Bad Dürkheim / Rockenhausen
Sparkassen: Fusion zwischen Rhein-Haardt und Donnersberg?
Noch stehe man „ganz am Anfang“, sagt Günther Bolinius, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Donnersberg. Er bestätigt damit ebenso wie Thomas Distler, Vorstandsmitglied der Sparkasse Rhein-Haardt in Bad Dürkheim, entsprechende RHEINPFALZ-Informationen über „ergebnisoffene Sondierungsgespräche“ – an deren Ende ein Zusammenschluss stehen kann, aber nicht muss. „Wir sind in einem sehr frühen Stadium, noch haben keine Gespräche stattgefunden“, betont auch Distler.
Die Verwaltungsräte beider Kreditinstitute hätten aber ihrem jeweiligen Vorstand den Auftrag erteilt, einen Zusammenschluss zu prüfen. Beide Häuser seien „grundsolide aufgestellt“, ein Zusammenschluss sei „keine Notwendigkeit“, unterstreicht Distler. Auch Bolinius betont, dass es sich bei beiden Parteien um „von Grund auf solide Sparkassen“ handle.
Zunehmender Regulierungsdruck
Doch warum dann überhaupt die Gespräche? Banken und Sparkassen kämpfen seit Jahren mit Problemen: Dazu gehört die anhaltende Niedrigzinsphase ebenso wie das veränderte Kundenverhalten im Zeitalter der Digitalisierung, ein verschärfter Wettbewerb mit Online-Banken sowie die „überbordenden regulatorischen Anforderungen“, wie der Vorstandsvorsitzende der Donnersberger Sparkasse es ausdrückt. Tatsächlich hat der Regulierungsdruck, der sich mit der Finanzkrise im Jahr 2009 noch deutlich verschärft hat, bereits zu vielen Veränderungen in der Branche geführt. Denn: Je kleiner die Bank, desto schwerer wiegt die Belastung durch die vielen zusätzlich geforderten internen Prozesse.
Distler betont, dass es ein Paket verschiedener Entwicklungen sei, die eine gewisse Größe der Kreditinstitute nötig machten. „Durch einen möglichen Zusammenschluss wollen wir einen Mehrwert schaffen. Das haben wir bei der letzten Fusion auch so geschafft“, blickt Distler zurück. Die Sparkasse Rhein-Haardt in ihrer jetzigen Form ist aus einer Reihe von Fusionen hervorgegangen. Zuletzt hatten sich 2001 die Sparkasse Neustadt und die Kreissparkasse Bad Dürkheim-Grünstadt zur Sparkasse Mittelhaardt zusammengeschlossen. 2004 folgte die Fusion mit der Stadtsparkasse Frankenthal zur heutigen Sparkasse Rhein-Haardt.
Dürkheim wäre der größere Partner
Bolinius verweist auch auf die generelle Entwicklung der Sparkassen in Rheinland-Pfalz. In den vergangenen Jahren hat es etliche Fusionen gegeben, zuletzt waren in der Westpfalz Anfang 2021 die Kreis- und die Stadtsparkasse Kaiserslautern fusioniert, nachdem beide zuvor lange auch mit der Kreissparkasse Kusel verhandelt hatten.
Käme es zu einem Zusammenschluss, dann wäre das Dürkheimer Kreditinstitut der deutlich größere Partner. Die Sparkasse Rhein-Haardt wies zum Jahresende 2020 eine Bilanzsumme von 4,56 Milliarden Euro auf und beschäftigte 587 Mitarbeiter, die Sparkasse Donnersberg kam zuletzt auf 1,54 Milliarden Euro und 232 Mitarbeiter. Mit der Nachbar-Sparkasse verbinde die Donnersberger, „dass sich sie Geschäftsmodelle sehr ähneln“, sagt Bolinius. Beide fokussierten sich auf die regionale Wirtschaft und auf Kommunen, auch beim Umgang mit den Privatkunden seien die Vorstellungen sehr ähnlich. Schon lange stünden die beiden Sparkassen in engem Austausch. Das erste Gespräch sei noch nicht terminiert. Zuvor gebe es noch Vorarbeit zu leisten, beispielsweise müssten Bewertungsgutachten erstellt werden. Etwa ein halbes Jahr ist als Zeitrahmen für die Sondierungen angesetzt, dann sollen Ergebnisse vorliegen.
Keine Auswirkungen auf Geschäftsstellen
Das Geschäftsstellen-Netz – die Sparkasse Donnersberg verfügt noch über acht Filialen – sei für den Landkreis optimiert. Daher sollen weitere Schließungen im Rahmen einer möglichen Fusion kein Thema sein, versichert der Vorstandsvorsitzende – fusionsbedingter Stellenabbau ebenfalls nicht. Auch Thomas Distler sagt, dass sich am Filialnetz der Sparkasse Rhein-Haardt im Falle eines Zusammenschlusses nichts ändern werde: „In diese Richtungen gibt es keine Überlegungen.“ Beide Geschäftsgebiete grenzen im Leiningerland aneinander, aber überschneiden sich nicht. Zur Personalstärke nach einer möglichen Fusion könne er aber nichts sagen, da er die Strukturen der Donnersberger nicht kenne.
