Bolanden
Schreinerei Rehan nach Großbrand wieder voll in Betrieb
„Durch den Brand wurde alles auf Null gestellt“, sagt Andreas Rehan nachdenklich. „Dass wir nach einem Jahr hier stehen und alles komplett wieder läuft, das müssen wir erst noch so richtig begreifen.“ Anfang 2022 war die 500 Quadratmeter große Produktionshalle des Bruderpaars in den Bolander Klosterwiesen in den frühen Morgenstunden in Brand geraten. Zu retten war nichts mehr, die Halle lag hernach in Schutt und Asche, mitsamt einer Vielzahl von Maschinen und der Büroeinrichtung.
Doch Peter und Andreas Rehan und ihr fünfköpfiges Mitarbeiterteam ließen sich nicht entmutigen. Auf den großen Schock folgte der Entschluss, jetzt erst recht weiterzumachen. Binnen kürzester Zeit rüsteten sie die kleinere Lagerhalle, die verschont geblieben war, zur neuen Produktionsstätte um, und nur knapp drei Wochen nach dem Großbrand startete die Produktion wieder – wenn auch mit etwas eingeschränkter Kapazität. „Es war beengt, bei jedem Auftrag wurde viel hin- und hergeschoben“, lässt Peter Rehan die zurückliegenden Monate Revue passieren. Jetzt sei es „ein gutes Gefühl, nicht mehr improvisieren zu müssen“.
Viel Arbeit neben dem laufenden Betrieb
Denn die neue Halle steht, in ihrem Inneren ist der Schreinerei-Alltag wieder in vollem Gange. So als sei nichts gewesen. Dieser Eindruck entsteht auch deshalb, weil die Rehans ihre frühere Halle eins zu eins haben nachbilden lassen. Über Monate haben sie den Neubau vorbereitet, parallel zum laufenden Betrieb. „Wir haben das aufgeteilt“, schildert Peter Rehan. „Einer muss den Kopf frei haben für den Wiederaufbau.“ Also kümmerte er sich hauptsächlich um die Produktion, sein Bruder Andreas schmiedete die Pläne für die neue, alte Produktionshalle, rekonstruierte, wie die Maschinen standen. „Denn wir waren ja vorher hochzufrieden gewesen mit dem Aufbau.“
Überhaupt war es der große Anteil an Eigenleistung – von den Vorbereitungen für den Boden bis zum gesamten Innenausbau –, der „das Wunder“, wie die Rehans es nennen, ermöglicht hat. „Unsere Versicherung meinte, dass es im Schnitt dreieinhalb Jahre dauert, bis nach einem Brand dieser Größe alles wieder komplett ist. Da merken wir immer wieder, was unser Team und unser Umfeld geleistet haben“, sagt Andreas Rehan.
Aus Geschäftsbeziehungen werden Freundschaften
Kunden und Lieferanten, Kollegen und Konkurrenten, Freunde und Nachbarn, viele haben mit angepackt. „Wir hatten durchweg Unterstützung“, sagen die Rehans dankbar. Schon gleich nach dem Brand hatten Kollegen Lagerkapazitäten zur Verfügung gestellt, hatten geholfen, Ersatzmaschinen zu beschaffen, zudem waren Geld- und Sachmittelspenden im fünfstelligen Eurobereich bei den Rehans eingegangen. In dieser Zeit seien auch aus vielen geschäftlichen Beziehungen Freundschaften entstanden.
Als nicht minder bedeutend empfinden die Rehans den Zuspruch, den sie über all die Monate erhalten haben. „Wir wurden immer motiviert durch Kunden, unsere Mitarbeiter und so viele Leute, die das mitgetragen haben.“ Denn obwohl sie „immer positiv geblieben“ seien, war es „eine sehr intensive, sehr schwere Zeit“ für die Rehans. Neben der zusätzlichen Zeit und Energie, die sie aufwenden mussten, war der Brand – trotz guter Zusammenarbeit mit der Versicherung, wie sie unterstreichen – auch ein finanzieller Rückschlag.
Einweihungsfeier am Samstag
Die eingeschränkten Kapazitäten waren gleichbedeutend mit einer Durststrecke, wie Andreas Rehan konstatiert. „Wir hatten nach einem zuvor guten Jahr Rücklagen, aber eine ganze Zeit haben wir Aufträge nur ausgeführt, um das Minus zu reduzieren.“ Doch die Kunden waren geblieben – „und irgendwann hat sich das Blatt gewendet“. Für einen Großauftrag bauten sie sogar ein Zelt auf, weil es in der ehemaligen Lagerhalle zu eng geworden war. „Eigentlich war der Auftrag damals zu groß für die Situation, aber er war eine Chance, hat uns auch finanziell geholfen“, sagt Andreas Rehan. Und mittlerweile, gut ein Jahr nach dem Brand, laufe „der Betrieb wieder wie vorher“. Die Belegschaft ist sogar um einen Azubi gewachsen.
Und so soll die Einweihungsfeier für die neue, alte Halle „im Zeichen der Dankbarkeit stehen“. Durchaus auch mit etwas Stolz wollen die Schreiner am Samstag, 11. März, ihre wiederhergestellte Produktionsstätte allen zeigen. Um 11 Uhr beginnt in der Werner-von-Bolanden-Halle, gegenüber der Schreinerei, ein Dankesgottesdienst. Danach gibt es Essen und Trinken, zwischen 13 und 18 Uhr starten Führungen durch den Betrieb, eine Bilderwand mit mehr als 100 Fotos dokumentiert den Zeitraum vom Brand bis zum Wiederaufbau. „Das Fest soll auch für uns ein Abschluss des Ganzen sein“, sagt Peter Rehan. Ab jetzt gelte es, den Blick endgültig nur noch nach vorn zu richten.