Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Schlosshotel: Kein Verkauf und Suche nach neuen Pächtern

Bislang ist das Rockenhausener Schlosshotel (im Hintergrund) mit seinen rund 50 Betten und das zugehörige Restaurant (vorne) ste
Bislang ist das Rockenhausener Schlosshotel (im Hintergrund) mit seinen rund 50 Betten und das zugehörige Restaurant (vorne) stets aus einer Hand betrieben worden. Nun gibt es Überlegungen, die Bereiche getrennt zu verpachten – entschieden ist aber diesbezüglich noch nichts.

Verkauf oder Verpachtung: Vor dieser Entscheidung steht die Stadt Rockenhausen beim Schlosshotel. Für die künftige Nutzung der Immobilie liegen mehrere – teils noch vage – Vorschläge auf dem Tisch. Die große Mehrheit der Stadtratsmitglieder ist sich zumindest einig, was sie derzeit auf keinen Fall will.

Das desaströse Kapitel Prima Hotels ist, zumindest was die Präsenz des insolventen sächsischen Unternehmens anbelangt, seit Ende Februar Geschichte. Nun steht das Rockenhausener Schlosshotel leer – und der Stadtrat vor der schwierigen Frage, ob das Haus trotz der damit verbundenen finanziellen Belastungen weiter in städtischem Besitz bleiben oder verkauft werden soll.

Stadtbürgermeister Michael Vettermann (FDP) nannte am Montag in der gemeinsamen Sitzung von Stadtrat sowie Haupt- und Finanzausschuss zunächst Fakten: Die Pachtrückstände durch Prima Hotels belaufen sich auf knapp 200.000 Euro, die langfristigen Schulden der Stadt als Besitzer auf 1,57 Millionen Euro. Diese sind bis 2051 zurückzuzahlen, wobei der jährlich zu leistende Kapitaldienst im Laufe der Zeit abnimmt – von derzeit über 100.000 Euro per anno auf 56.000 Euro im Jahr 2051. Erster Beigeordneter Werner Dietz (CDU) wies darauf hin, dass selbst bei konstanten Pachteinnahmen auf absehbare Zeit „mit einem Betrag von 70.000 Euro gerechnet werden muss, den die Stadt jährlich zuschießt“. Vettermann nannte ferner Betriebs- und Unterhaltungskosten von je 20.000 Euro pro Jahr, die mit ins Kalkül gezogen werden müssten.

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Verkauf für Stadtrat (noch) kein Thema

Dennoch: Für den Rat ist ein Verkauf (noch) kein Thema. Lediglich Beigeordneter Björn Müller (FWG) vertrat die Ansicht, wer knapp bei Kasse sei, „leistet sich kein Gebäude, bei dem er drauflegt“. Joseph Blaum (SPD) und Manfred Adam (FWG) betonten dagegen, „dass wir in Rockenhausen weiterhin Betten brauchen“ und der Stadt auch die Gastronomie gut zu Gesicht stünde. Helmut Gass (FDP) wollte ebenfalls „zunächst versuchen, das Haus im Eigentum der Stadt zu behalten – und wenn es zu einer etwas geringeren Pacht ist“. Jan Krebs (SPD) gab zu bedenken, „dass die Käufer auch nicht Schlange stehen und einen super Preis bezahlen“.

Unterschiedlich fiel nur die Bewertung für den Fall aus, dass sich kein Pächter findet. Während Dietz sagte, „ein Verkauf ist von vorneherein nicht unser Ziel, wir sollten die Möglichkeit aber nicht ausschließen“, hob Blaum hervor, für die SPD „ist ein Verkauf derzeit keine Option“. Einigkeit bestand aber darin, vorerst alle Ideen jenseits der Veräußerung auszuloten – auch wenn ihm dann, so Vettermann, angesichts der finanziellen Lage der Stadt von übergeordneter Stelle „sicher der Wind entgegen bläst. Deshalb brauchen wir rasch ein belastbares Konzept.“

Kontakt zu Beratungsbüros für Vermarktung

Vettermann und Dietz informierten weiterhin über erste Kontakte zu zwei Beratungsbüros – „Profis in der Vermarktung von öffentlichen Gebäuden mit dem Schwerpunkt auf Gastronomie“, so der Stadtchef. Ob – und wenn ja, in welcher Form und Intensität – zumindest einer der Anbieter in die weitere Suche eingebunden wird, blieb vorerst offen.

Aktuell gibt es drei mehr oder weniger konkrete Vorschläge für eine neue Verwendung. Dem Bürgermeister zufolge könnte sich ein Interessent aus der Branche, der aber in diesem Jahr noch vertraglich gebunden sei, zu einem späteren Zeitpunkt die Übernahme des gesamten Komplexes vorstellen. „Noch in diesem Jahr“, so Vettermann, werde man erneut das Gespräch suchen.

Vorschläge: Musikakademie und Inklusionsbetrieb

Zweitens: Die Kirchheimbolander Kulturveranstalterin Lydia Thorn Wickert – in Rockenhausen unter anderem als Organisatorin des Festivals Neue Musik bekannt – hat ein Konzept zur Gründung einer internationalen Musikakademie eingereicht. Das Personal für den „Mischbetrieb aus Hotel und Kultur“ möchte sie aus Studenten-Kreisen rekrutieren. Ihre Vorstellungen reichen von Tagungen, Orchester-Workshops und Fachvorträgen über Konzerte und Meisterkurse bis hin zu Kooperationen mit anderen Akademien.

Nicht zuletzt hat die aus Katzenbach stammende Anna Schreiber angeregt, das Hotel unter Einbindung beeinträchtigter Menschen als Inklusionsbetrieb zu führen. Zwei Zielgruppen hat sie im Visier: An den Wochenenden Familien, unter der Woche Geschäftsreisende. Für Letztere schlägt sie die Einrichtung sogenannter Coworking-Bereiche – zeitlich flexibel anzumietende Arbeitsplätze – vor. Räume für Gründer-Beratung, Seminare, Konferenzen und kleinere Messen sind weitere Elemente. Im Haus sollen nur Frühstück und Snacks angeboten werden. Dietz teilte mit, dass das Diakoniewerk Zoar das Projekt unterstützen, nicht aber als Betreiber einsteigen würde. Diesbezügliche Partner müssten also anderweitig gesucht werden.

Trennung von Hotel und Gastronomie?

Vettermann betonte denn auch, bei beiden Entwürfen „fehlt mir ein bisschen, wie die Finanzierung stattfinden soll“. So sei jeweils unklar, wer das Haus betreiben würde. Ein Zweites ist den Ansätzen gemeinsam: Sie beinhalten zumindest die Möglichkeit einer Trennung von Hotel und Gastronomie – für Letztere müsste dann ein gesonderter Pächter gefunden werden. Eine Option, die mehrere Ratsmitglieder gerade als Chance sahen. Barbara Dietz (CDU) sagte, „dass sich so die große finanzielle Belastung vielleicht besser verteilt“. Blaum hielt ebenfalls „die beiden ganz unterschiedlichen Konzepte für interessant, wir sollten sie weiter verfolgen“, während Erich Schneider (SPD) auch die Lösung mit nur einem Pächter für Hotel und Restaurant im Auge behalten wollte.

Klar ist: Vor einer Entscheidung sind etliche weitere Gespräche notwendig. Vettermann: „Wir werden uns sicher die nächste Zeit noch öfter zu diesem Thema sehen“ ...

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