Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Ritterorden will Schlosshotel kaufen: Wer steckt dahinter?

Bei ihren Zusammenkünften tragen die Ritter ihre Gewänder, wie hier bei einem Treffen in Bayern Anfang November, an dem auch Udo
Bei ihren Zusammenkünften tragen die Ritter ihre Gewänder, wie hier bei einem Treffen in Bayern Anfang November, an dem auch Udo Krauß (3.v.li.) und Mathias Zinke (3.v.re.) teilgenommen haben.

Ein Ritterorden will das Schlosshotel Rockenhausen kaufen. Wer verbirgt sich hinter dieser Vereinigung, und was treibt sie an? Zwei Ritter lüften das Geheimnis.

Eine Rüstung tragen sie nicht, und auch sonst deutet nichts auf ihren ritterlichen Stand hin. Und doch ist für Udo Krauß aus Lautersheim und Mathias Zinke aus Saarbrücken ihre Zugehörigkeit zu dem „Ritterorden des salomonischen Tempels zu Jerusalem“ keine klangvolle Nebensache in ihrem Leben, sondern die bewusste Entscheidung für eine innere Haltung. Wir fragten nach.

Sie nennen sich „Ordensritter des salomonischen Tempels zu Jerusalem“. Wer sich über das Thema „Tempelritter“ schlau machen möchte, stößt aber auf jede Menge ähnliche Namen und Zusammenschlüsse. Was genau steht nun hinter diesem Orden?
Zinke: Der Ritterorden des salomonischen Tempels zu Jerusalem blickt auf eine lange Tradition zurück und ist bemüht, diese gegenwartsnah zu befolgen. Er beruft sich auf die 72 Regeln der Version der Statuten des Templerordens, die 1129 auf der Synode von Troyes in lateinischer Sprache verfasst wurden und seit dem Jahre 1139 überarbeitet als ,Lob der neuen Ritterschaft vom Heiligen Bernhard von Clairvaux’ festgelegt sind.

Krauß: Allerdings angepasst an die heutige Zeit. Leben in Keuschheit ist beispielsweise heute keine Maxime mehr. Ebenso wenig muss man zwei Mal die Woche Fleisch essen – ich selbst bin Vegetarier. Aber dass man für die Armen und Schwachen der Gesellschaft sorgen soll, das ist immer noch aktuell.

Welches sind die ritterlichen Werte, auf die sich der Orden bezieht?
Zinke: Als Grundlagen der Ritterlichkeit gelten Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Besonnenheit. Den Ritter sollen Beständigkeit, Selbstdisziplin, Treue und Mildtätigkeit auszeichnen. Diese Grundhaltungen sind auch heute geeignet, der Gesellschaft als Orientierung zu dienen.

Was macht den Orden sonst noch aus?
Krauß: Unser Orden lebt mit und für unseren christlichen Glauben, dennoch achten und tolerieren wir die Glaubensfreiheit jedes Menschen – wir haben auch Muslime in unseren Reihen. Was wir aber strikt ablehnen, ist jede Form von Extremismus, sowohl politisch als auch religiös. Die Tempelritter des ,Ordo Supremus Militarisque Templi Salomonici’ – so unser lateinischer Name – unterstützen soziale, karitative Einrichtungen und humanitäre Hilfsprojekte und fördern auch ausgewählte kulturelle, künstlerische und andere Veranstaltungen.

Und was unterscheidet diesen Orden von anderen Templerorden?
Zinke: Unsere Großmeister sind in 46. Generation Nachfolger der früheren Tempelritter. Sie alle stammen aus der Erbfolge der Merowinger-Könige. Und auch nur diese Adligen dürfen Großmeister werden. Derzeit gibt es einen deutschen Großmeister. Wer das ist, wird allerdings auf seinen ausdrücklichen Wunsch geheim gehalten. Unter seinem Einfluss sind wir derzeit in Deutschland verstärkt im Einsatz. Von hier stammen allerdings nur rund 1000 Mitglieder. Rund 16.000 sind wir weltweit.

Werden die Mitglieder berufen?
Krauß: Nein, wer sich für eine Mitgliedschaft interessiert, meist geschieht das über private Kontakte zu anderen Mitgliedern, der kann bei den Treffen zunächst als Besucher dabei sein und muss dann eine bestimmte Aufnahmeprozedur durchlaufen. Dabei geht es in erster Linie darum zu prüfen, ob das Neumitglied tatsächlich in den Orden passt. Irgendwelche obskuren Aufnahmerituale, wie mancherorts befürchtet, gibt es nicht, da können wir alle Interessenten beruhigen.

Warum ist über den Orden kaum etwas im Internet zu finden?
Zinke: Die Ritter haben bislang eher im Geheimen agiert. Erst in jüngster Zeit öffnen wir uns stärker für die Öffentlichkeit. Gerade im Hinblick auf das Schlosshotel wollen wir mit dem Schritt in die Öffentlichkeit auch Bedenken und Skepsis abbauen. Übrigens: Wer Kontakt zu uns aufnehmen möchte, kann das gerne tun über ein Formular im Internet unter www.osmts.info.

Wie sieht das Leben eines Ritters im Orden konkret aus? Was muss er tun, was darf er nicht tun?
Zinke: Es gibt regelmäßige Zusammenkünfte, bei denen sich Ritter der unterschiedlichen Komthureyen treffen. Wir vertreten die Komthurey Saar-Mosel-Pfalz. Dabei steht einerseits der Austausch im Mittelpunkt, aber es werden auch Impulsreferat gehalten, beispielsweise zu der Entstehung des Ordens und seinen Aufgaben, zu der Zeit der Kreuzzüge oder zu modernen Themen wie dem Nahostkonflikt. Wichtig sind auch die gemeinsamen Mahlzeiten im ursprünglichen Sinne von „das Brot teilen“. Die Atmosphäre bei diesen Treffen ist angenehm. Natürlich werden auch aktuelle politische Themen angesprochen, aber die Debatten verlaufen ruhig und sachlich. Wir haben keine Stammtischkultur.

Was bewegt jemanden, heute als Ritter auftreten zu wollen?
Zinke: Es ist der Wunsch, Werte zu teilen. Sich durch den Austausch mit Gleichgesinnten und den gegenseitigen Respekt auch als Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Und es sind die Tugenden, die man in der Gemeinschaft pflegen und festigen will. Ich persönliche freue mich immer auf unsere Treffen. Sie sind sehr bereichernd. Sie geben zahlreiche Impulse für das eigene Leben, sie wirken wie eine moralische Orientierung, die immer wieder erneuert wird.

Welche Rolle spielen Frauen in ihrem Orden? Regeln 54 lautet ja, es soll keine Ordensschwestern geben.
Krauß: Es gibt auch Ordensfrauen, das gab es ja auch traditionell schon. Sie hatten natürlich früher ganz andere Aufgaben, sind aber heute gleichwertiger Teil des Ordenslebens.

Gibt es auch Rituale?
Zinke: Ja, wir tragen als Ritter unsere weiße Mäntel, anhand der Schärpe lassen sich dann die Aufgaben des Einzelnen ablesen. Wir teilen nach einem bestimmten Ritual das Brot, und wir werden tatsächlich zu Rittern geschlagen nach einer längeren Probezeit. Das sind Beispiele für Rituale, die uns wichtig sind und uns verbinden.

Hinter dem Orden steht eine Stiftung. Woher hat sie ihr Geld?
Krauß: Der Geschäftsführer der Stiftung ist Prinz Philip von Thurn und Taxis. Es stehen aber auch zahlreiche andere Adlige und Großunternehmer dahinter, die Kapital einbringen. Wie viel das ist, können wir hier nicht sagen. Und wir können auch nicht viele Namen nennen, das wollen die Betreffenden nicht. Wenn es hier aber vonseiten der Stadt Rockenhausen Skepsis geben sollte, dann lässt sich das bei einer Bonitätsprüfungen ohne weiteres aus dem Weg räumen. Wir können versichern, dass wir unser Wunschprojekt in jedem Fall umsetzen können, und zwar ohne dabei auf Gewinne angewiesen zu sein. Natürlich soll sich das Ganze auch tragen, aber wir können problemlos magere Zeiten überstehen. Der Orden macht mit anderen Projekten Gewinne, beispielsweise im Bereich der Wasserstoff-Energiegewinnung und der Solarenergie. Das hält uns den Rücken frei für unser Engagement im karikativen Bereich.

Und wie kamen Sie zu der Idee Pflegehotel?
Krauß: Ursprünglich haben wir uns nach einem Bauerhof umgesehen, in dem wir eine Alten-WG gründen wollten. Das würde uns auch nach wie vor gefallen. Als dann bekannt wurde, dass das Schlosshotel frei wird, erschien uns das eine gute Lösung. Der Vorteil hier, die alten Leute, die bei uns einziehen, wären mitten in der Stadt, also mitten im Leben. Es ist ja auch unser Ziel, die Innenstadt von Rockenhausen mit dem Projekt zu beleben. Zudem ist das Schlosshotel wirklich ein attraktives Objekt. Und dass es die Zustimmung des Fürsten von Thurn und Taxis findet, liegt vielleicht auch ein wenig daran, dass das Schloss im Jahre 1549 von einem Junker Hans Jakob zu Thurn erworben wurde. Es gibt also tatsächlich eine verwandtschaftliche Beziehung.

Aber es soll nicht um eine Pflegeeinrichtung gehen?
Krauß: Nein, um eine Wohn- und Lebensgemeinschaft, in der man zwar Hilfsangebote durch ambulante Pflegedienste annehmen kann, die Menschen aber noch keinen hohen Pflegebedarf haben. Und, das ist uns ganz wichtig, auch nicht als Luxusangebot für betuchte Menschen. Es soll vor allem und gerade für Menschen erreichbar sein, die sich im Alter eher strecken müssen. Und die der Alterseinsamkeit entgehen wollen.

Daneben soll das Hotel aber weiterhin als Hotel genutzt werden?
Zinke: Genau. Der Gastronom, den wir als Pächter suchen und einsetzen wollen, hat dann seine sicheren Einnahmen durch die ständige Versorgung der alten Leute. Aber er hat auch die Einnahmen durch das Hotel. Und was die Pacht anbelangt, werden wir sicher unter den marktüblichen Preisen bleiben.

Und was, wenn es keinen Bedarf an diesen Wohnungen für Ältere gibt? Wenn niemand da einziehen will?
Krauß: Das kann ich mir nicht vorstellen. Aber es wäre sicher auch eine Frage der guten Vermarktung. Und das Angebot wäre ja auch nicht auf Rockenhausener begrenzt. Aber natürlich würden wir die baulichen Anpassungen für barrierefreie Wohnungen nach und nach vornehmen, um damit auf den Bedarf reagieren zu können. Und falls wirklich niemand Interesse hätte, was ich wie gesagt nicht glaube, würden wir das Ganze komplett als Hotel und für Veranstaltungen nutzen.

Würden Sie auch pachten?
Zinke: Vorübergehend. Bis die Stadt davon überzeugt ist, dass es sich um ein gutes Projekt handelt, das der Stadt hilft und nicht schadet. Aber für uns geht es um einen Kauf. Auf Dauer pachten werden wir nicht.

Und was, wenn sich der Rockenhausener Stadtrat gegen Sie entscheidet?
Krauß: Das wäre schade, uns gefällt das Schlosshotel wirklich gut. Aber wir haben auch andere Projekte im Blick. Einige davon auch in anderen Teilen des Donnersbergkreis, denn es wäre mir als Donnersberger ein Herzenswunsch, hier etwas umzusetzen. In jedem Fall werden wir dieses Projekt verwirklichen, ob in Rockenhausen oder anderswo.

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