf abwechslungsreichen Rad- und Wanderwegen attraktive Landschaften, Land und Leute kennenlernen“.

Wo kann die VG Göllheim touristisch punkten?
Wir liegen zentral und sind gut an das Rhein-Main- und das Rhein-Neckar-Gebiet angebunden. Wir sind klein und idyllisch, es gibt gute landwirtschaftliche Produkte und ein abwechslungsreiches kulturelles Angebot. Wir sind in erster Linie eine Radfahr- und Wanderregion, die außerdem auch hervorragenden Wein hat. Wir haben bereits ein gutes Wanderwegenetz, beispielsweise im Zellertal, können aber auch mit dem Adolf-von-Nassau-Prädikatswanderweg punkten. Es gibt Führungen mit unseren Kultur- und Weinbotschafterinnen. Unser Radwegenetz wird gerade erweitert. Dabei legen wir natürlich keine komplett neuen Wege an, sondern wir nutzen soweit es geht bereits vorhandene Wirtschaftswege, die manchmal etwas ausgebaut werden müssen, zum Beispiel indem wir sie verbreitern oder einen für das Radfahren geeigneten Belag aufbringen. Was unseren Wein angeht, da tun die Winzer selbst schon allerhand, gerade auch in der Vermarktung.

Was könnte darüber hinaus noch besser gemacht werden?
Wir könnten noch besser werden beim Sichtbarmachen des Vorhandenen – es fehlen einfach auch Informationen über das Gesamtangebot. Die Außendarstellung könnte also noch besser sein. Grundsätzlich fehlen bei uns an manchen Stellen noch die Vernetzung und der Austausch. Und es gibt zu viel Kirchturmdenken.

Wo gibt es die größten Defizite?
Vom schlechten öffentlichen Nahverkehr einmal abgesehen leider da, wo wir als Verbandsgemeinde am wenigsten direkten Einfluss nehmen können, nämlich in der Gastronomie. Uns fehlen Restaurants, in denen Tagesausflügler zu Mittag essen können, uns fehlen aber vor allem auch Hotels zum Übernachten. Es gibt ein paar, und es gibt auch Ferienwohnungen, aber zu wenige. Wir bräuchten beispielsweise ein größeres Hotel, wo auch Bustouristen oder größere Gruppen, zum Beispiel Hochzeitsgäste, unterkommen könnten. Das Problem ist klar: Wenn es keine Gastronomen und Hoteliers gibt oder wenn die vorhandenen größere risikoreiche Investitionen scheuen, dann können wir als VG sie ja nicht zwingen. Was wir allerdings durchaus in der Hand haben: Wir können günstige Rahmenbedingungen schaffen.

Wie könnte das aussehen?
So, wie es uns beim neuesten Leuchtturmprojekt im Zellertal, der Weinlounge „Zellers“ in Albisheim, gelungen ist. Ursprünglich lautete die Idee ja, dass die VG ein Gelände in ihrem Besitz für einen Investor baufertig herrichten würde, also ein Grundstück mit Anschlüssen für Wasser, Abwasser, Gas und Strom versieht. Der Investor sollte dann in Abstimmung mit uns bauen. Gedacht war schon immer an einen Gastronomiebetrieb mit Vinothek. Wie Sie wissen, hat das dann allerdings wesentlich länger gedauert als geplant, weil auf dem Weg dahin zwei potenzielle Investoren abgesprungen sind. So hatten wir uns das natürlich nicht vorgestellt. Aber das Warten hat sich gelohnt. Jetzt haben wir mit dem „Zellers“ tatsächlich eine Weinlounge, die Gäste aus nah und fern anzieht. Ein Volltreffer. Und nicht zuletzt deshalb, weil wir als VG die Rahmenbedingungen so ansprechend wie möglich für den Investor gemacht haben.

Könnte die VG jetzt etwas Ähnliches in Sachen Hotelansiedlung in die Wege leiten?
Wir denken ernsthaft darüber nach. Aber solche Projekte stehen und fallen nun mal mit den Investoren. Und die zu finden, ist manchmal auch einfach Glückssache.

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