Rockenhausen
Ritterorden stellt Konzept für Schlosshotel vor
Eines sei ihm ganz wichtig, so Mathias Zinke, einer der drei Ordensvertreter, die zu der Stadtratssitzung nach Rockenhausen gekommen waren: Die Gastronomie in dem Hotel soll nach den Plänen des Ordens keine „Schicki-Micki“-Ansprüche erfüllen. „Wir wollen kein Nobelrestaurant entstehen lassen, sondern eine regional ausgerichtete Küche, die für jeden erschwinglich und attraktiv ist.“
Das Konzept sieht neben Hotelbetrieb und Gastronomie auch eine Nutzung als Wohnanlage für ältere Menschen mit leichtem Pflegebedarf vor. „Es soll kein Altersheim werden. Vielmehr sollen hier Menschen leben können, die es zuhause nicht mehr schaffen und die für das Altersheim noch zu fit sind“, erläuterte dazu Udo Krauß. Er hatte sich zuvor als Ordensvertreter mit regionaler Anbindung dem Stadtrat und den fast 30 Zuhörern vorgestellt. Er sei in Göllheim geboren, lebe immer noch in der Region und fühle sich daher dem Donnersbergkreis verbunden. Das Projekt „Schlosshotel“ habe er seinem Orden angetragen, nachdem dort der Entschluss gefasst wurde, sich karitativ zu engagieren. Geldgeber dafür soll eine Stiftung sein, die in Liechtenstein angesiedelt ist und nach Auskunft der Ordensvertreter über „hinreichend finanzielle Mittel“ verfügt.
Kein Nobelrestaurant
Nach den ersten Plänen könnte im vorderen Teil des Hotels parallel zu der Wohneinheit für alte Menschen ein normaler Hotelbetrieb laufen. Die Küche würde zweigleisig fahren: Zum einen als Vollversorger der Senioren, zum anderen beispielsweise als Anlaufpunkt für einen Mittagstisch der Stadtbesucher und der Arbeiter in den Betrieben der Stadt. Im Abendbetrieb wäre eine „ganz normale“ Gastronomie mit regionalen Angeboten denkbar. „Natürlich sollen die Menschen hier auch ihr Schnitzel essen können“, sagte Zinke.
Dass man mit dem Konzept noch völlig am Anfang stehe und es zunächst um einen Einstieg in das Thema gehe, betonte Stadtbürgermeister Michael Vettermann im Laufe der anschließenden Diskussions- und Fragerunde immer wieder. Dabei zeigten sich etliche Stadträte skeptisch oder machten zumindest deutlich, dass sie noch etliche Fragen unbeantwortet sehen.
Vor Isolation bewahren
Dass ein solches Wohnprojekt für ältere Menschen mit einem Hotelbetrieb verbunden werden kann, stellten einige Ratsmitglieder wie Thorsten Trost und Ingrid Gehm generell in Frage. An diesem Punkt aber blieben die Ordensvertreter eindeutig. „Es geht genau um diesen Aspekt, dass wir ältere Menschen mit dieser Wohnform mitten in der Stadt und angebunden an ein offenes Haus vor Isolation bewahren möchten“, so Krauß. Es soll also in jedem Fall möglich sein, dass auch die alten Bewohner Mahlzeiten in dem Restaurant einnehmen. Natürlich werde es aber auch einen Rückzugsraum geben. „Ich könnte mir vorstellen, dass die älteren Bewohner auch gerne bisweilen ihre Ruhe haben wollen“, sagte Zinke. Wie das alles im Detail gestaltet werden sollte, das müsse man in weiteren Gespräche zusammen mit der Stadt entwickeln.
Auch die Ankündigung, eine medizinische Versorgung rund um die Uhr zu gewährleisten, sorgte für Skepsis. „Woher soll dieses Personal denn kommen?“, fragte Christine Glaß.
Anbieter vor Ort einbinden
Die Lage sei, räumte Zinke ein, im Donnersbergkreis nicht anders als beispielsweise im Saarland, woher er stamme. „Aber das darf uns nicht abschrecken.“ Man werde sich diesem Thema annehmen, wenn ein genaues Konzept ausgearbeitet wird. „Aber ich kann sagen, dass wir in unserem Orden auch genügend Pflegekräfte und Mediziner haben, die sicher bereit wären, die ein oder andere Lücke zu stopfen.“ Zudem sollte natürlich versucht werden, bei Bedarf Pflegedienste vor Ort einzubinden, ebenso wie beispielsweise Frisöre oder Fußpfleger. Dauerhaft soll sich ein Hausmeister vor Ort um die Belange des Hauses und der Bewohner und Gäste kümmern.
Für den künftigen Gastronomen seien die Bedingungen sicher attraktiv, meinte Zinke. „Er mietet sich Zimmer von uns an, die er nur bezahlen muss, wenn sie auch belegt sind.“ Außerdem liege die Pacht unter den marktüblichen Preisen. Die Stiftung sehe ihren Einsatz hier als karitatives Engagement und müsse daher keine Gewinne erzielen.
Gebäude mit Handlungsbedarf
Dass der Ritterorden prinzipiell bereit wäre, auch über einen Pachtvertrag anstelle eines Kaufes nachzudenken, begrüßten etliche Ratsvertreter. Die Vorstellung, das Haus in fremde Hände zu geben, hatte nicht nur Manfred Adam als ungut beschrieben. „Wenn das Haus in fünf oder zehn Jahren sich selbst überlassen und dann verfallen würde, das wäre für die Menschen am Ort schlimm“, sagte er. „Wenn wir das Haus kaufen, dann sorgen wir uns auch darum, das gehört zu dem Konzept“, sagte dazu Wirtschaftsberater und Ordensmitglied Stefan Spieß. Und fügte hinzu: „Bei dem Gebäude besteht übrigens bereits jetzt dringender Handlungsbedarf.“
Zu dem Konzept soll im übrigen auch eine Öffnung für die Bewohner und Besucher der Stadt gehören. Feste, Trauungen, Konzerte, Ratssitzungen – all das könnte hier weiterhin stattfinden. „Wir würden uns wünschen, dass das Hotel dabei hilft, die Stadt lebendig zu halten“, sagte Zinke.
Zu wenig über Orden bekannt
Zwar wurde an dem Konzept an sich nur wenig Kritik geäußert, dennoch blieben die Stadträte in ihrer Reaktion eher verhalten. Barbara Dietz formulierte es so: „Wenn ich mit einer Stiftung zusammenarbeite, dann will ich schon wissen, wo deren Gelder so hinwandern. Und warum finde ich dazu so wenig im Internet?“ Zunächst müsse man ja von den Anbietern überzeugt sein, erst in zweiter Linie könne es dann um das Konzept selbst gehen. Den Fehler, sich von einem Konzept blenden zu lassen, habe man schon einmal gemacht. „Wenn wir unser Schlosshotel als Prestigeobjekt der Stadt in ihre Hände geben, dann müssen wir wissen, was diese Hände sonst so geleistet haben“, sagte sie.
Timo Blümmert verwies darauf, dass mit der Suche nach einem geeigneten Käufer oder Pächter ja eine Agentur beauftragt wurde. Deren Aufgabe müsse es jetzt sein, auch den Ritterorden „abzuklopfen“. Stadtchef Vettermann versicherte den Ratsmitgliedern, dass – so man sich generell mit dem Konzept des Ritterordens anfreunden könne – alle offenen Fragen zur Sprache kommen würden und in weiteren Gesprächen beantwortet werden müssten.
Neben dem Ritterorden gibt es zwei weitere Vorschläge für die künftige Nutzung des Hotels: Einen Inklusionsbetrieb will Anna Schreiber einrichten, Lydia Thorn Wickert hat eine Musikakademie vorgeschlagen.