Donnersbergkreis
Sankt Alban: Kita-Bau wird zum Wettlauf mit der Zeit
Zum 1. Januar soll – besser gesagt muss – die neue Kita im „Delwer Bürgertreff“ in Sankt Alban öffnen. Das wird knapp. Mittlerweile gibt es aber noch ein weiteres Problem: Die Kosten fallen deutlich höher als zunächst angenommen aus. Diese Woche hat der VG-Rat diskutiert, wie’s weiter geht. Intensiv, konstruktiv – und am Ende waren alle einer Meinung.
Die Situation
Im Einzugsgebiet des VG-Kita-ROK-Standortes Würzweiler sind wegen gestiegener Kinderzahlen die Plätze so knapp geworden, dass ohne zusätzliche Kapazitäten ab Januar der Rechtsanspruch der Eltern nicht mehr garantiert werden kann. Deshalb soll die leerstehende Gaststätte des „Delwer Bürgertreffs“ zur Kindertagesstätte umgerüstet werden (wir berichteten mehrfach). Das ist mit veranschlagten 500.000 Euro nicht nur billiger als ein Neubau – die Ortsgemeinde spart außerdem Geld für die Unterhaltung und bekommt zusätzlich von der VG Miete gezahlt.
Notwendig sind aber zwei weitere Investitionen: Für die angegliederte Halle werden separate Toiletten errichtet – die bisherigen werden in die Kita integriert und kindgerecht umgebaut. Zudem soll ein Lager für Stühle, Bühnenteile und mehr angebaut werden. Hintergrund: Den großen Saal dürfen die Kinder auch als Turnraum nutzen, weshalb dieser nach Veranstaltungen komplett geräumt werden muss. Für die beiden Maßnahmen wurde mit Kosten von 120.000 Euro gerechnet – bislang.
Die Probleme
Denn nach der Ausschreibung taxiert der stellvertretende Bauamtsleiter Michael Groß den Betrag auf 227.000 Euro – eine Steigerung von rund 90 Prozent. Mehrere Faktoren macht er dafür verantwortlich: „Sehr dürftig“ sei die Beteiligung der Firmen gewesen. Für zwei Gewerke sei etwa gar kein Angebot eingegangen. Gründe seien das enge Zeitfenster, das eher geringe Auftragsvolumen und die derzeit vollen Auftragsbücher der Handwerker. Allein 52.000 Euro liege man hier über der Planung. Die gute Nachricht: „Bis auf das Gewerk Heizung haben wir inzwischen überall Auftragnehmer an der Hand.“ Weitere 35.000 Euro gehen auf das Konto einer fehlerhaften Kostenermittlung. 15.000 Euro teurer wird schließlich der Anbau der Ortsgemeinde, weil diese das Lager gerne um Nebenräume für die Hallenküche erweitern möchte.
Kopfzerbrechen bereitet auch der Faktor Zeit: Sowohl für Lager und WC als auch für den Umbau der Gaststätte selbst wird mit vier Monaten Bauzeit kalkuliert. Die Arbeiten der Ortsgemeinde sollen allerdings rund einen Monat früher starten. Grund: Erst wenn die neuen Toiletten vorhanden sind, kann der Abriss und Neubau der alten beginnen. „Bei optimalem Verlauf“, so Groß, könnte das Lager im Januar, die komplette Maßnahme im Februar fertiggestellt sein – eigentlich zu spät.
Der Notplan sieht vor, dass bis Anfang Januar zumindest eine Gruppe zur Verfügung steht, da ja nicht alle Kinder „auf einen Schlag“ betreut werden müssen. „Bei jeder weiteren Verzögerung, auch nur um Tage, funktioniert das so nicht mehr“, betonte Groß. Und Verbandsbürgermeister Michael Cullmann ergänzte: „Wenn wir heute zu einem positiven Ergebnis kommen, dann rollen ab nächster Woche die Bagger.“ Im „Worst Case“ muss mit einem Container überbrückt werden. Ein solcher kostet aber rund 10.000 Euro plus 2000 Euro Miete pro Monat – vom Platzmangel darin ganz zu schweigen.
Wenigstens eine Hürde ist genommen: In dieser Woche habe die Kreisverwaltung die Baugenehmigung erteilt, so Cullmann, auch die SGD Süd hat das Vorhaben positiv beurteilt.
Die Alternativen
Laut Groß könnten die Mehrkosten zum Teil kompensiert werden: etwa durch Verzicht auf die Dachbegrünung und den Bodenbelag beim Lagerraum (rund 10.000 Euro) und/oder die Verkleinerung des Lagers (30.000 Euro) – was allerdings wieder die Nutzung der Halle als Turnraum erschwert. Ortsbürgermeisterin Petra Becher stellte in Aussicht, dass die Gemeinde die 15.000 Euro für die Funktionserweiterung des Anbaus übernimmt – ein Vorschlag, den der Gemeinderat am Donnerstagabend abgesegnet hat.
Alle weiteren von Groß genannten Optionen – unter anderem Neuausschreibung, Prüfung eines alternativen Kita-Standorts oder Veränderungen bei der Bauweise des Lagers – brächten entweder keine Verbesserungen oder kosteten zusätzlich Zeit und Geld.
Die Diskussion
Intensiv hat der Rat die Situation erörtert. Norbert Ritzmann (SPD) wollte unter anderem wissen, ob auch für den Kita-Umbau selbst mit einer solchen Preissteigerung zu rechnen sei. Das verneinte Groß mit Verweis auf detailliertere Kostenberechnungen in diesem Bereich. Jürgen Christmann (Die Nordpfälzer) fragte, ob Kinder vorübergehend in Mannweiler-Cölln und Münsterappel betreut werden könnten. Cullmann: „In Einzelfällen müsste man nachfragen, in Gruppengröße sicher nicht.“ Und die CDU (Harald May, Petra Frey) insistierte einmal mehr auf eine Bestätigung, dass die nahegelegene Biogasanlage keine gesundheitliche Gefährdung für Kinder darstelle. Ein Anruf beim Landesamt habe ergeben, dass ein solches Testat noch eingeholt werden soll. Davon zeigte sich Cullmann verwundert, da die SGD Süd ja bereits positiv beschieden habe, sicherte jedoch eine Nachfrage zu. Helmut Faller (Nordpfälzer) beantragte eine fünfminütige Unterbrechung, um sich zu beraten.
Das Ergebnis
Ritzmann plädierte dafür, „das Projekt so durchzuziehen – ohne Verkleinerung, ohne Wegfall der Dachbegrünung und des Bodenbelags“. Christian Rupp (CDU) pflichtete ihm bei, „dass für mich ,Delwe' das Energiedorf schlechthin ist, einen Verzicht auf die Begrünung hielte ich für fatal“. Auch Helmut Gass (FDP) sprach sich dafür aus, keine Abstriche zu machen und die Mehrkosten – rund 92.000 Euro – per Nachtrag einzustellen. Faller signalisierte für die Nordpfälzer ebenfalls Zustimmung, bat aber wie May um kein „Schnell-Schnell“ beim Bau: „Im Zweifelsfall sollten wir doch auf Container zurückgreifen.“ May sagte, auch die CDU sei einverstanden, „wir wollen das Optimale für die Kinder“. Bedingung sei aber das Vorliegen der Betriebserlaubnis – Stichwort Biogasanlage. Am Ende stimmten alle dafür, die Arbeiten wie geplant auszuführen.
Sankt Alban wird die sechste Einrichtung unter dem Dach der VG Kita ROK, in der seit 2017 die Kindertagesstätten in Trägerschaft der Verbandsgemeinde Rockenhausen organisatorisch und pädagogisch zusammengefasst sind. Deren Gesamtleitung Claudia Manz-Knoll zeigte sich wie die „Delwer“ Ortsbürgermeisterin Petra Becher („Wir wollen das unbedingt“) froh über den Ausgang: „Die Familien haben große Sorgen, dass sie keine Betreuungsplätze bekommen. Deshalb danke ich Ihnen sehr für Ihre konstruktive Haltung.“
Zur Sache: Zusätzliche Plätze auch für Gundersweiler
Zusätzliche Plätze werden auch am VG Kita ROK-Standort Gundersweiler benötigt. Hier wird der gestiegene Bedarf durch einen Anbau am bestehenden Gebäude gestillt. Harald May (CDU) erkundigte sich in der Sitzung des VG-Rates nach dem Sachstand. Der stellvertretende VG-Bauamtsleiter Michael Groß sagte, dass er die mündliche Zusage der Kreisverwaltung habe, einer Baugenehmigung stehe „nichts im Wege“. Dieser Tage soll die Maßnahme ausgeschrieben werden, die Submission ist für 18. Oktober vorgesehen. Für die neuen Räume mit einer Fläche von 102 Quadratmetern sind Kosten in Höhe von 358.000 Euro veranschlagt. Der Betrag sei unter anderem deshalb so hoch, weil die Pellets-Heizung samt Tank wegen der Erweiterung ins Obergeschoss umgelagert werden muss. Auch hier ist das Ziel, bis 1. Januar mit den Arbeiten fertig zu sein.